Seniorenkolleg: Wissbegierde kennt kein Alter

Am Montag fand die erste Vorlesung für ältere Semester in der Annaberger Stadtbibliothek statt. Prof. Dr. Karl Clauss Dietel sprach über die Bauhausdesignerin Marianne Brandt. Ein gelungener Auftakt und die Kreisstadt hat nun viele neue Studenten.

Annaberg-Buchholz/Chemnitz.

Die normale Dauer einer klassischen Vorlesung an einer Universität hat Prof. Dr. Karl Clauss Dietel gleich mal um eine gute Viertelstunde überzogen. Im Unterschied zu der ein oder anderen Veranstaltung an einer Uni schauten seine Stundenten aber nicht ständig auf die Uhr. Die Zuhörer dieses Vortrages lauschten gespannt jedem Wort. Und es gab noch einen anderen Unterschied: das Alter - und damit ist nicht das des Professors gemeint, der in diesem Jahr immerhin 85 geworden ist. Auch seine Studenten sind nicht mehr die allerjüngsten. Willkommen beim Seniorenkolleg.

Am Montag fand diese neue Veranstaltungsreihe in Annaberg-Buchholz zum ersten Mal statt. Die Stadt wolle sich als Bildungsstandort etablieren, erklärte Franziska Herzig, Fachbereichsleiterin für Kultur. Dazu gehören neben dem innovativen Bahncampus auch Bildungsangebote für jedermann. Die Kinderuni feierte am Wochenende ihre Premiere. Am Montag startete nun das Seniorenkolleg der TU Chemnitz in Annaberg-Buchholz. Die Wahl des ersten Dozenten fiel auf Karl Clauss Dietel. Der Chemnitzer ist einer der bekannten Formgestalter der DDR. Doch um ihn ging es am Montagnachmittag nicht wirklich. Er berichtete aber von einer noch viel bekannteren Gestalterin - der Bauhausdesignerin Marianne Brandt (1893-1983). "Sie gehört zu den fünf bis sieben wichtigsten Personen des Bauhauses", erklärte Dietel. 1923 begann sie am Bauhaus in Weimar zu studieren. "Marianne Brandt entschied sich für die Fachrichtung Metall." Bereits 1924 schuf sie einer ihrer bekanntesten Arbeiten. Das Tee-Extraktkännchen erreichte Weltruhm und ist bis heute begehrt. Da es nicht sehr viele Exemplare davon gab, werden die vorhandenen teuer gehandelt. Dietel sprach von 250.000 Dollar. Sie ist weltberühmt. In ihrer Heimat, Marianne Brandt wurde in Chemnitz geboren und kehrte später wieder dorthin zurück, wurde sie aber erst sehr spät, wie Dietel meinte, geehrt.

Die erste Vorlesung des Seniorenkollegs war aber auch deshalb so besonders, weil der Vortragende Marianne Brandt und ihr Werk nicht nur aus Büchern und Ausstellungen kannte, sondern mit ihr befreundet war. Als sie ins Altersheim nach Kirchberg zog, räumte er mit anderen ihre Wohnung aus. In der Chemnitzer Galerie Oben sprachen er und andere Weggefährten 1973 mit ihr über Kunst und Form, 1983 hielt er an ihrem Grab eine Rede. "Das Bauhaus ging um die Welt und damit auch Marianne Brandt."

Diese Mischung aus Fakten, Fotos ihrer Werke, Verweise auf andere Künstler und Formgestalter, Zeitgenossen, Biografischem und persönlichen Erinnerungen kam bei den Senioren sehr gut an. Viele wollen bei der nächsten Vorlesung wieder mit dabei sein und am besten gleich das gesamte Semester absolvieren. Die Termine stehen fest. Der nächste Vortrag findet am 25. November statt. Dann spricht Norman Pohl von der TU Bergakademie Freiberg über Alexander von Humboldt.

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