Atempause im Krisenalltag

In Zeiten der verschlossenen Türen steht der Freiberger Dom mittags offen für eine Andacht und für Gespräche.

Freiberg.

Zwölf Uhr mittags im Dom. Zunächst erklingt das Geläut, dann spielt Superintendentin Hiltrud Anacker das Cembalo. Oft lässt auch Domkantor Albrecht Koch die Silbermann-Orgel klingen. Zu den wochentäglichen Andachten sind alle Interessierten eingeladen. Es gehe darum, im Corona-Alltag durchzuatmen und einen aufbauenden Impuls zu erhalten, sagt Anacker. Wichtig sei, zu überlegen, wofür man trotz Krise dankbar sein kann: "Das hilft beim Durchhalten und Rücksichtnehmen." Gottesdienste dürfen zwar gefeiert werden, mit Maske und Abstand, allerdings in der Regel ohne Gesang. Vielen Menschen fehle das, sagt Anacker. In der Andacht wird deshalb ein Liedtext gesprochen. An diesem Mittag sitzen sechs Menschen in den Kirchenbänken; einige sind Mitarbeiter der Domgemeinde. Als noch kein Schnee lag, waren es mehr, erzählt Matthias Neubert. Er ist Prädikant, also ein speziell ausgebildeter ehrenamtlicher Mitarbeiter der Gemeinde. Zusammen mit seiner Frau macht er sich jeden Mittag auf den Weg von Friedeburg zum Dom: "Wir wollen die Beziehung zu Gott pflegen, und das sichtbar." Elke Neubert ergänzt: "Man kommt aus dem Alltag heraus, man findet Stille."

Hiltrud Anacker liest einen Text vor. Er stammt aus einem "Zuversichtsbrief" vom Portal "www.evangelisch.de" der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der bekannte Satz "Im Anfang war das Wort" wird neu gedacht. Es folgen Gebete, Segen und Musik zum Ausklang. Nach einer guten Viertelstunde ist die Andacht zu Ende. Aber die Superintendentin schließt die Tür nicht gleich wieder zu. Oft entstehen im Anschluss wichtige seelsorgerische Gespräche, erzählt sie. Das Bedürfnis sei groß und man müsse gut abwägen: "Die Corona-Regeln sind wichtig. Aber es besteht auch die Gefahr, dass Menschen krank werden, weil sie zu isoliert sind."

Die Andachten im Freiberger Dom beginnen montags bis freitags 12 Uhr, bis 2. Februar außerdem 18 Uhr. Aschermittwoch bis Ostern lädt die Gemeinde jeden Mittwoch, 19 Uhr zur Passionsandacht ein. Maske, Abstand und Hygieneregeln sind Pflicht.

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