Stadt setzt Manfred Blechschmidt ein besonderes "Denkmal"

Zwei Räume im historischen Herrenhof in Erla werden künftig das Leben und Wirken des Schriftstellers reflektieren. Diese Würdigung im heutigen Welterbeobjekt würde ihn stolz machen. Zur Eröffnung am Mittwoch wird er durch sein Erbe anwesend sein.

Schwarzenberg/Erla.

Es sind nur wenige Gehminuten, die zwischen seinem ehemaligen Wohnhaus und dem Herrenhof in Erla liegen. Denn Am Rothenberg war Manfred Blechschmidt zuhause. Das Haus mit der Nummer 10 hatte er 1935 gemeinsam mit seinem Vater errichtet. Viele Jahre später, erst 1990, sollte er mit seiner Ehefrau Inge in sein Vaterhaus zurückziehen, wo er fast bis zu seinem Lebensende wohnen blieb.

In wenigen Tagen, am 1. Dezember, jährt sich der Todestag von Manfred Blechschmidt bereits zum vierten Mal. Und es wäre ihm eine Freude zu wissen, dass die Stadt Schwarzenberg ihn postum im sanierten, historischen Herrenhof von Erla ein solches "Denkmal" setzt: "Es wird die ,Manfred-Blechschmidt-Stube'", sagt Gisela Schmidt, die als Vorsitzende des Heimat- und Schulvereins Erla-Crandorf mit ihren Vereinsmitgliedern für die Ausgestaltung der Räume verantwortlich zeichnet.

Doch wer war dieser Manfred Blechschmidt? Und weshalb räumt die Stadt seinem Wirken so viel Raum ein? Um es kurz zu sagen: Blechschmidt war ein Vollblut-Erzgebirger. Ein Waldarbeiter, Förster, der später studierte und Lehrer wurde und als solcher 31 Jahre lang die Volkshochschule in Aue leitete. Er war zudem Schriftsteller, Volkskundler und Gründer des Erzgebirgsensembles Aue. Das Erzgebirge mit seiner großen Vielfalt an Traditionen, mit der besonderen Mentalität seiner Bewohner und deren ganz eigenen Mundart - das hat sein Leben und Wirken bestimmt.

Mitte der 1950er-Jahre greift er erstmals zum Stift. Überliefert ist folgende Beschreibung dieses Moments von ihm: "Ich dachte, man müsste mal Geschichten schreiben über die Erzgebirger. Und so saß ich an meinem Schreibtisch und der eine Waldarbeiter sagte zu dem anderen 'Reich mir doch bitte mal die Axt herüber'. Doch als ich den Satz geschrieben hatte, hab' ich gerad' 'naus gelacht, denn die Waldarbeiter waren da viel prägnanter und sagten: 'Hack haar!' Aber nun kam das Problem, wie schreibt man das?"

Blechschmidt gelang es fortan, aus der Mundart eine Schreibart zu machen, wenngleich er wusste, dass auch weiterhin in jedem Ort des Erzgebirges "annersch geredd werd". Dennoch gab er mit seiner Schreibart zumindest fürs Westerzgebirge eine Richtlinie für die Schreibweise von Mundartbegriffen heraus.

Er schrieb Geschichten, die bis heute - zumindest unter der älteren Generation - bekannt und beliebt sind. Erinnert sei da beispielsweise an "Polezeier Bummermann", dessen turbulente Episoden die Zuhörer noch heute zum Schmunzeln bringen. Mehr als 60 Bücher schrieb Blechschmidt, darunter 18 Titel in Mundart, 42 Broschüren wurden veröffentlicht, und für die "Freie Presse" verfasste er in der Wochenendserie "Bei uns zuhause" mehr als 1000 Texte, beantwortete in der Rubrik "Onkel Max" zahlreiche Fragen zu Bergbau, Landschaft, Bräuchen, Literatur, Musik und Volksschaffen im Erzgebirge. Denn dies alles hat er akribisch erforscht. In seinem Haus am Rothenberg stapelten sich schätzungsweise 14.000 Bücher bis unters Dach. In der Stub', die ihm nun gewidmet wird, hat demnach nur ein Bruchteil dessen Platz, was Blechschmidt studiert und hinterlassen hat.

Zu diesem Erbe gehört aber auch Lebendiges, Klingendes. Denn 1963 gründete er das Erzgebirgsensemble Aue, das bis heute fortbesteht und die Traditionen der Region in Musik, Gesang und Tanz lebendig hält. Blechschmidt vereinte Gesangsgruppen und Mundartsprecher, schrieb Liedtexte. Er ließ die Russischen Hörner nachbauen und brachte diese Instrumente wieder zum Klingen. 1989, nach 26 Jahren, übergab Blechschmidt die Leitung des Ensembles an Steffen Kindt, der nunmehr seit 30 Jahren in Blechschmidts Sinne diese Arbeit fortsetzt und weiterentwickelt. Zur Eröffnung der "guten Stub'" für Manfred Blechschmidt wird daher am Mittwoch, 19 Uhr zu einem geselligen Hutznohmd eingeladen, den "sein" Ensemble gestaltet.

Blechschmidt blieb, wie so viele, nicht unumstritten. Denn er war auch Soldat und später Funktionär. Doch wer sich genauer mit seinem Wirken beschäftigt, wird feststellen, dass er im Innersten stets eines war: Ein Erzgebirger, der seine Heimat im Herzen trug und dies auf vielfältige Weise festhalten und in die Welt hinaustragen wollte.

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