Sohn eines Ofenbauers erwärmt sich fürs Handwerk seines Vaters

Bei Familie Heyne aus Sachsenfeld stehen in den nächsten Monaten gleich mehrere Jubiläen an. Der Goldene Meisterbrief war nur der Anfang.

Schwarzenberg.

Wer den Goldenen Meisterbrief von der Handwerkskammer erhält, hat vor 50 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt. Im Fall von Dietmar Heyne aus Schwarzenberg ist das nicht anders. Doch nicht jeder Meister ist dann auch noch in seinem Beruf tätig. Bei dem Schwarzenberger ist das allerdings so. Dietmar Heyne ist auch heute noch als Ofenbauer aktiv.

Gelernt hat er den Beruf von und bei seinem Vater Kurt. Und der wiederum hatte das Geschäft von seinem Vater, Ernst Heyne, übernommen. Gegründet wurde die Firma bereits 1912. "Und im kommenden Jahr feiern wir bereits 40-jähriges Betriebsjubiläum", sagt Dietmar Heynes Ehefrau Ursula, dann stünde noch ihr runder Geburtstag und die Goldene Hochzeit an, verrät sie.

Es gibt also jede Menge Grund zu feiern, bei den Heynes. Und auch die Auftragsbücher seien nach wie vor gut gefüllt. "Der Trend geht ganz klar wieder hin zum Kachelofen, richtig gemauert aus Ziegel", sagt der 76-jährige Ofenbauer. Für ihn ist dies überhaupt die angenehmste Form der Wärme in einem Raum, wie er betont.

Und tatsächlich. Wer bei Heynes auf der Ofenbank sitzt, spürt schnell eine wohlige Wärme. Es ist eine andere Wärme als von einer Heizung. "Das liegt an den Schamottsteinen, die eben die Wärme ganz anders speichern und viel gleichmäßiger wieder abstrahlen", erklärt der Meister seines Faches. Er hat es von der Pike auf gelernt, wie man einen Kachelofen baut. "Wir haben alles gemacht: Kachelöfen, Küchenöfen und auch so große Wirtschaftsöfen, wie sie oft in Bauerngütern standen", erzählt er. Die einzige Schwierigkeit die in den Anfangsjahren seiner beruflichen Tätigkeit bestand, war die Materialknappheit. "Für die Kacheln gab es Kontingente. Doch schon mein Vater unterhielt damals gute Kontakte zu einem Großhändler. Das war unerlässlich", sagt er.

Zu DDR-Zeiten war der Ofensetzer ein gefragter Mann. Und aufgrund der engen Materiallage habe man oft auch Öfen "umgesetzt". Das bedeute allerdings nicht, dass der Wärmespender von einer Zimmerecke in die andere "versetzt" wurde, etwa wie beim Umräumen. Sondern er wurde mit den gleichen Kacheln, nur innenwendig mit neuen Ziegel- und Schamottsteinen neu aufgemauert. Dann hielt er wieder ein paar Jahrzehnte. Das sei möglich gewesen, da man früher die Öfen mit Lehm gebaut habe, erklärt er. Heute werde dies mit anderen, stärkeren Klebern gemacht, sodass bei einer Demontage die Kacheln womöglich kaputt gehen. "Doch heute würde wohl niemand mehr die gleichen, alten Kacheln wieder verwenden, sondern neue. Es gibt jetzt ja so viele unterschiedliche und schicke Sachen", fügt Ursula Heyne hinzu, die in der Firma für alle Planungsarbeiten zuständig ist und die Kundschaft berät. Dabei entstammt sie einer Familie, die sich dem Zentralheizungsbau verschrieben hat. "Das ich nun gerade an einen Ofenbauer gerate, konnte keiner ahnen. Aber es war alles richtig", ist sie überzeugt. "Ja, ein gut gemachter Kachelofen hält gut und gerne 30 bis 40 Jahre", so Heyne. Seine Firma beschäftigte in Spitzenzeiten sogar 15 Fliesenleger. Heute Nachwuchs für dieses Handwerk zu gewinnen, sei schwer, sehr schwer. "Denn das ist eine Arbeit, bei der man sich wirklich die Hände noch schmutzig machen muss. Aber es ist schön", meint Dietmar Heyne, der das Unternehmen in dritter Generation führt. Ob sein Enkelsohn sich auch noch - so wie er sich einst, für den Beruf erwärmen lässt - sei offen. "Aber man kann niemand zwingen", sagt der 76-Jährige gelassen.

Dass der moderne Zentralheizungsbau der Ofensetzerbranche einen Abbruch bringt, stimmte nur bedingt. Man muss sich anpassen, darf die Entwicklungen nicht verschlafen, sind sich die Heynes einig. Deshalb haben sie nach der Wende kräftig investiert. "Heute fertigen wir feine Öfen ganz nach Kundenwunsch. Jetzt gibt es ja alles, was man sich nur denken kann", so Ursula Heyne.

Sind heute nicht vielmehr Kamine gefragt? "Kamine sind hohl, sie verbrennen das Holz und heizen nur für den Moment. Ein Ofen indes speichert die Wärme", erklärt Ursula Heyne den wesentlichen Unterschied. Aber heute ließe sich beides genial miteinander verbinden: "Es gibt moderne Öfen mit einem großen Fenster, um den Kamineffekt zu haben und dennoch die gespeicherte Wärme", erklärt sie. Und auch den genauen Zeitpunkt des "Zudrehens" kann der Eigentümer eines modernen Ofens nicht mehr verpassen, denn das macht die elektronische Steuerung von allein. Geheizt werde vorrangige mit Holz. "CO2-neutral", wie er betont. Denn auch in Sachen Bundesimmissionsschutzgesetz müsse man stets auf dem neuesten Stand sein - das halte selbst Ofenbauer auf Betriebstemperatur.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...