Thalheimer Köchin will mit Team Weltmeister-Titel holen

Hanna Lehmann gehört zur Deutschen Jugendnationalmannschaft, die diesen Monat in Luxemburg antritt

Es ist der prestigeträchtige Rudolf-Achenbach-Preis gewesen - und erstmals in der 44-jährigen Geschichte des Bundeswettbewerbs des Verbandes der Köche Deutschlands holte sie diesen Titel nach Mitteldeutschland: Hanna Lehmann. Damals kochte sie die Konkurrenz in die Ecke. Derzeit macht sie ein Praktikum auf Sylt im Söl'Ringhof, wo Küchenpapst Johannes King das Sagen hat. Doch schon Ende November wartet die Weltmeisterschaft auf die junge Frau, die in Thalheim aufgewachsen ist und inzwischen in Chemnitz wohnt. Jan Oechsner hat mit ihr gesprochen.

Freie Presse: Sie sind auf Sylt, wo andere gerne mal Urlaub machen möchten. Wie geht es Ihnen soweit weg von daheim?

Hanna Lehmann: Ich bin seit dem 1. Oktober auf Sylt und wurde in ein sympathisches Küchenteam aufgenommen. Ganz ehrlich: Wenn ich die Landschaft sehe, fällt es mir schon ein wenig schwer, mich nicht wie im Urlaub zu fühlen. Im Gegensatz dazu steht jedoch viel Arbeit auf hohem Niveau.

Sind andere Kollegen aus Sachsen da - oder Sie ganz alleine?

Im Service arbeitet ein Leipziger, sonst aber sind die Kollegen aus ganz Deutschland verteilt.

Was kochen Sie vor allem auf Sylt?

Ich habe bislang einen Einblick in jeden Posten der Küche bekommen. Viel dabei im Bereich Gardemanger und Pâtisserie, aber ich durfte auch schon einen Rehrücken für den Saucier zerlegen. Aber wirklich interessant: Zum ersten Mal habe ich hier mit Königskrabbe und Seeigel gearbeitet. Der Küchenchef möchte dem Gast gerne die Besonderheiten der Insel nahe legen, und deswegen arbeiten wir vor allem mit regionalen Produkten, die sich natürlich von denen in Sachsen unterscheiden. Von daher bekomme ich hier ein Wissen vermittelt, das wirklich restaurantspezifisch ist. Nur die Wattschnecken haben mich bisher nicht überzeugt - aber sonst gibt es hier sehr viel kulinarisches Potenzial.

Haben Sie schon einen neuen Trick gelernt?

Also besonders fasziniert hat mich die Verwendung von einfachen Champignons, die für eine Pilzcreme erst oxidiert werden. Das ist ein einfacher Prozess, der aber viel Geschmack liefert. Auf so eine Idee wäre ich gar nicht gekommen.

Wie schlimm ist das Heimweh?

Natürlich habe ich ein bisschen Heimweh - ich bin ein sozialer Mensch, Freunde und Familie sind mir sehr wichtig. Ich freue mich auch darauf, in Zukunft wieder in Sachsen zu arbeiten, genieße aber auch den Abstand, durch den viel Wertschätzung entsteht, und die Erfahrungen im Söl'Ringhof. Nur: Während meines Praktikums kann ich privat nicht nach Sachsen kommen, dafür ist die Strecke zu lang. Jedoch findet die Generalprobe für die anstehende Weltmeisterschaft in Chemnitz statt, und da darf ich die Heimat mit der Jugendnationalmannschaft besuchen.

Die Koch-Weltmeisterschaft der Jugendnationalmannschaft findet in Luxemburg vom 23. bis 29. November statt. Bekommen Sie da frei vom Chef auf Sylt? Denn das Praktikum läuft doch noch bis zum 15. Dezember.

Ja, schon vor Beginn der Praktikums wurde festgelegt, dass ich für die WM freigestellt werde. Das war für mich eine Voraussetzung. Mein Küchenchef unterstützt mich gerne.

Wie sind Sie ins National-Team eigentlich gekommen?

Durch die Deutsche Jugendmeisterschaft 2017. Da wurde ich von meinen Trainern entdeckt und angesprochen, ob ich denn gerne ein Bewerbungsmenü entwerfen beziehungsweise auch zum Probetraining kommen mag. Nach drei Tests wurde ich dann ins Team berufen und bin jetzt seit fast einem Jahr dabei.

Wie wird denn dafür trainiert? Und was ist Ihre Aufgabe dort?

Wir trainieren mindestens einmal im Monat über drei Tage hinweg an verschiedenen Standorten in Deutschland. Dabei haben wir von der Idee für die Gerichte, über die Rezeptentwicklung bis hin zur Bestellung der Lebensmittel und natürlich das Kochen alles in eigener Hand. Unser Trainer steht uns dann beratend zur Seite und entscheidet, welche Ideen weiter verfolgt werden. Für diese Weltmeisterschaft habe ich den Hauptgang mitentwickelt. Eine Fingerfood-Idee für das Modernist Buffet ist von mir.

Angenommen, Sie werden mit der Mannschaft Weltmeister: Müssen Sie dann alle im Hotelteam künftig ehrfürchtig siezen?

(lacht) Nein, ganz bestimmt nicht. Ein Koch kann doch nur im Team arbeiten und da ist es wichtig, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Ich bin kein Freund vom Siezen, da für mich Respekt nicht durch eine formelle Höflichkeitsform, sondern durch Anerkennung von Leistung entsteht. Daher liegt es mir fern, mich siezen zu lassen. Spannender finde ich es, wenn ich durch Erfolge motivieren kann, über die eigene Komfortzone hinaus zu gehen und einen Anspruch zu entwickeln, richtig gut sein zu wollen.

Wie sehen Sie denn die Chancen, Weltmeisterin zu werden?

Wir treten im Bereich Juniormannschaft gegen etwa 16 Mannschaften an. Es ist richtig schwer einzuschätzen, auf welchem Niveau die anderen Länder kochen. Wir als Team haben den Anspruch unser Bestes zu geben und natürlich ist das Ziel, mit einer Goldmedaille nach Hause zu fahren.

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