Schmidt-Rottluff-Mühle: Muldaer möbeln die Technik auf

Zehn Jahre lang war die Technik der alten Chemnitzer Mühle eingemottet. Jetzt holen die Mühlenbauer die Teile hervor und polieren sie auf. Die geschichtsträchtige Mühle soll ein Begegnungszentrum werden.

Mulda/Chemnitz.

Alte Schrauben und Muttern lösen; Metallteile von Rost befreien, blank putzen, neu streichen und wieder zusammenbauen: Bis Ende März wollen die Mühlenbauer aus Mulda die Technik der Schmidt-Rottluff-Mühle in Chemnitz wieder gangbar machen. Dabei sollen möglichst alle Originalteile erhalten bleiben.

Die Mühle gehörte einst dem Müller Friedrich Schmidt, der mit seiner Familie darin wohnte. Einst wurde dort Getreide gemahlen. Sein Sohn Karl, der bekannte Künstler Karl Schmidt-Rottluff, wurde im Wohnhaus nebenan geboren und verbrachte Jahre seiner Kindheit dort. Um diesen Teil der Biografie Besuchern näher zu bringen, hat sich der Ende 2014 gegründete Förderverein namens Karl Schmidt-Rottluff Chemnitz zum Ziel gesetzt, das Areal als kulturelle Begegnungs-, Veranstaltungs- und Bildungsstätte öffentlich zugänglich zu machen.

Auf dem Gelände in der Limbacher Straße 380 und 382 befinden sich die beiden Elternhäuser des Künstlers. Beide gehören der Stadt Chemnitz und stehen unter Denkmalschutz. In der linken Hälfte befindet sich die Mühle "mit vier Etagen voller Mühlentechnik", beschreibt Brigitte Pfüller, Vorsitzende des Fördervereins. Von den vier Mahlwerken soll eines instand gesetzt werden, damit Besucher erleben können, wie die Mühle funktioniert.

Bereits vor zehn Jahren wurde der Muldaer Mühlenbauer Gottfried Schumann zurate gezogen, um sich ein Bild von der alten Mühlentechnik zu machen. Er baute die Technik, darunter viele verschiedene Förderschnecken und sogenannte Elevatoren zur Beförderung des Getreides aus und lagerte sie ein, damit die Mühle saniert werden kann. Das Gebäude wurde durch Mittel aus dem Konjunkturprogramm II der Bundesregierung von 2009 bis 2010 trockengelegt, das Dach abgedichtet, Hausschwamm entfernt.

Nun - der Verein hat 140.000 Euro Fördermittel für die denkmalschutzgerechte Sanierung bekommen - wird die Technik wieder hervorgeholt, zunächst begutachtet und sortiert. "Zu DDR-Zeiten wurde in der Mühle auch geschrotet. Die nachgebaute Technik brauchen wir jetzt nicht mehr", sagt Gottfried Schumann, der in Mulda vier Mitarbeiter beschäftigt. "Gutes Holz wollen wir, wenn möglich, wieder einbauen." Der 62-Jährige freue sich, einen Teil der Mühlentechnik neu zu beleben: "Die Städter können ihren Kindern dann zeigen, was eine richtig alte Mühle ist."

Darauf freut sich auch Brigitte Pfüller. Doch der 20 Mitglieder starke Verein braucht noch einen langen Atem. "Der Fußboden, Toiletten, Treppen, Türen, Heizung das müssen wir alles noch machen", erklärt sie. Sie hofft, dass im Frühjahr oder Sommer eine erste Veranstaltung, vielleicht eine Lesung, stattfinden kann. "Es soll aber ausdrücklich kein Museum werden. Museen haben wir viele in der Stadt", sagt sie. "Wir wollen ein Begegnungszentrum für Künstler, Wissenschaftler und Kinder schaffen und Leute einladen, hier etwas zu machen. Auch Ausstellungen von Schülern kann ich mir gut vorstellen", erzählt sie. Um Spendengeld zu sammeln, hat der Verein eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Ziel ist, bis Juni 20.000 Euro zu generieren. Insgesamt schätzt sie, werden noch rund 300.000 Euro benötigt, um die Mühle fertig zu sanieren und auch um den Brandschutz und einen zweiten Rettungsweg zu berücksichtigen.


Karl Schmidt-Rottluff

Der Maler, Grafiker und Plastiker Karl Schmidt-Rottluff (1884 - 1976) ist in Rottluff, dem heutigen Stadtteil von Chemnitz, geboren und lebte mit seiner Familie in der Mühle seines Vaters, der heutigen Schmidt-Rottluff-Mühle in Chemnitz.

Seinen Doppelnamen legte er sich 1905 zu. Damals studierte er Architektur in Dresden. Mit seinen Kommilitonen Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl und Erich Heckel gründete im selben Jahr die Künstlergemeinschaft "Die Brücke".

Die Arbeiten von Karl Schmidt-Rottluff aus verschiedenen Schaffensperioden werden in den Kunstsammlungen Chemnitz aufbewahrt: von frühen Ölskizzen aus seiner Gymnasialzeit über exemplarische Gemälde aus den Brücke-Jahren und die großen Landschaften der 1920er- und 1930er-Jahre bis hin zum reifen malerischen Spätwerk bis 1963, heißt es auf der Webseite des Museums. Der grafische Bestand umfasst 134 Aquarelle und Zeichnungen, 234 Druckgrafiken - darunter 129 Holzschnitte, 53 Lithografien und 39 Radierungen - sowie 21 Druckstöcke. In der Ausstellung sind 47 Gemälde und zwei Skulpturen von ihm zu sehen. (cor)

Führungen 12 Uhr, am Wochenende und feiertags zudem 16 Uhr.

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