Vorwürfe gegen Tiertafel-Leiter erhoben

Eine Besucherin der Einrichtung fühlt sich ungerecht behandelt und wirft René Löschner Willkür vor. Dieser widerspricht und sagt, die Probleme liegen bei der Frau.

Olbernhau.

Der Grundgedanke der Olbernhauer Tiertafel ist klar: Es geht um die Unterstützung Bedürftiger beim Unterhalt ihrer Haustiere. Seit die Initiative vor rund zwei Jahren von René Löschner gegründet wurde, macht er auf das Projekt aufmerksam und wirbt um Spenden.

Nun erhebt eine Besucherin der Einrichtung Vorwürfe gegen den Leiter. Heidemarie Schwandt kommt regelmäßig zur Tafel und holt das Futter für den Hund ihres Sohnes, gelegentlich auch für Bekannte. In jüngster Zeit sei ihr jedoch die Abgabe verweigert worden, berichtet Schwandt. Zur Begründung sei ihr mitgeteilt worden, dass sie selbst keinen Bescheid habe, das Futter nur an bedürftige Personen direkt abgegeben werden könne. Schwandt vermutet hinter diesem Manöver Willkür, denn es sei nicht das erste Mal, dass sie benachteiligt worden sei. So sagt sie auch, dass bei der Tiertafel die Bescheide fotografiert werden würden. "Das widerspricht dem Datenschutz", ist sie sich sicher. Außerdem kritisiert sie, dass überschüssiges Futter an das Freiberger Tierheim "Albert Schweitzer" weitergegeben werde, statt es zu verteilen. "Dafür lässt sich der Leiter dann auch gleich noch eine Spendenquittung geben", so Schwandt. Sie findet, das Futter solle dort verteilt werden, wo es auch gespendet wurde.

Tiertafel-Leiter René Löschner weist diese Vorwürfe zurück. Jeder der neu zur Tafel komme, müsse seinen Bescheid vom Amt vorlegen. Aus der Höhe der vom Jobcenter bewilligten Unterstützung lasse sich der Grad der Bedürftigkeit ableiten, so Löschner. Bei Heidemarie Schwandts Sohn sei es lediglich ein kleiner Betrag, "er muss also Einkünfte haben, die ihm den Unterhalt seines Haustiers ermöglichen", so Löschner. Zudem sei der Bescheid noch in der Prüfung gewesen. Das habe nichts mit Willkür zu tun, sagt der Olbernhauer Tiertafel-Leiter. Es gelte das Gleichheitsgebot. "Jeder bekommt die gleiche Ration. Wenn am Ende etwas übrig bleibt, schicke ich es nach Freiberg, bevor es bei mir schlecht wird", so Löschner. Es gebe aber auch den umgedrehten Fall, dass zu wenig gespendet wurde, dann müssen alle kürzer treten.

Heidemarie Schwandt überzeugen diese Argumente nicht. Aus ihrer Sich sei jeder bedürftig, der einen entsprechenden Bescheid vom Jobcenter erhält - unabhängig wie hoch die Unterstützung ausfällt. Auch bleibt sie bei ihrer Kritik, dass überschüssiges Futter nach Freiberg abgegeben wird: "Es ist dem Halter ja nicht anzusehen, wie groß sein Haustier ist und wie viel Futter er benötigt."

Thomas Weigel, Schatzmeister des Trägervereins der Freiberger Einrichtung, bestätigt, dass Sachspenden aus Olbernhau an das Tierheim "Albert Schweitzer" abgegeben worden sind - zuletzt in Höhe von rund 240 Euro. Die Spenden seien immer ordnungsgemäß quittiert worden, allerdings auf den Verein der Olbernhauer Tiertafel, nicht auf die Person des Vorsitzenden.

Zu den fotografierten Bescheiden sagt der Sprecher des Datenschutzbeauftragten der sächsischen Landesregierung, Andreas Schneider: "Der Anbieter der freiwilligen Leistung kann selbst über die Bedingungen entscheiden und kann sich deshalb auch den Bescheid vorlegen lassen." Eine temporäre Speicherung als Fotoaufnahme sei zulässig, vorausgesetzt, das Löschen der Aufnahme könne überprüft werden, so Schneider.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.