Nachfolge geregelt: Führungswechsel im Obstgut

Der Agrarbetrieb Agraset aus Erlau steigt bei dem Seelitzer Obstproduzenten ein. Denn Firmeninhaber Wolfgang Kuhn geht in den Ruhestand. Für die Mitarbeiter und Kunden soll sich nichts ändern.

Seelitz.

Es muss noch viel erledigt werden. Wolfgang Kuhn sortiert die Unterlagen in seinem Büro beim Obstgut Seelitz in Döhlen. Firmeninhaber ist er nicht mehr. "Zurzeit wickle ich noch die Geschäftsübergabe ab, es hat sich alles recht schnell ergeben", sagt der 66-Jährige.

Anfang des Monats hat Kuhn den Betrieb an die neugegründete OGS Obstgut Genossenschaft übertragen. Nach 20 Jahren als selbstständiger Unternehmer und nach 45 Jahren beim Obstbau geht er in den Ruhestand. Mit dem Gedanken, wie es mit dem Unternehmen weitergeht, beschäftigte er sich schon lange. "Mir war wichtig, dass das Obstgut in seiner bisherigen Form weiterbestehen kann. Dafür haben wir die beste Lösung gefunden. Es ist auch nicht Sinn und Zweck eines Unternehmens, dass man irgendwann die Türen schließt", so der Obstbauer.


Für das neue Unternehmen haben sich neun Gesellschafter zusammengeschlossen. Einer von ihnen ist Wolfgang Kuhn. Vorstandsvorsitzender wird sein langjähriger Mitarbeiter Heiko Hübler. Der 51-Jährige hatte schon vergangenes Jahr eine leitende Funktionen im Obstgut übernommen. Die Genossenschaft werde die elf Mitarbeiter, die im Betrieb festangestellt sind, übernehmen, wie er sagt. Auch der Lehrling, der im September seine Ausbildung zum Obstbauern beginnen wird, habe seine Stelle sicher. Auch am Hoffest, das traditionell im September gefeiert wird, wird festgehalten.

Gesellschafter bei OGS ist auch der Betrieb Agrarset Naundorf aus Erlau mit Vorstandsvorsitzendem Jan Gumpert. Der Agraset-Chef ist bestrebt, so sagt er, das Unternehmen in bewährter Form weiterzuführen. "Wir haben viele Jahre vertrauensvoll und kollegial mit dem Obstgut zusammengearbeitet. Im Interesse der Mitarbeiter und der Region ist die Weiterführung eine schöne Geschichte", so Gumpert.

Wolfgang Kuhn wird dem Betrieb eine Weile erhalten bleiben. "Wenn die Geschäftsübergabe abgeschlossen ist, kann ich mir gut vorstellen, das Obstgut als Berater noch ein, zwei Jahre zu unterstützen." Darüber hinaus sitzt der 66-Jährige seit 2009 im Meisterprüfungsausschuss für Obstbau beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Alle zwei Jahre nimmt er dort bei angehenden Meistern im Obstbau die Prüfung ab. Den Job will er behalten. Doch am meisten freue er sich darauf, sagt Kuhn, keinen Termindruck mehr zu haben - auch ein längerer Urlaub sei geplant, vielleicht auf den Kanarischen Inseln. "Langweilig wird mir sicher nicht."


Erste Obstbäume Ende der 1960er-Jahre gepflanzt

1967 wurden auf zehn Hektar die ersten Obstbäume von der damaligen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft gepflanzt. Die Fläche wuchs bald auf 43 Hektar.

Im Februar 1974 wurde der Betrieb eigenständig und bewirtschaftete mit 57 Angestellten insgesamt

186 Hektar Obstanbaufläche.

Im Juni 1991 gründete sich die Döhlener Obst Verwaltungsgesellschaft, die 1998 Konkurs anmelden musste.

Am 1. April 1999 kaufte Wolfgang Kuhn das Unternehmen. Heute wachsen auf 67 Hektar Fläche Obstbäume. 6 Hektar werden als Grünfläche und 1,6 Hektar als Ackerland genutzt. Auf 1,3 Hektar sind Blühwiesen, um Insekten, speziell Bienen, zu fördern. (cbo)

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