Balkon-Toter: Prozess beginnt vorm Landgericht

Fünf Sitzungstermine hat das Landgericht angesetzt. Offen ist, ob der angeklagte 21-Jährige sein Schweigen bricht. Denn bisher hat er sich zur Tatnacht im Juli nicht geäußert.

Freiberg.

Es war einer der Kriminalfälle, die Freiberg im vergangenen Jahr in Atem gehalten haben. Ein 50 Jahre alter ehemaliger Fußballtrainer war Mitte Juli auf seinem Balkon an der Karl-Kegel-Straße tot aufgefunden worden. Kurze Zeit später nahm die Polizei einen 21 Jahre alten Asylbewerber aus dem Kosovo fest. Heute beginnt vor dem Landgericht in Chemnitz der Prozess, der vor allem aus einem Grund mit Spannung erwartet wird: Bisher schweigt der Tatverdächtige zu den Vorwürfen.

Nach seiner Verhaftung hatte der junge Mann sich auf einen angeblichen Filmriss berufen. Er könne sich an die Tatnacht nicht mehr erinnern. Die Polizei hatte seine Fingerabdrücke in der Wohnung des toten 50-Jährigen gefunden, der auf seinem Balkon an der Karl-Kegel-Straße erschlagen worden war. Er konnte deswegen so schnell gefasst werden, weil die Fingerabdrücke von Asylbewerbern routinemäßig erfasst werden.


Vor Gericht wird die Frage eine Rolle spielen, wie die beiden Männer überhaupt in Kontakt getreten sind. Laut dem Bruder des Tatverdächtigen, der mittlerweile in seine Heimat im Kosovo zurückgekehrt ist, haben sich die beiden vorher nicht gekannt. Aus dem Umfeld des Tatverdächtigen werden in diesem Zusammenhang Vorwürfe erhoben, das Opfer könnte den 21-Jährigen in seine Wohnung gelockt haben. Demnach habe der mutmaßliche Täter in der Tatnacht eine Nachricht über das soziale Netzwerk Facebook erhalten, dass er in die Karl-Kegel-Straße kommen solle. Auch das Foto eines hübschen Mädchens sei demnach in der Nachricht zu sehen gewesen. Die Staatsanwaltschaft hat dies aber nicht bestätigen können.

Fünf Sitzungstermine hat das Landgericht Chemnitz erst einmal angesetzt. Der letzte Termin ist für den 5. Februar geplant. Ob dieser Zeitplan ausreicht, um den Prozess zu einem Ende zu führen, ist aber offen.

Für den heutigen Prozesstag ist zunächst die Anklageverlesung festgesetzt. Danach soll der Tatverdächtige beziehungsweise sein Anwalt Gelegenheit bekommen, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Er kann sich aber auch noch später im Prozess äußern.

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