Nummer 79 aus der Eule-Fabrikation

Die Orgel ist zum Instrument des Jahres 2021 erklärt worden. In loser Reihenfolge stellt "Freie Presse" einige vor. Heute: die Eule-Orgel aus Conradsdorf.

Conradsdorf.

Schon von weitem ist sie zu sehen, die Kirche von Conradsdorf. Beeindruckend vor allem der Kirchturm, dem man heute nicht mehr ansieht, dass er der älteste Teil dieses Gotteshauses ist, um den herum in den Jahren 1871/72 alles neu errichtet wurde. In welchem Jahr der Ursprung des ersten Kirchenbaus liegt, ist nicht festzustellen. Bereits im 13. Jahrhundert habe es eine zum Kloster Altzella gehörende Kapelle an der Stelle gegeben.

Die Conradsdorfer waren wohl von Anfang an nicht vollständig mit der Optik ihrer Kirche zufrieden, denn die Anzahl der Umbauten ist beeindruckend. Schon von 1670 bis 1673 nahm man am Vorhandenen ordentlich Maß, ließ 1748, 1815, 1832 und 1867 weitere Umgestaltungen folgen, bis man in der oben erwähnten Zeitspanne Nägel mit Köpfen machte und bis auf besagten Turm alles wegnahm, um das Bauwerk neu hochzuziehen. Auf die prachtvolle Aussicht von ihrem Kirchturm haben die Conradsdorfer scheinbar nicht verzichten wollen. Bis zur böhmischen Grenze, so ältere Aussagen, könne man schauen.

Eher schlicht wirkt der Innenraum, zwei Kunstwerke bestimmen ihn. Zum einen ein hohes Altargemälde von Alexander Sticherch, welches den auferstandenen Jesus zeigt, und eine Orgel auf der Empore. Und hier muss man wieder auf die zahlreichen Um- und Neubauten der Kirche zu sprechen kommen. Denn dass es gerade diese Orgel ist, welche in Conradsdorf steht und erklingt, steht damit in engem Zusammenhang.

"Hermann Eule - Bautzen - op.79" steht auf einem kleinen Schild oberhalb der Tastatur, womit die Herkunft geklärt ist, aber viel mehr auch nicht. Denn dieser Orgelbauer meldete sein Geschäft erst im Jahre 1872 an, konnte also unmöglich verantwortlich sein für die musikalische Beschallung der Kirche in den davor liegenden Jahren. Und richtig: Die erste Orgel in Conradsdorf kam woanders her, und zwar aus der wohl berühmtesten Orgelbauerwerkstatt überhaupt, nämlich der von Gottfried Silbermann. Dieser schuf in seiner Laufbahn um die 50 Orgeln, von denen in Sachsen 31 erhalten sind. Die Conradsdorfer ist nicht darunter. Von der ist nur zu erfahren, dass sie wohl 1714, dem Jahr, in dem Silbermann sein Meisterwerk im Freiberger Dom vollendete, geschaffen wurde, sie in der neu gebauten Conradsdorfer Kirche zunächst ihren Platz fand, dort aber den Ansprüchen nicht mehr genügte. Für die neue Kirche war sie wohl zu klein. Nachdem ihr Nachfolger installiert worden war, verliert sich die Spur dieser Silbermann-Orgel. Bis heute gilt sie als verschollen.

Die seinerzeit Verantwortlichen hatten sich mit der Bitte um ein neues Instrument an die damals bereits erfolgreiche Bautzener Werkstatt von Hermann Eule gewandt. Diese lieferte die Orgel 1898. Wie der Vermerk an der Tastatur festhält, war sie die Nummer 79 aus der Eule-Fabrikation. Sie verfügt über 14 Stimmen und besitzt einen kraftvollen Klang. In den verfügbaren Listen der Eule-Werke taucht sie seltener auf. Dennoch gehört sie zu den rund 400 Bautzener Instrumenten, die in Sachsen stehen. Zwar kann sie sich mit solch großen Meisterwerken wie der Eule-Orgel im Dresdner Kulturpalast von 2017 nicht messen, doch ist auch sie Teil einer bald 150-jährigen Historie.

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