Mosaik der Zuversicht

Etwa 900 Menschen mit und ohne "Behinderung" haben an einem Bild mit gemalt, das in Schloss Ehrenberg zu sehen ist. Das dortige Centro Arte Monte Onore ist genau der richtige Ort dafür.

Ehrenberg.

Ein Herz unter dem Schriftzug des Chemnitzer Fußballclubs, ein Hoch auf Bayern München, Blumen, Katzen, Bienen, Dollarzeichen, Farbstreifen, Kritzeleien, abstrakte Konstruktionen, Linoldrucke, Schiffe, Wolken, aufgeklebte Kaffeebohnen, sehr, sehr viele Sonnen und Regenbögen - das sind Motive aus dem "Mosaik der Vielfalt", das gegenwärtig in einer Ausstellung im Centro Arte Monte Onore, also im Kunstzentrum Schloss Ehrenberg zu sehen ist.

Allen Bildern sieht man die Lust am Gestalten an, Talente sind zu entdecken - namenlos, denn keines der Bilder ist signiert, aber alle fügen sie sich zu einem Mosaik der Zuversicht, des friedlichen und freudigen, optimistischen und streitbaren Zusammenlebens. Es besteht aus jeweils zehn mal zehn Zentimeter großen Bildern, zu mehreren quadratischen Tafeln vereint. Gestaltet haben es etwa 900 Menschen im vergangenen Jahr unter der Projektleitung der Chemnitzer Behindertenbeauftragten Petra Liebetrau und der Künstlerin Mica Kempe vom Wohnzentrum für körperlich schwerstbehinderte Menschen des Arbeitersamariterbundes. Unter den Malerinnen und Malern waren Menschen mit und ohne körperliche oder geistige Beeinträchtigung, Junge, Alte, Schulen und Vereine, Flüchtlinge haben sich ebenso beteiligt wie viele Privatpersonen.

Pier Giorgio Furlan freut sich, dass das "Vielfaltsmosaik" jetzt gerade auf Schloss Ehrenberg gezeigt werden kann, passt es doch wunderbar ins Profil und zum Anliegen des von ihm ins Leben gerufenen und geleiteten Kunstzentrums Centro Arte Monte Onore, das in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag feiert. Denn "Inklusion", die Einbeziehung von Menschen verschiedener Herkunft, sozialer Stellung, verschiedenen Geschlechts und aller möglichen Diversitäten gehört von Anfang an zu den Zielen des Kunstzentrums. Und das ist auf dem Gelände in Ehrenberg auch deutlich und in aller bunten Vielfalt zu sehen und zu erleben. Neben dem "Vielfaltsmosaiks" erinnert auch eine Ausstellung an die zahlreichen und längst auch überregional beachteten und anerkannten Aktivitäten des Kunstzentrums. "Wir haben mit Gefängnisinsassen zusammengearbeitet, es gab Projekte mit Jugendlichen, mit Frauen, mit Blinden, mit körperlich und geistig Beeinträchtigten, mit ehemaligen Alkoholikern, mit Aussteigern aus der rechten Szene, mit ausländischen Kindern, mit Roma, mit der Technischen Universität Chemnitz, der Hochschule in Mittweida", zählt Furlan auf.

Er ist eigentlich Architekt, kam 1986 nach Deutschland, lebte einige Zeit in Berlin als Schauspieler, Tänzer und Performancekünstler, wollte später seine "eigene Ecke", wie er sagt, und die fand er in dem Kriebsteiner Ortsteil Ehrenberg: das alte, verfallene Rittergut und Schloss. Mit Hilfe sehr vieler Hände und einiger Fördermittel wurden erhaltene Gebäude saniert, in denen sich jetzt Galerien, Werkstätten und Arbeitsräume für die verschiedenen Projekte befinden.

Und das Kunstzentrum lebt. Schon im Außengelände werden Besucher auf den Geist des Hauses eingestimmt. Auf den Wiesen locken Skulpturen mit kurzen Erklärungen ihrer Entstehungsgeschichte. In einem Wäldchen nebenan entsteht der Park der Kulturen der Welt mit Objekten und Installationen, es gibt Texte in arabisch, deutsch, anderen Sprachen. "So viele Menschen kommen hierher", freut sich Pier Giorgio Furlan, "ganz verschiedene ..." Seine Begeisterung steckt an und sie ist damit selbst auch Teil des Mosaiks der Zuversicht.

Die Ausstellung Das Vielfaltmosaik ist noch bis 30. September auf Schloss Ehrenberg zu sehen, ebenso weitere Ausstellungen zu den Projekten des Kunstzentrums. Geöffnet ist montags bis freitags jeweils von 9 bis 14.30 Uhr, sonntags auf Anfrage.

www.centro-monte-onore.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...