Mit 200 neuen Himbeerstauden ins Obstjahr 2019

Auf 65 Hektar Land werden beim Obstgut Seelitz Früchte angebaut. Die gesamte Fläche ist in den vergangenen 20 Jahren fast dreimal neu bepflanzt worden. Derzeit testet Chef Wolfgang Kuhn auf einem kleinen Feld den Bioanbau.

Seelitz.

Auf 3000 Quadratmetern stehen in diesem Jahr 200 neue Himbeerstauden beim Obstgut Seelitz. Das klingt nicht viel. "Hat man aber auch nicht einfach so im Garten stehen", sagt Wolfgang Kuhn, Inhaber des Obstguts in Döhlen. 65 Hektar bewirtschaftet Wolfgang Kuhn heute insgesamt, 59 davon entfallen allein auf Äpfel, die restlichen sechs Hektar teilen sich Erdbeeren, Pflaumen, rote und schwarze Johannisbeeren und seit neustem eben auch Himbeeren.

Er habe die gesamte Fläche nahezu einmal komplett erneuert, also die alte Pflanzung durch neue Pflanzen ersetzt. "Die ältesten Bäume sind aus dem Jahr 1989, aber das sind nicht mehr viele", berichtet Kuhn.


Die Geschichte des Obstbaus in Seelitz ist allerdings noch älter. Die ersten Bäume wurden 1967 auf zehn Hektar durch die Landeswirtschaftliche Produktionsgenossenschaft angepflanzt. Schon kurz darauf erweiterte man die Fläche auf 43 Hektar. Im Februar 1974 wurde der Betrieb eigenständig und bewirtschaftete damals mehr als 260 Hektar Obstanbaufläche. Im Juni 1991 gründete sich die Döhlener Obst Verwaltungsgesellschaft mbH mit 72 Gesellschaftern, die allerdings 1998 Konkurs anmelden musste. Wolfgang Kuhn kaufte das Unternehmen damals - am 1. April 1999.

Dabei hatte er andere Pläne. Eigentlich wollte Wolfgang Kuhn Elektriker oder Koch werden. Aber auf Wunsch seiner Eltern schlug er einen Weg als Landwirt ein. Seit Anfang der 1970er Jahre ist er im Obstgut in Seelitz tätig. Noch zu DDR-Zeiten hat er seinen Diplom-Ingenieur für Gartenbau gemacht. Über die Jahre habe sich viel verändert, sagt er. "Heute pflanzt man effizienter. Wir hatten früher Abstände von 4,5 Metern zwischen den Bäumen, heute sind es nur noch 3,5 Meter." Auf Nachhaltigkeit und einen umweltschonenden Anbau legt der 66-Jährige viel Wert. "Wir verzichten fast vollständig auf das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat und entfernen Unkraut weitestgehend mechanisch", so Kuhn. Eine anerkannte ökologische Landwirtschaft - also eine Landwirtschaft, deren Erzeugnisse das Siegel "Bio" tragen dürfen - betreibt Kuhn dennoch nicht. Denn er sei nicht von allen dafür notwendigen Richtlinien überzeugt, sagt er. "Ich habe drei Hektar unter den Bedingungen des kontrolliert biologischen Anbaus bepflanzt, um das auszuprobieren. Daraus werden wir unsere Schlüsse ziehen, wie wir das in Zukunft handhaben", sagt der Chef.

Investiert hat der Gartenbauingenieur auch in die sogenannte ULO-Lagerung. Die Abkürzung steht für die englische Bezeichnung "Ultra Low Oxygen". Ein luftdichter Lagerraum ist dafür notwendig gewesen, in dem ein System den Sauerstoffgehalt in der Luft kontrolliert und so die Reifeaktivität des Obstes auf ein Mindestmaß reduziert, ohne das Obst dabei zu ersticken.

Langfristig möchte sich der 66-Jährige aus dem Geschäft zurückziehen. Derzeit führe er zwar mit einem Agrarunternehmen aus der Region schon Gespräche über eine Übernahme, könne sich aber auch vorstellen, einen seiner Mitarbeiter zunehmend in die Geschäftsführung einzubinden. Für genaue Aussagen sei es aber im Moment noch viel zu früh, so Kuhn. "20 Jahre sind eine lange Zeit, das kann man auch nicht von heute auf morgen entscheiden." Ob er heute alles noch mal genauso machen würde, wisse er nicht. "Es gab auch Jahre, in denen ich nicht wusste, ob ich das Obstgut halten kann. Da musste ich zeitweise auch Angestellte entlassen. Aber ich habe daraus gelernt, dass das Schicksal bestimmt. Und dass sich Manches auch von selbst regelt."

Das 20-jährige Bestehen des Betriebs will Wolfgang Kuhn diesen Monat vorrangig mit seinen Mitarbeitern feiern, darum bleibt der Betrieb am Jahrestag auch geschlossen. "Ohne meine Angestellten hätte ich das gar nicht geschafft und da sollte man auch mal etwas zurückgeben. Wir gönnen uns einen Ausflug nach Dresden", sagt Wolfgang Kuhn. Das Angebot im Hofladen stehe in der ersten Aprilwoche allerdings ganz im Zeichen des Jubiläums. Auch das traditionelle Hoffest, das im September bereits zum 17. Mal stattfindet, werde ebenfalls danach ausgerichtet.

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