Warum die Depeche-Mode-Doku "Spirits In The Forest" magisch ist

Die britische Kultband nimmt mit ihrem eigenwilligen Synthiepop einen Sonderrang ein. Die Ursachen ergründet ein neuer Film von Anton Corbijn. Nächste Woche ist er in vielen Kinos der Region zu sehen.

Chemnitz.

Bewertung von Musik ist vor allem deswegen so schwierig, weil jeder Hörer mindestens 50 Prozent des gewonnenen Eindrucks selbst mitbringt - in Form von Erwartungen, Ahnungen, Ansprüchen, Stimmungen oder schlicht Wissen. Deswegen ist die Magie, die einer Musik vermeintlich innewohnt, immer auch ein bisschen Behauptung: Der, der sie empfindet, muss auch wollen, dass sie funktioniert. Manchmal bringt die Musik aber eben doch etwas mehr mit als diese 50 Prozent - etwa im Fall von Depeche Mode: Die britische Synthiepop-Band schuf in ihren ersten Jahren zwischen schräger Klangmalerei, markant eigenwilligen harmonischen Wendungen und poppigem Griff einen Signature-Sound, der sie spätestens mit dem 1984 erschienenen Album "Some Great Reward" szeneübergreifend zur Welt-Ikone machte.

Warum man das sagen kann? Obwohl seit dem Überwerk "Violator" von 1990 jedes Depeche-Mode- Album das Fan-Lager sofort in Kritiker und Anhänger spaltete, kann man heute jede dieser Platten immer wieder mit Gewinn hören und wird selbst als ursprünglicher Gegner "seine" Bandseite darauf finden. Man mochte eventuell das Laptop-versponnene "Exciter" (2001) nicht oder die Pseudo-Grunge-Platte "Ultra" (1997) oder die seltsamen Retro-Synth-Ausflüge auf "Sounds Of The Universe" (2009)? Wenn man dann doch wieder reinhört, ist man plötzlich von Hitdichte und "Spirit" überrascht! Das führt dazu, dass Depeche Mode auf der ganzen Welt Fanscharen hat, für die die Musik der Briten vielleicht einen Tick tiefer mit dem eigenen Leben verwachsen ist als das bei anderen großen Bands der Fall sein mag.

Diesem Phänomen versucht Regisseur Anton Corbijn ("Control") mit der Filmdoku "Spirits In The Forest" nachzugehen, die ab Donnerstag wenige Tage in vielen großen und vor allem kleinen deutschen Kinos gezeigt wird. Der Streifen folgt sechs verschiedenen Fans zum Abschlusskonzert der Welttournee zum Album "Spirit", das 2018 in der Waldbühne Berlin stattfand. Für Fans ein heiliger Ort: In der Stadt entstanden Klassiker wie "Black Celebration" (1986). Das Besondere am Film: Nichts an den rührenden Lebensgeschichten der Protagonisten aus der Mongolei, den USA, Rumänien oder Kolumbien scheint erstmal sonderlich viel mit Depeche Mode zu tun zu haben - außer, dass die Menschen Kraft aus Songs ziehen. Auch die Live-Teile gehen kaum über das Niveau einer Konzert-DVD hinaus, man setzt noch nicht einmal auf die Band-Evergreens. Mehr und mehr gelingt es Corbijn aber, behutsam und langsam herauszuschälen, welch besonderer Lebenskitt gerade diese Musik ist, was sie über Jahrzehnte mit Familien macht. Das verbindet ganz ohne Szenegetue plötzlich die Fans auf und vor der Leinwand. Kann man magisch nennen!

Hier ist der Film zu sehen

"Spirits In The Forest" wird am 21., 24. und 26. November in diesen Kinos der Region gezeigt:

21.11.

  • Metropol Chemnitz
  • Weltecho
  • CineStar Chemnitz
  • Apollo Filmtheater Limbach
  • Filmbühne Mittweida
  • Kinocenter Movie Marienberg
  • Gloria Annaberg
  • Nickel-odeon Kinocenter Aue
  • Filmpalast Zwickau
  • Kinopolis Freiberg
  • CiD Cinema in Döbeln

24.11.

  • Metropol Chemnitz
  • Weltecho Chemnitz
  • CineStar Chemnitz
  • Apollo Filmtheater Limbach
  • Filmbühne Mittweida
  • Kinocenter Movie Marienberg
  • Gloria Annaberg
  • Nickel-odeon Kinocenter Aue
  • Filmpalast Zwickau
  • Kinopolis Freiberg
  • CiD Cinema in Döbeln

26.11.

  • Weltecho Chemnitz
  • CineStar Chemnitz
  • Filmpalast Zwickau

www.spiritsintheforest.com

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