"Ruck mer nazamm" beim Hutzenohmd

Im Herrenhof Erla ist die Manfred-Blechschmidt-Stube eingeweiht worden. Der Andrang belegt das große Interesse an dieser Art von Traditionspflege.

Erla.

Der mit großem Aufwand sanierte Herrenhof in Erla ist um ein Alleinstellungsmerkmal und belebendes Element reicher. Mit einem Hutzenohmd wurde am Mittwochabend die Manfred-Blechschmidt-Stube offiziell eingeweiht. In einem Bereich des Torflügels wird auf zwei Etagen in Regie des Heimat- und Schulvereins Erla-Crandorf ein Teil des heimatkundlichen Nachlasses von Manfred Blechschmidt (1923-2015) bewahrt und Interessenten zur Nutzung bereitgestellt. Wegen des nasskalten Wetters verlegte man den im Innenhof geplanten Hutzenohmd kurzfristig ins künftige Hofcafé. Der große Andrang führte dazu, dass der 1962 von Blechschmidt geschriebene Liedtext "Ruck mer nazamm" ganz aktuelle Bedeutung bekam. Die eigentliche Stube hätte die Besucher ohnehin nicht gefasst.

Der Volkskundler, Heimat- und Mundartschriftsteller, Gründer und langjährige Leiter des Erzgebirgsensembles Aue lebte seit 1991 in seinem Vaterhaus in Erla. Als er mit Ehefrau Inge ins Heim zog, wandte er sich an die Stadt Schwarzenberg mit der Bitte, einen Weg zu finden, damit der aufgelistete Nachlass, darunter Bücher, Broschüren, Karten Manuskripte und Kartei, in der Heimat bleibt, in gute Hände kommt und öffentlich nutzbar ist. Das Sanieren des Herrenhofs durch die Stadt eröffnete die Chance, im Zusammenwirken mit dem Heimat- und Schulverein jenem Anliegen zu entsprechen. Eine vergrößerte Kopie des damals an Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer gerichteten Schreibens übergab OB-Stellvertreterin Lilly Vicedom jetzt als Dankeschön an Gisela Schmidt, Vorsitzende des Heimat- und Schulvereins, die sich mit Mitstreitern um den Nachlass - weitere Teile liegen im Museum - kümmert, die Stube im Herrenhof einrichtete und auch den Hutzenohmd inklusive stimmungsvoller Hofgestaltung vorbereitete.

Steffen Kindt, der 1989 die Leitung des Erzgebirgsensembles von seinem beruflichen Ziehvater übernahm, führte kenntnisreich durch den Abend und brachte den Gästen auch biografische Daten des Gewürdigten näher. Ensemblemitglieder bestritten den musikalischen Teil, in dem neben vertonten Texten von Blechschmidt einige von ihm geschätzte Autoren und Komponisten mit Liedern vertreten waren. Zu den emotionalsten Momenten fürs Publikum, in dessen Reihen langjährige Wegbegleiter des Geehrten saßen, gehörten Dankesworte von Blechschmidts Tochter Christiane. Für Spaß sorgte unter anderem der Kuchenanschnitt, ein Bezug zu dem einst von Manfred Blechschmidt ins Leben gerufenen Kuchensingen.

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