Junge Artistin kämpft sich in Manege zurück

Ein Sicherungsseil war gerissen. Deshalb stürzte eine 14-Jährige in die Tiefe. Jetzt gastiert der Zirkus in Burgstädt - aber noch nicht mit Trapezkunst.

Burgstädt.

Ein junges Mädchen steht an der Kasse in einem Zirkuswagen und verkauft Tickets, Getränke und Süßigkeiten. Vieles macht sie mit der linken Hand. "Der rechte Arm schmerzt noch", sagt Joline Köllner. Das hat seinen Grund: Anfang Mai war die 14-Jährige bei einer Artistik-Nummer vom Trapez in die Tiefe gefallen. Sie hatte eine Gehirnerschütterung, der Arm war geprellt. Drei Tage lag sie im Krankenhaus in Chemnitz. Fünf Wochen hatte sie Bettruhe. Zirkus Piccolino musste ohne sie die Tournee in Chemnitz-Klaffenbach und durchs Erzgebirge fortsetzen.

"Das war hart", sagt Mutter Katharina Köllner. Ihre Tochter trete gern in der Manege auf und balanciere am liebsten in der Luft. Jetzt muss sie immer noch pausieren. Weil sie Schmerzen hat, wird sich Joline erneut im Krankenhaus vorstellen. Ein MRT-Termin steht noch aus, sagt Köllner. Bei der Magnetresonanztomographie, abgekürzt MRT, sollen Struktur und Funktion der Gewebe und Organe untersucht werden, um mögliche Schäden festzustellen. Es könne ein Muskel eingeklemmt sein, auch weil ihr ab und zu schwindlig wird. "Aber am liebsten würde ich wieder am Trapez hängen", sagt Joline. Sie könne es gar nicht erwarten. Sie trainiere mit Dehnungsübungen und verschiedenen Kunststücken am Boden, Spagat falle ihr nicht schwer. Ende August will der Zirkus wieder auf Wanderschaft gehen. "Dann bin ich dabei", sagt die 14-Jährige, die beruflich auf alle Fälle in die Fußstapfen ihrer Eltern treten will.

Mutter Katharina Köllner ist im Zirkus Renz aufgewachsen, der ihrem Vater gehörte. Dort sei sie als Kind auch auf einem Seil gelaufen und habe am Trapez gehangen. Als Zehnjährige sei sie auch mal abgestürzt, allerdings weich auf einer Schaumstoffmatratze gelandet. "Für Kinder gibt es immer einen doppelten Boden", sagt die 39-Jährige.

Doch Joline habe den nicht gehabt. Das Mädchen habe fünf Meter hoch in einem Ring-Trapez gehangen. Sie löste ein Bein, die Zehen des anderen Fußes hielten das Gewicht des Körpers, erläutert die Mutter. Langsam drehte sich das Turngerät um sich selbst. Dann spannt sich das Sicherungsseil, fängt sie in einer Höhe von vier Metern ab. Doch das Stahlseil riss. "Joline war ohnmächtig, ich habe sie gleich von Mund zu Mund beatmet", sagt Vater Sascha Köllner. Er habe Finger und Beine getestet um festzustellen, ob die Wirbelsäule verletzt ist", erläutert der 41-Jährige. Zum Glück sei alles in Ordnung gewesen. Nötige Behandlungen seien über die Versicherung, die Künstlersozialkasse, bezahlt worden.

Auch fanden Gutachter die Ursache für den Seilriss heraus, sagt Mutter Katharina Köllner. "Wir hatten das vier Millimeter dicke Stahlseil in einem Baumarkt gekauft", fügt sie hinzu. Das Seil, das mit einer Plastikhülle bezogen sei, habe einen Knick gehabt. Deshalb sei Feuchtigkeit eingedrungen, es habe sich Rost gebildet. "Das sieht man mit dem bloßen Auge nicht", ergänzt Joline. Doch inzwischen haben die Eltern ein neues Seil gekauft - angefertigt in einer Seilerei. "Das ist Handarbeit und hält bestimmt", sagt die Mutter.

Joline ist das mittlere von drei Kindern, die alle in der Manege stehen: der achtjährige Lennox als Clown und Dompteur, die 17-jährige Lijanne mit Jonglerie sowie Ziegen- und Pferdedarbietungen. Piccolino macht seit Mittwoch Station in Burgstädt. Die Zirkusleute aus Mecklenburg-Vorpommern haben aber nicht ihr Zelt aufgebaut. "In den Sommermonaten bleiben die Besucher aus", sagt Katharina Köllner. Deshalb habe sich das Familienunternehmen zwölf Hüpfburgen mit Wasserspielen angeschafft. Dafür wurden 4000 Euro investiert. Neun Attraktionen, darunter eine Hai-Hüpfburg, die allein etwa 8000 Euro kostet, seien allerdings ausgeliehen. "Wenn es gut läuft, wollen wir noch mehr kaufen", sagt Sascha Köllner.

Die ersten Besucher testeten am Mittwoch die Attraktionen. Alina war mit ihrer sechsjährigen Cousine Nele gekommen, die bei der Oma in Köthensdorf die Ferien verbringen. "Für mich ist es etwas zu klein und zu unattraktiv", sagt die 17-Jährige aus Dortmund. Andere, vor allem jüngere Kinder, testeten lautstark die Hüpfburgen und gaben vor allem dem Fußball-Feld gute Noten. "Wir sind mit der Besucherzahl am ersten Tag sehr zufrieden", sagt Katharina Köllner. Etwa 60 Gäste wurden gezählt. In Pleißa, wo die Truppe zuvor Station machte, kamen weniger - auch wegen des Stadtparkfestes, sagt Köllner.

Hüpfburgstadt Neben der Tankstelle an der Mittweidaer Straße in Burgstädt hat der Zirkus mittwochs bis freitags von 14 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Kinder im Alter von 1 bis 16 Jahren 8 und für Erwachsene 4 Euro.

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