Bahn-Campus: Der Theorie folgt jetzt die praktische Umsetzung

Das Projekt Smart-Rail- Connectivity-Campus hat sich durchgesetzt. In einem Wettbewerb schaffte es das Vorhaben unter die Top 20 bundesweit. Damit fließen bis zu 15 Millionen Euro Fördermittel des Bundes in die Region. Dazu gibt es weitere Millionen vom Freistaat. Doch was passiert mit dem ganzen Geld?

Annaberg-Buchholz.

Der Himmel ist wolkenverhangen. Hin und wieder nieselt es leicht. Kameraleute und Fotografen schauen immer wieder vom Schlettauer Bahnhofsgebäude aus die Schienen entlang. Dann endlich taucht am Horizont "Lucy" auf. Diesen Namen trägt der mit Technik gespickte Forschungszug der Firma Thales. Mit ersten Testfahrten zwischen Annaberg und Schwarzenberg am gestrigen Mittwoch läutete "Lucy" unter den Augen zahlreicher Journalisten symbolisch die Phase der Umsetzung des Projektes Smart-Rail-Connectivity-Campus (SRCC) ein.

Dass das nach Angaben der Macher europaweit einzigartige Modellprojekt nach einer langen Phase der Entwicklung und Planung nun tatsächlich Wirklichkeit wird, ist vor einer Woche in Berlin entschieden worden. Dort, im Bundesministerium für Bildung und Forschung, nahm der SRCC die letzte Hürde. Das Vorhaben setzte sich in einem zweistufigen Verfahren gegen mehr als 100 Bewerber bundesweit durch, gehörte am Ende zu den 20 innovativsten Forschungsprojekten, die jeweils mit bis zu 15 Millionen Euro gefördert werden.

Sascha Aurich

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Im Mittelpunkt des Vorhabens steht der Aufbau eines Forschungscampus für automatisiertes Zugfahren auf Normalspurgleisen in Annaberg-Buchholz. Dieser soll in das Gebäude des Unteren Bahnhofes einziehen. Den dafür nötigen Umbau will die Stadt Annaberg-Buchholz als Eigentümer des Objektes über zusätzliche Fördergelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) realisieren, sagt Bürgermeister Thomas Proksch. Die Planung dafür soll so schnell wie möglich beginnen. Bis 2022 müsse der Untere Bahnhof aber umgestaltet sein. Spätestens im nächsten Jahr soll bereits eine verbesserte Zufahrt zum Bahnhofsgebäude aus Richtung der B 101 geschaffen werden. Gleichzeitig will die Stadt damit die seit Langem geplante Schnittstelle Bus-Bahn mit realisieren, so Proksch. Zudem entstehe gegenüber des Bahnhofsgebäudes noch der Neubau einer Fahrzeug- und Forschungshalle, in der der Testzug sein Domizil habe. "Wenn man auf die zur Verfügung stehenden Zeiträume schaut, dann wird das alles ziemlich sportlich", betont Proksch.

An der Teststrecke zwischen Annaberg und Schwarzenberg entstehe zudem in Regie von Vodafone eines der ersten 5-G-Netze in Deutschland. Davon würden perspektivisch auch die Unternehmen profitieren, die unmittelbar links und rechts ansässig sind. Für den Aufbau dieses neuartigen Telekommunikationsnetzes sollen ebenfalls zusätzliche Fördermittel fließen. Diese aber werden vom Freistaat Sachsen erwartet. Laut Proksch hofft man dahin gehend auch noch einmal auf mehrere Millionen Euro. "Die bis zu 15 Millionen vom Bund sind für die reine Forschung und die Gelder aus Dresden für den Aufbau der nötigen Infrastruktur", erklärt Proksch.

Rolf Schmidt, Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz, erwartet sich von dem Projekt einen Technologieschub für die gesamte Region. "Ich bin total happy, dass wir den Zuschlag erhalten haben. Der Bahn-Campus ist ein Baustein auf dem Weg, die Stadt attraktiver zu machen und damit wieder mehr junge Leute anzulocken. Er reiht sich ein in unsere Großprojekte Lehrerausbildungsstätte, Fachhochschule und Industriegebiet", so Schmidt.

Hauptakteure des Projektes SRCC sind neben der Stadt Annaberg-Buchholz die TU Chemnitz sowie die Deutsche Bahn RegioNetz Verkehrs GmbH und die Infrastruktur GmbH der Erzgebirgsbahn. Außerdem haben rund 120 Partner ihre Beteiligung am Campusprojekt erklärt, sagt Sören Claus, Technischer Leiter des SRCC. Sie werden weitere Arbeitsplätze schaffen, Know-how oder Geld in die Region transferieren, ist sich der OB sicher. So, wie eben die Firma Thales. Das weltweit agierende Unternehmen mit rund 65.000 Mitarbeitern hat seinen Sitz in Frankreich. Laut Kai Taylor, Marketingverantwortlicher im Bereich Zugsicherung, ist Thales unter anderem in den Bereichen Satellitentechnik, Flugzeug- und Bahntechnologie unterwegs.

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