Fachmann sorgt für sauberen Klang von 3000 Pfeifen

Die Restaurierung der Orgel in der Geringswalder Martin-Luther-Kirche steht vor dem Abschluss. Im Advent soll sie als eine der größten Mittelsachsens wieder erklingen.

Geringswalde.

Pandemiebestimmungen hin oder her: Der Geringswalder Pfarrer Klaus Tietze ist mit Blick auf die kommende Adventszeit zuversichtlich. "Am 24. Dezember wird die komplett überholte Orgel mit sauberen und brillanten Klangfarben wieder ertönen."

Der eigentliche Höhepunkt ist mit der offiziellen Inbetriebnahme am 19. März kommenden Jahres geplant. Dann wird Kirchenmusikdirektor Jan Ernst von der Domgemeinde Schwerin spielen. "Wir kennen uns gut. Und eine Ladegast-Orgel ist nun mal ein gutes Zugmittel, den prominenten Kirchenmusiker nach Geringswalde zu locken", so Tietze. Fachleute vom Unternehmen "Jehmlich Orgelbau Dresden" hatten das Instrument komplett auseinandergenommen. Alles, was reparaturbedürftig war, wurde in der Dresdener Werkstatt aufgearbeitet. Ein Teil des Kirchenschiffs diente zur Ablage von Orgelteilen.

Und damit wirklich jeder Ton sitzt, nimmt sich Intonateur Matthias Ullmann jetzt jede der rund 3000Pfeifen des Instruments einzeln vor. Der Orgelstimmer ist spezialisiert auf Instrumente des 19. Jahrhunderts, mithin in Geringswalde genau richtig.

Dabei wird dem gebürtigen Karl-Marx-Städter im eher herbstkühlen Kirchengemäuer so richtig warm: Pfeife stimmen, auf der Leiter ins Innere der Orgel steigen, Pfeife einbauen und mit dem Stimmhorn nochmals die Klangfarbe prüfen. Die Kletterei im Bauch des Instruments ist sportlich. Denn drinnen sind unter anderem hölzerne Pfeifenstöcke verbaut, die auf keinen Fall betreten werden dürfen, damit sie nicht durchbrechen. Und das Größenspektrum der Pfeifen könnte breiter nicht sein. "Das große 'C' beispielsweise erreicht eine Höhe von rund fünf Metern, die kleinsten Pfeifen für die höchsten Töne bringen es auf gerade mal zwei Zentimeter", verdeutlicht der Intonateur. Im Schnitt schafft Ullmann 58 Pfeifen pro Tag. Das entspricht, wie er sagt, exakt einem Register. "Die Geringswalder Orgel verfügt über genau 48 davon."

Das Stimmen der Pfeifen erfordert ein hohes Maß an Fingerfertigkeit. In einem schmalen Schlitz ist jeweils eine kleine Rolle eingearbeitet, die sich zur Bestimmung des Tones nach oben oder unten bewegen lässt. Ob die Pfeifen aus Zinn oder Zink gefertigt sind, sei egal, erklärt der Fachmann. "Denn die schwingende Luftsäule bestimmt den Ton, nicht deren Ummantelung."

Zudem sollten Intonateure über ein gutes Gehör verfügen. Matthias Ullmann hat es. An der Geige ausgebildet, stimmte er schon als Kind die Instrumente des Schülerorchesters. Später bot sich ein Studium der Kirchenmusik an. "Das hätte ich auch fast angetreten, wäre mir nicht ein Orgelbauer über den Weg gelaufen." Dessen Fähigkeiten und Aufgaben hätten ihn damals sehr fasziniert. So wurde aus dem jungen Karl-Marx-Städter ein Orgelbauer und Orgelstimmer, der inzwischen auf mehr als 40 Jahre Berufserfahrung verweisen kann. Dass ihm als Selbstständigen mal die Arbeit ausgeht, befürchtet Ullmann nicht. "Allein in Sachsen stehen hunderte Orgeln. Da gibt es immer etwas zu tun, um die wertvollen Instrumente zu erhalten."

In die Sanierung der Geringswalder Orgel fließen nach Angaben der Kirchgemeinde knapp über 150.000 Euro. Davon kommen reichlich 92.000 Euro aus der Förderung des Leadergebietes Sachsenkreuz Plus. Die Differenz tragen Landeskirche und Kirchgemeinde.

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