Aus der Großstadt zurück zu den erzgebirgischen Wurzeln

In Wien, Istanbul und Berlin hat Felix Kortung schon viel erlebt. Sein Glück will der Stadtentwickler aber nun in Scharfenstein finden, wo er in Anlehnung an seine Kindheit eine Vision in die Tat umsetzen will.

Scharfenstein.

Aus Ideen zunächst Pläne werden zu lassen und letztlich sogar Realität, darin hat Felix Kortung Erfahrung. Schließlich arbeitet der 32-Jährige als Projektmanager bei der Stadtentwicklung in Berlin-Adlershof. Dort setzt er das um, was er einst in Wien und Istanbul gelernt hat. Raumplanung und Raumordnung hieß sein Studienfach in Österreichs Hauptstadt, während eines Auslandsjahres in Istanbul befasste er sich zudem speziell mit Stadt- und Regionalplanung.

Projekte führten ihn auch schon nach Spanien, Slowenien, Bosnien und Japan. Doch sesshaft wurde Kortung 2016 in Berlin, weil er dort einen passenden Job fand. Sein neuestes Vorhaben stellt aber eine ganz besondere Herausforderung dar, da es der gebürtige Leipziger neben seinem beruflichen Alltag auf privater Ebene umsetzen will. Außerdem führt es ihn von der Spree mitten ins Erzgebirge - und damit zurück zu seinen Wurzeln.

Nun gut, offiziell gehört Hennersdorf zum Kreis Mittelsachsen. Doch wann immer Kortung dort seine Vorfahren besuchte und in der Werkstatt des Großvaters mit an einer Pyramide bastelte, fühlte er sich als echter Erzgebirger. "Ich habe dort fast all meine Ferien verbracht", erzählt der heutige Berliner, der sich vor allem an die Weihnachtszeit gern erinnert: "Dann war das Haus meiner Urgroßeltern immer Anlaufpunkt für die gesamte Familie - eine wunderbare Zeit."

Irgendwann sei das alte Haus nicht mehr zu halten gewesen. Zu sehr hatte der Zahn der Zeit daran genagt. Dazu kam noch ein Schicksalsschlag in der Familie. Doch egal, ob in Wien, Istanbul oder Berlin: Felix Kortung behielt seine Heimat immer im Hinterkopf. Als dann auch noch sein Vater ein zweites Haus in Hennersdorf verkauft hatte und das Kapitel endgültig abgeschlossen schien, sah der 32-Jährige die Zeit gekommen, selbst die Initiative zu ergreifen. "Ich hatte das Gefühl, ich muss diese familiären Fußabdrücke erhalten", sagt er.

Via Internet schaute er sich nach einem passenden Objekt in der Region um und konnte es kaum fassen, als er im Juni auf ein altes Rittergut am Fuße der Burg Scharfenstein stieß: "Zwei Monate zuvor war ich mit Freunden dort gewesen und hatte Fotos von genau diesem Haus gemacht." Dass es nun zum Verkauf stand, wirkte auf den jungen Mann wie ein Wink des Schicksals, in der Heimat seiner Familie endlich aktiv zu werden.

Solche Pläne wachsen in Kortung schon länger. Neben seinen Wurzeln ist das, was er sucht, vor allem Entschleunigung und Ruhe. Diesen Ausgleich zum Berufsalltag hofft er, in Scharfenstein zu finden. Allerdings gehört zur Vision des Berliners noch viel mehr. Denn nicht nur er selbst soll von diesem Projekt profitieren, sondern auch möglichst viele andere Menschen. 350 Quadratmeter in diesem Haus bergen schließlich jede Menge Potenzial in sich.

Neben einigen Zimmern für sich selbst gibt es noch weitaus mehr Platz zur Entfaltung. Coworking Space, Werkstatt, Café, Atelier, Räume für Seminare, Proben, Vereine oder betreutes Wohnen - es gibt viele Varianten, die dem Berliner dazu einfallen: "Von Klöppeln bis Sauna ist alles möglich." Bei Coworking Space handelt es sich um ein Geschäftskonzept, bei dem Arbeitsplätze und Infrastruktur zeitlich befristet zur Verfügung gestellt werden. Er will dabei nichts erzwingen, sondern nur die Ideen angehen, die auch die Menschen vor Ort mitentwickeln. Deshalb möchte der 32-Jährige die Nachbarn einladen, sobald es das Wetter zulässt. Bei einem kleinen Fest könnten alle gemeinsam Ideen austauschen und besprechen. "World-Café" werden laut Kortung solche kreativen Workshops heutzutage genannt.

Während die Willkommensparty noch geplant werden muss, ist Kortung in anderen Belangen längst aktiv. So hat er im Dezember einen Fördermittelantrag bei der Leader-Region Zwönitztal-Greifensteine eingereicht. Obwohl sich der Berliner den Kaufpreis leisten konnte, dessen Höhe er für sich behalten möchte, verweigern Banken bisher ihre Unterstützung. "Mein ganzer Bekanntenkreis war überrascht, dass ich keinerlei Immobilienkredite für das Gebäude bekomme", konstatiert der 32-Jährige sichtlich enttäuscht. Für Initiativen, die der Nachhaltigkeit zugutekommen, hatte er sich mehr Anerkennung und Unterstützung seitens der Banken erhofft.

Die Flinte wirft Felix Kortung deswegen nicht ins Korn. Im Gegenteil: Dank seines handwerklichen Geschicks will er schon in wenigen Wochen mit der Herstellung der grundlegenden Wohnungsfunktion beginnen. "Wasser, Strom und Fenster - das werden die ersten Schritte sein", sagt der Visionär, der viel Arbeit vor sich hat und dabei auf die Kreativität und Hilfe seiner neuen Nachbarn baut. Mit der Umsetzung von Ideen kennt er sich ja bestens aus.

Mehr Infos zum Projekt: scharfenstein.kortung.de

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