Klingling: Bei Anruf geht die Schranke auf

In Falkenau gibt es einen Bahnübergang mit Anruf-Schranke. Es ist der letzte seiner Art im Netz der Erzgebirgsbahn. Er soll jetzt weg, aber traurig ist darüber niemand.

Falkenau.

Wie es ist, seinen Alltag nach dem Zugfahrplan auszurichten? Maik Ganzke ist da gelassen: "Wir kennen den Fahrplan und orientieren uns daran", sagt der Mann, der seit 1974 am Südrand von Falkenau wohnt. Zwei Mehrfamilienhäuser und zwei Einfamilienhäuser stehen dort. Wenn die Anwohner zu ihren Häusern wollen oder in die weite Welt hinaus, müssen sie eine Bahnschranke passieren. Denn zwischen der kleinen Siedlung am Ortsrand von Falkenau und der S 237, der Ernst-Thälmann-Straße, verlaufen die Gleise der Erzgebirgsbahn. Zweimal in der Stunde passiert einer der roten Züge, die zwischen Chemnitz und Olbernhau verkehren, den Bahnübergang, der mit einer Anruf-Schranke gesichert ist.

Es ist die einzige Anruf-Schranke im Netz der Erzgebirgsbahn, sagt Lutz Mehlhorn. Er ist einer der Leiter der regionalen Bahn-Tochtergesellschaft, die vier Strecken mit insgesamt 217 Kilometern Gleis von Chemnitz und Zwickau aus entlang der Flusstäler hinauf ins Erzgebirge betreibt. Die Anruf-Schranke funktioniert so, wie der Name es beschreibt. Es gibt einen markanten Knopf, den man drückt. Dann meldet sich aus dem Lautsprecher darüber der Fahrdienstleiter, der im Bahnhof Hetzdorf sitzt und prüft, ob ein Zug naht und der schließlich die Schranke öffnet und danach wieder schließt. Es gibt zur Sicherheit ein Kamera-Auge, sodass der Fahrdienstleiter von Hetzdorf aus sehen kann, wie viele Fahrzeuge am Bahnübergang in Falkenau stehen.

Diese Prozedur wird es bald nicht mehr geben. Die Anruf-Schranke wird verschwinden. Stattdessen soll der Weg Am Südrand zur Straße ausgebaut werden. Lutz Mehlhorn sagt, dass die Schrankenanlage in Falkenau nicht mehr dem aktuellen technischen Stand entspricht und deshalb modernisiert werden müsste. Statt eines teuren Umbaus soll anstelle der Schranke ein Fußgänger-Übergang mit einem sogenannten Drängelgitter errichtet und eine alternative Zufahrt ohne Gleisübergang für die Anwohner gebaut werden. Die Pläne für den Ausbau des Weges Am Südrand wurden kürzlich im Flöhaer Stadtrat vorgestellt. Einwände dagegen gab es nicht. Demnach wird der unbefestigte Weg der etwa in Höhe der Feuerwache von der Wiesenstraße abzweigt, auf knapp 300 Metern Länge zur öffentlichen Straße gewidmet und so ausgebaut, dass Lastwagenverkehr und auch Begegnungsverkehr möglich ist.

Lutz Mehlhorn sagt zum zeitlichen Ablauf, dass mit dem Um- und Ausbau nicht vor 2023 zu rechnen sei. Nach Abschluss der Planung ist ein Planfeststellungsverfahren erforderlich, die Genehmigung wird vom Eisenbahnbundesamt erteilt. Seit wann es die Anruf-Schranke in Falkenau gibt, weiß Lutz Mehlhorn nicht. Wahrscheinlich schon immer. Zumindest den Bahnübergang gibt es schon sehr lange. Es gab früher hier eine Ziegelei mit Gleisanschluss, später das Betonwerk und heute noch die vier Wohnhäuser am Südrand.

Für solche selten genutzten Bahnübergänge sind Anruf-Schranken früher gängige Praxis gewesen, sagt Lutz Mehlhorn. Im Schnitt werde die Schranke ein- bis zweimal pro Stunde geöffnet, schätzt er. Schwere Unfälle habe es am Übergang in Falkenau mit der seit 2002 existierenden Erzgebirgsbahn nicht gegeben, so Mehlhorn. Grundsätzlich gelten Kreuzungen von Straße und Schiene aber als potenzielle Gefahrenstelle. Der Gesetzgeber drängt deshalb auf eine Vermeidung. Auch deshalb soll die Anruf-Schranke in Falkenau abgebaut und durch einen einfachen Fußgängerübergang ersetzt werden.

Für Anwohner Maik Ganzke ist wichtig, dass es eine Zufahrt gibt, die ganzjährig auch für den schweren Lieferverkehr mit Heizöl oder Flüssiggas sowie als Rettungsweg funktioniert. An die Anruf-Schranke habe man sich gewöhnt, sagt Ganzke. Aber es bleibe eben doch immer ein Restrisiko. Einmal sei es passiert, dass der alarmierte Rettungsdienst an der Schranke stoppen und erst einmal die Öffnung anfordern musste.

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