Julio holt ein Stück seiner Heimat ins Lugauer Klassenzimmer

Venezuela und Tschechien sind diesmal neu - Inhalt und Anliegen des Fremdsprachenfestes an der Grundschule aber gleich-geblieben: Die Kinder sollen Sprache und Menschen anderer Länder erleben. Aber auch die Ausländer empfinden das Projekt als Bereicherung.

Lugau.

"Buenos dias!" - Julio D'Pascuale begrüßt die Kinder in seiner Muttersprache, ehe er zu der ihren wechselt. "Guten Morgen, ich heiße Julio. Ich möchte mit euch ein wenig Spanisch sprechen." D'Pascuale ist Student an der TU Chemnitz, er kommt aus Venezuela. Und die elf Mädchen und Jungen vor ihm sind Viertklässler der Grundschule und Fünftklässler der Oberschule von Lugau. Sie gehören zu den hundert Schülern, die an diesem Mittwoch am Fremdsprachenfest der Lugauer Grundschule teilnehmen.

Die acht Dozenten dieses Tages sind Studenten an der TU Chemnitz, sie kommen aus Albanien, Venezuela, dem Iran, der Ukraine, Tschechien, Nigeria und China. Gerade haben die elf Mädchen und Jungen bei Eni etwas über Albanien gelernt, zuvor stand bei Marta die Ukraine im Mittelpunkt. Und nun ist Julio dran, der ihnen die Fahne Venezuelas erklärt, sie auf einer Weltkarte nach seinem Heimatland suchen lässt und mit ihnen Spanisch spricht. Es ist ein Schnelldurchgang durch Begrüßungsformeln, Zahlen und Wochentage - ohne den großen gelben "Spickzettel", den Julio vorbereitet hat, wären sie wohl chancenlos. Aber es macht ihnen sichtlich Spaß, und wenn sie ein Wort nicht wissen, führt Julio sie über eine Art "Galgenraten" buchstabenweise an die Lösung heran. Am Ende klatscht der junge Mann Beifall - als die Kinder ganz allein "Martinillo, Martinillo" - die spanische Variante von "Bruder Jakob" - gesungen haben.

Es ist die 8. Auflage des Fremdsprachenfestes, der Ablauf ist immer gleich: Es gibt ein fremdsprachiges Begrüßungsprogramm, später arbeiten die Studenten in Gruppen mit den Schülern, den Abschluss bildet eine Kurzpräsentation. Bei der zeigen die Schüler, was sie bei jeweils einem der Dozenten gelernt haben - Lieder, Gedichte, Tänze oder kleine Dialoge. Organisatorisch begleitet wird das Projekt von der AG In- und Ausländer Chemnitz.

Schulleiter André Reichel lud 2012 erstmals zum Sprachenfest an die Grundschule ein, seither ist es ein Selbstläufer. Die Hälfte der Teilnehmer sind immer eigene Schüler, die andere Hälfte Viert- und Fünftklässler aus sieben Oberschulen und zwei Gymnasien der Region sowie vom Förderschulzentrum Oelsnitz. "Im Mittelpunkt steht die Berührung mit der Sprache und den Menschen anderer Länder", sagt der Schulleiter. Er setze sehr darauf, dass das Fest nachwirkt, dass diese Erfahrung "in Erinnerung bleibt".

Auch für Julio D'Pascuale ist der Tag eine gute Erfahrung, erklärt dieser. Das Sprachenfest ist eine Premiere für ihn. "Ich finde es schön, mit Kindern zu arbeiten", sagt er. Und es mache Spaß, ihnen etwas von der Kultur seiner Heimat zu erzählen, seine Sprache nahe zu bringen. Ein Thema lässt er allerdings aus: die politischen Verhältnisse. "Darüber möchte ich vor den Kindern nicht sprechen", sagt er. "Es ist so schrecklich, was da passiert." Seine Heimat erlebt aktuell eine schwere Krise, es herrschen Versorgungsengpässe, große Armut und Hungersnöte. Julio D'Pascuale weiß darum nicht, ob er nach seiner Zeit in Chemnitz - der 20-Jährige studiert Prävention, Rehabilitation und Fitness - nach Venezuela zurückkehrt. "Meine Familie lebt schon in den USA, vielleicht gehe auch ich dorthin." An diesem Vormittag jedoch genießt er es, den Mädchen und Jungen ein Stück seiner Heimat nahe zu bringen. "Die Kinder sind ganz toll", sagt er.

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