Sorge um den Ski-Ort Holzhau

Gerichtlich will ein Eigentümer die Nutzung eines Teils des Skihangs - samt Skilift - verbieten lassen. Hoteliers sind alarmiert.

Holzhau.

Das kleine Holzhau im Osterzgebirge ist ein touristisches Schwergewicht. Hotels, Pensionen, Gaststätten leben vom Strom zehntausender Gäste jährlich. Das Skigebiet zieht dank Bahn-Anbindung viele Freizeitsportler aus dem Raum Chemnitz und Freiberg an. Doch zwischen dem Betreiber und einem Grundstückseigentümer eskaliert nun ein Streit, der die Zukunft des Skigebiets - und damit des Tourismusorts - massiv infrage stellt.

Vorläufiger Höhepunkt: Der Eigentümer hat gestern beim Landgericht Chemnitz eine einstweilige Verfügung beantragt. Dem Betreiber des Skigebiets soll verboten werden, das Grundstück zu betreten oder es Skifahrern zur Verfügung zu stellen. Über das Grundstück verläuft nicht nur eine Skipiste. Auch der vom Tal aus gesehen rechte der beiden Skilifte führt teilweise darüber - die Antriebsstation der Anlage inklusive.

Eigentümer Volker Geyer kaufte das fragliche Grundstück am Hang 2015 von privat. Zu der Zeit tummelten sich längst Skifahrer am Hang. Es habe aber keine vertragliche oder grundbuchrechtlich gesicherte Vereinbarung gegeben, argumentiert Geyers Anwältin. Bauten seien widerrechtlich errichtet worden. "Die Bemühungen des Antragstellers waren immer darauf gerichtet, eine Legalisierung des Zustands herbeizuführen, damit der Skibetrieb auf dem Hang auch weiterhin aufrecht erhalten werden kann", heißt es im Antrag. So habe ihr Mandant einen Vertragsentwurf vorgelegt, den der Betreiber trotz mehrfacher Bitte nicht unterzeichnet habe. Durch den Saisonbeginn sei Eile geboten.

Der Betreiber des Skigebiets heißt Alexander Richter. Sein Vater übernahm die Anlage damals auf Drängen der Gemeinde, sagt er. Es war kurz nach der Wende, als viele Absprachen per Handschlag besiegelt worden seien. Das gelte für mehrere Grundstücke. Die 1993 gebaute Lift-Anlage gehört der Gemeinde. Richter hat sie bis 2038 gepachtet und viel Geld ins Gelände investiert. Bleibt der Schnee aus, wachsen Sorgenfalten auf seinem Gesicht. Er arbeitet mit Partnern an einer Mountainbike-Route, die den Tourismus im Sommer ankurbeln soll. Auch dabei spielt der Lift eine zentrale Rolle. Für den Abfahrtsbetrieb ist der Lift sowieso nicht wegzudenken.

Die Zukunft des Skibetriebs sieht Richter gefährdet. Denn der vorgeschlagene Vertrag sei unannehmbar. Die Pacht solle alles in allem mit mehr als 2000 Euro jährlich fast das Hundertfache des üblichen betragen, auch gebe es ein Sonderkündigungsrecht mit einer Frist von nur zwei Monaten. Der Eigentümer könne ohne Vorwarnung Sachen auf dem Gelände abstellen, während er, Richter, für die Sicherheit der Skifahrer hafte. Skiunterricht sei nur bei vorheriger Zustimmung erlaubt.

All das sei nicht verhandelbar gewesen. Richter hätte das Grundstück gern selbst erworben, sagt er, aber nicht erfahren, dass es zum Verkauf stand. Bei öffentlichem Interesse gibt es laut Baugesetz ein Vorkaufsrecht für Kommunen. In dem Fall habe laut einer Prüfung kein öffentliches Interesse bestanden, sagt Bürgermeister Michael Funke (parteilos). Er pocht auf den Pacht-Vertrag mit Richter - und einen Nutzungsvertrag von 1993, in dem die Gemeinde und die damaligen Besitzer die Nutzung des Grundstücks als Skigebiet geschlossen hatten. Beide Seiten hätten diese Verträge zu erfüllen, mehr gebe es aus Gemeindesicht nicht zu sagen, so Funke.

Der Vertrag sei nicht im Grundbuch eingetragen und gelte nicht für ihren Mandanten, so wiederum die Anwältin. In Holzhau beobachten Hoteliers die Entwicklung mit Unbehagen. "Ohne Skibetrieb können wir zuschließen", so Iris Gläser vom Berghotel Talblick. Sie versucht es mit einer Art Appell. Alle Vermieter seien der festen Überzeugung, dass Geyer, selbst Skilehrer und Ski-Pionier, den Tourismus nicht totschlagen wolle - und dass es eine Lösung wie einen Flächentausch geben könne, um Planungssicherheit für den Skibetrieb zu ermöglichen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 5
    0
    Hankman
    09.12.2017

    Ähm ... mal überlegen: Warum kauft jemand ein Grundstück, das in einem Skigebiet liegt und über das eine Skipiste führt? Vertrag hin oder her. Mir scheint, der Konflikt war doch vorprogrammiert. Sowas müsste doch auch von vornherein im Kaufvertrag stehen. Mir scheint, hier möchte einfach jemand von den Einnahmen aus dem Liftbetrieb was abhaben. Aber auch die Gemeinde hat sich hier nicht mit Ruhm bekleckert. Gewisse Sachen muss man einfach vertraglich fixieren ...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...