Zum Wochenende: Schnell handeln

Erstmals haben sich Experten jüngst im Ex-Frauenzuchthaus Hoheneck getroffen, um endlich die dort geplante Gedenkstätte inhaltlich voranzubringen. Auch ein Beirat hat sich gegründet. Mehr als ein halbes Dutzend engagierter Leute macht mit - von der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten über Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft bis zum Chef der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße Erfurt. Kluge Köpfe, profundes Wissen. Das ist gut.

Hinzu kommt die Agentur Kocmoc. Die erfahrenen Leipziger haben bereits Gedenkstätten konzipiert - ohne Betroffenheitskeulen zu schwingen. Vielmehr sollen sich Besucher, so das Credo von Kocmoc, mit Geschichte auseinandersetzen. Auch das ist ein guter Ansatz.

Doch es gibt ein Problem. Kaum saß der Beirat zusammen, musste die Stadt verkünden: Die Hoheneck-Objektleiterin Bianca Eichhorn verlässt Stollberg, um anderswo beruflich neu zu beginnen. Nur, mit ihr fehlt die Schaltstelle, die Organisatorin, die Visionärin. Immerhin hat sie es geschafft, Hoheneck als Areal Stalburc ein Image zu geben. Viele in der Stadt - und im Beirat - schätzen ihre Arbeit hoch ein. Umso größer die Ernüchterung bei vielen Beteiligten. Sogar Oberbürgermeister Marcel Schmidt - er hatte eigentlich andere Termine - musste ungeplant auf Hoheneck erscheinen, um dem Beirat Rede und Antwort zu stehen. Eine Lösung ist offenkundig noch nicht in Sicht.

Dabei ist der Erfolgsdruck massiv. So gibt es eine enge Frist für die 1,4 Millionen Euro Fördergelder. Der Eröffnungstermin für die Gedenkstätte musste zudem von Ende 2021 auf Ende 2022 verschoben werden. Aber selbst dieses Zeitkonto ist knapp - es liegt verdammt viel Arbeit vor allen Beteiligten. So müssen in Archiven historische Fakten recherchiert und Zeitzeugen befragt werden. Es fehlt noch an Exponaten. Und der Anspruch an die Schau ist hoch: Vor allem junge Besucher, die die DDR nur aus Geschichtsbüchern kennen, sollen ja in die Gedenkstätte kommen und sich mit Demokratie und Meinungsfreiheit befassen. 500 Quadratmeter Museumsfläche wollen also klug und zeitgemäß bespielt sein.

Ist das zu schaffen? Ja. Nur bedarf es eines Koordinators wie Bianca Eichhorn, wo die Fäden auch künftig zusammenlaufen. Ein Beirat, dessen Mitglieder vollbeschäftigt in ganz Deutschland arbeiten und nur alle zwei Monate mal in Stollberg sein können, kann dies nicht leisten.

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