Freie Fahrt nach Lückenschluss

Vor 150 Jahren war es ein Durchbruch: Mit dem Bau des Hetzdorfer Viadukts und der Bahnstrecke zwischen Flöha und Freiberg verschwand die Lücke auf der Route von Chemnitz nach Dresden.

Freiberg.

Der Eisenbahnbau begann in Sachsen etwas zögerlich, aber vor allem die Leipziger Händler besaßen großes Interesse am Ausbau eines sächsischen Eisenbahnnetzes, erhofften sie sich doch einen Aufschwung des Handels. Eine Aktiengesellschaft wurde gegründet, und 1837 konnte man einen ersten Abschnitt der Linie Leipzig - Dresden eröffnen. Große Mengen an Gütern transportierte man jetzt schneller und billiger. Vor allem der Steinkohlenbergbau und die Eisen- und Stahlindustrie erhielten neue Impulse.

Mit der Bahnstrecke Leipzig - Dresden verfügte Sachsen seit 1839 über die erste deutsche Fernbahn und mit Professor Johann Andreas Schubert aus Übigau über den Konstrukteur der dazugehörigen Lokomotive. Auch am Bau der Brücken über die Göltzsch und die Elster hatte er maßgeblichen Anteil.


Nun begann ein groß angelegter Ausbau des Eisenbahnnetzes. Doch bald ging den Investoren das Geld aus, und der Staat griff ein. Ende 1879 hatte das Staatsbahnnetz bereits eine Länge von rund 1927 Kilometern. Die Lokomotiven wurden seit 1846 zum großen Teil in der Sächsischen Maschinenfabrik Richard Hartmann in Chemnitz gebaut, während die Schienen schließlich die Königin-Marien-Hütte aus Cainsdorf bei Zwickau lieferte.

Etliche Strecken wurden neu in Sachsen eröffnet: Werdau - Zwickau 1845; Dresden - Görlitz 1847; Dresden - Bodenbach (Decín) 1851; Leipzig - Hof 1851. Während 1840 der Landtag den Bau der Bahnlinie Zwickau - Chemnitz beschloss, blieb der Plan für einen Streckenbau von Chemnitz über Freiberg nach Dresden unberücksichtigt.

Freiberg kämpfte 20 Jahre um eine Anbindung an das Eisenbahnnetz, doch erst 1869 sollte es dazu kommen. Zunächst war 1855 die "Albertsbahn" von Dresden nach Tharandt in Betrieb genommen worden. Ihr folgte 1862 die Strecke Tharandt - Freiberg. Nun musste noch die Lücke zwischen Freiberg und Flöha geschlossen werden, denn der Bau der Bahn von Chemnitz nach Flöha war bereits 1866 beendet worden.

Von den drei möglichen Streckenvarianten wählte man die kürzeste über Oederan. Um aber Frankenberg und Hainichen etwas zu entschädigen, wurde eine Zweigbahn von Niederwiesa nach Hainichen in exakt gleichem Zeitraum gebaut.

1866 begann das Baugeschehen: Vermessungen, Enteignungen, Ausschachtungen und vor allem das Aufmauern der Viadukte - einer bei Wegefarth/Oberschöna über die Große Striegis und einer bei Hetzdorf über die Flöha. Oberingenieur Sorge, der Architekt, hatte eben erst in Eger (heute Cheb) den Viadukt vollendet, nun stand er gemeinsam mit seinen beiden Sektionsingenieuren Wilke und Clauß vor neuen Aufgaben. In nur zweieinhalb Jahren wurde die 27,14 Kilometer lange Strecke mit Gleisen, allen Unter- und Überführungen, Bahnhöfen und Haltestellen, Bahnwärterhäuschen und so weiter gebaut. An den beiden Viadukten Wegefarth/Oberschöna bzw. Hetzdorf arbeiteten mitunter je 500 Beschäftigte.

Ein besonderes Ereignis war die Schlusssteinlegung am 23. Mai 1868. "Am Wegefarther Viadukt fanden sich die verantwortlichen Bauherren, eine Musikkapelle der in Freiberg liegenden Jäger, Herr von Carlowitz aus Oberschöna, sämtliche Maurer, Zimmerleute, Steinmetze und viel Volk ein, um der Zeremonie beizuwohnen. Nach einem Frühstück begann der lange Zug hinauf auf das Gerüst, wo der mit Blumen geschmückte, 40 Zentner schwere Schlussstein in der Kette hing. Der Herr Straßenbau-Kommissar Sorge, als Oberingenieur der Bahn, trat vor den Herrn Finanzrat Wilke und übergab demselben den Hammer. Der Stein wurde eingesenkt; es war ein feierlicher Moment, und als der Stein seinen Ruhepunkt gefunden, ergriff der Redner das Wort ..." So stand es am nächsten Tag in der "Sächsischen Zeitung". Am 1. März 1869 wurde die Strecke - nunmehr durchgängig von Dresden bis Werdau - übergeben.

Heute können wir stolz sein auf den Bau, vor allem auf die beiden Viadukte mit ihren 17 Bögen.

Viel Wasser, auch manches Hochwasser, ist seitdem durch die Bauwerke geflossen. Der Hetzdorfer Viadukt wurde aus Sicherheitsgründen stillgelegt und dient heute als technisches Denkmal. Beide Viadukte zeugen von der Meisterleistung der Brückenbauer.

Brückenfest: In Oberschöna/Wegefarth findet aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Strecke Freiberg - Flöha vom 14. bis 16. Juni ein Brückenfest statt, zu dem auch eine Broschüre mit dem Titel "1869 - 2019: 150 Jahre Eisenbahn Freiberg - Flöha" erscheinen wird, heißt es dazu vom Ortsverein Oberschöna.


150 Jahre Hetzdorfer Viadukt - Jubiläumstage zu Pfingsten

Anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Hetzdorfer Viadukts präsentiert der Interessenverein an beiden Pfingstfeiertagen ein buntes Programm:

Am 1. März dieses Jahres war es genau 150 Jahre her, dass der Eisenbahnverkehr über den Hetzdorfer Viadukt aufgenommen wurde. Ein Brückenjubiläum dieser Größe fordert gebührende Würdigung, weshalb an beiden Pfingstfeiertagen, also am Sonntag und Montag, Besucher auf und an die Brückenkrone eingeladen sind, um mit dem Interessenverein Hetzdorfer Viadukt zu feiern. Los geht es an beiden Tagen jeweils 10 Uhr.

Den Startschuss am Sonntag geben die Kapelle Breitenau und Mandy Bach. Im Programm vertreten sind außerdem die Bigband der Musikschule Flöha sowie die Strings. Für die Kleinen gibt es um 14.45 Uhr einen Kinderdisko-Express und, an beiden Tagen, einen mobilen Spielplatz.

Ein Blasmusiktreffen findet am Montag statt. Mit einem zünftigen Weckruf startet das Programm. Die Variationen der Blasmusik reichen von traditioneller böhmischer Blasmusik über Klassik, Rock, Pop und Swing bis hin zu Tanzmusik. Mit dabei sind das Jugendblasorchester Klein-Erzgebirge Oederan, das Brass & Swing Orchester Ottendorf sowie das Blasorchester der Stadt Flöha.

Gefeiert wird am Sonntag von

10 bis 20 Uhr, am Montag von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist an beiden Jubiläumstagen frei. Die Veranstaltung wird vom Interessenverein Hetzdorfer Viadukt in Zusammenarbeit mit dem Miskus organisiert. (ar)

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