Suche nach Mehrheiten wird schwerer

Die Kommunalwahl hat die Kräfteverhältnisse in vielen Gemeinden und Städten verändert. Eine Partei gewann so viele Sitze hinzu, dass sie gar nicht alle besetzen kann.

Aue/Schwarzenberg.

Große Freude auf der einen Seite, lange Gesichter auf der anderen - die Wahl hat in den Kommunen des Altkreises von beidem jede Menge gebracht. Das zeigt ein Blick auf erste Ergebnisse.

Machtwechsel in Grünhain-Beierfeld: Der Jubel bei den Freien Wählern in Grünhain-Beierfeld ist riesig. Sie konnten ihr Wahlergebnis mit 48,8 Prozent im Vergleich zu 2014 (22,4) mehr als verdoppeln und ziehen nun mit zehn Vertretern in den Stadtrat ein. Damit stellen sie die größte Fraktion, denn die CDU musste 14 Prozent Stimmenverlust hinnehmen. "Wir haben einen tollen Wahlkampf gemacht, sind auf junge Leute zugegangen, haben zugehört und viel erfahren, was es zu ändern gilt", sagt René Auerswald. Durch die frischen Ideen der jungen Leute habe das Ganze eine Eigendynamik erhalten, von der er selbst fasziniert sei. CDU-Bürgermeister Joachim Rudler kommentiert das Ergebnis so: "Ich freue mich. Jetzt haben wir eine konservative Mitte im Rat mit jungen Leuten, das bringt neue Impulse." Auf die Verluste der eigenen Partei angesprochen, sagt Rudler: "Es war zu erwarten. Das Ergebnis entspricht dem allgemeinen Trend. Aber es stimmt, wir haben versäumt, Neue und Jüngere für uns zu gewinnen." Er freue sich auf die Arbeit mit dem neuen Rat, der aus seiner Sicht gute Leute vereint und eine aktive Politik ermögliche.


Gute Mischung in Raschau-Markersbach: Zugelegt haben die Freien Wähler auch in der Gemeinde im Tal der Mittweida, was vor allem Bürgermeister Frank Tröger freut, da es seine Fraktion ist. Er spricht von einer "guten Mischung", die es im neuen Rat geben werde, da dieser sowohl 18-Jährige als auch über Jahre gestandene Räte vereinen wird. Auch aus den drei Ortsteilen sind jeweils Vertreter im Gremium. Die Freien Wähler wurden zweitstärkste Kraft. Diesen Platz hatten eigentlich die Vertreter der Bürgergemeinschaft für sich im Visier. Allerdings reichte es dafür nicht. Sie ziehen erneut mit vier Vertretern in den Rat ein. Froh ist Tröger auch, dass in seiner Gemeinde weder AfD noch rechte Kräfte künftig mitmischen.

Der Stadtrat von Schwarzenberg schrumpft: Das Abschneiden der AfD, die aus dem Stand 17,6 Prozent holte und so nach der CDU (33,2) das zweitbeste Ergebnis erzielte, beschert dem Stadtrat Schwarzenberg ein Novum - eine Verkleinerung von 26 auf 23 Sitze plus Oberbürgermeisterin. Denn da die AfD nur zwei Bewerber aufstellte, aber fünf Mandate hätte vergeben können, bleiben drei Sitze frei. Thomas Dietz, Sprecher des AfD-Kreisverbandes Erzgebirge: "Wir haben das nicht mit Absicht gemacht." Ein Problem sei gewesen, ausreichend Kandidaten zu finden. "Einige trauen sich nicht, sich öffentlich zu engagieren", sagt er. Denn sie hätten später mit Nachteilen zu kämpfen. "Der Stadtrat wird bunter", so kommentiert OB Heidrun Hiemer (CDU) den Wahlausgang. Acht Parteien und Gruppierungen sind nun vertreten, bisher waren es sechs. Neu dabei sind Vertreter des Wirtschafts- und Gewerbevereins. Dessen Spitzenkandidatin Silke Voigt ist nicht nur Gastronomin aus Leidenschaft, sondern brennt auch für ihre Stadt. Mit fast 8 Prozent haben die politischen Neulinge auf Anhieb mehr Stimmen auf sich vereinen können als die Grünen, die seit Jahren im Rat saßen und im Bundestrend derzeit sehr erfolgreich sind. Die Oberbürgermeisterin bedauert, dass mehrere bisherige Stadträte, die über große Erfahrung verfügen, nicht mehr gewählt wurden. "Ich bin gespannt, mit welchem Sachverstand sich die neuen Stadträte in die kommunalpolitische Arbeit einbringen."

Johanngeorgenstadt bleibt SPD-Hochburg: Johanngeorgenstadt ist die einzige Kommune im Erzgebirgskreis, in der die SPD die führende Kraft ist. Die Partei konnte ihre fünf Stadtratssitze behaupten. Die Wählervereinigung Wirtschaft und Gewerbe verdoppelte die Zahl ihrer Sitze auf vier, Linke und CDU verloren im Vergleich zur Wahl 2014 je einen Sitz. Trotzdem ist die CDU gestärkt aus der Wahl hervorgegangen. Im Verlauf der zurückliegenden Legislaturperiode war die Fraktion durch Austritte auf zwei Stadträte geschrumpft. Jetzt hat sie drei Sitze.

Erfahrene Politikerinnen scheitern in Breitenbrunn: Mit der SPD-Landtagsabgeordneten Simone Lang und der Kreisvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Kreisrätin Ulrike Kahl, haben erfahrene Politikerinnen den Sprung in den Gemeinderat Breitenbrunn verpasst. Da hat die CDU im Vergleich zur vorigen Wahl von 52,1 auf 52,8 Prozent zugelegt und stellt zehn Räte, die Freie Wählergemeinschaft Wir in Rittersgrün ist jetzt mit sechs Leuten vertreten. Je einen Rat haben SPD und Linke. Auch wenn sich Bürgermeister Ralf Fischer (CDU) über das Abschneiden seiner Partei freut, ist er Realist: "Wir stehen vor vielen Aufgaben. Die aktuell zu lösenden Probleme werden durch ein Wahlergebnis ja nicht einfach so beseitigt." An der Besetzung des neuen Rates sei abzulesen, dass ein Generationswechsel im Gange sei, was im Sinne der Bürgerschaft liege. Ein Beispiel dafür biete der Ortsteil Antonsthal.

Überraschung in Aue-Bad Schlema: Neu im Stadtrat von Aue-Bad Schlema sind AfD und die Vereinigung "Wir sind Aue-Bad Schlema", die aus dem Stand jeweils zwei Sitze holen. Ihre Mitgliederzahl in dem Gremium verdoppeln konnte die rechtsextreme NPD, die statt einen künftig zwei Politiker entsendet. Die Auer Liste der Unabhängigen und die SPD müssen hingegen jeweils einen Sitz abgeben. Aldu-Fraktionschef Tobias Andrä zeigt sich über das Votum frustriert: Er spricht von einem enttäuschenden Ergebnis "angesichts von fünf Jahren totalen Engagements." Stärkste Fraktion bleiben die Freien Wähler. Sie kommen auf acht Sitze, die CDU folgt mit sechs. (matu/stl/mu/juef)

 

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