Koalitionsstreit um Ausbau der Chemnitzer Lehrerausbildung

Wer an einer Grundschule unterrichten will, kann auf einen Studienplatz an der TU hoffen - aber was ist mit anderen Lehrämtern?

Dresden.

Vor fast einem halben Jahr einigten sich CDU und SPD in ihrem Lehrer-Handlungsprogramm nicht nur auf die Verbeamtung jüngerer Lehrkräfte, sondern auch auf eine bessere Bedarfsplanung. Wie überfällig die ist, zeigt der Umstand, dass Sachsen zu Schuljahresbeginn 230 freie Lehrerstellen nicht besetzen konnte. Nach den bisherigen Prognosen werden in den nächsten zehn Schuljahren jeweils mindestens 1300 neue Lehrer gebraucht.

Auch deshalb soll die 2013 nur temporär wieder eingeführte Grundschullehrerausbildung an der TU Chemnitz verstetigt werden. Von einer "dauerhaften Etablierung" sprach Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) im März. Zunächst 18 Personalstellen will die Regierung dafür im nächsten Doppelhaushalt entfristen. An studentischer Nachfrage dürfte es nicht mangeln: Auf die 120 Plätze für Studienanfänger gab es vor einem Jahr fast 900 Bewerber. Von denen, die genommen wurden, kamen nach TU-Angaben 86 Prozent aus Südwestsachsen - beste Voraussetzungen für einen Verbleib in der Region auch nach dem Studium.

Die SPD-Fraktion will nun, dass davon auch Oberschulen profitieren. "Wir wollen das Grundschullehramt um das vertiefte Studium in einem Oberschulfach ergänzen", sagt Bildungspolitikerin Sabine Friedel. Stange unterstützt das. "Das wäre auch ohne übermäßigen Aufwand an der TU Chemnitz möglich", sagte sie der "Freien Presse". Dem Kultusministerium habe sie den Vorschlag bereits unterbreitet.

Doch das Haus von Christian Piwarz (CDU) will nicht. "Das Grundschullehramt in Chemnitz zu erweitern, macht keinen Sinn", teilte es am Freitag mit. Schon jetzt seien die Chemnitzer Absolventen in Oberschulen einsetzbar, zudem wäre "der Einstieg in die Ausbildung von Einheitslehrern für die Einheitsschule" inakzeptabel. Und weiter: "Wir denken eher darüber nach, in Chemnitz im Rahmen eines Modellvorhabens die Ausbildung von Berufsschullehrkräften zu ermöglichen." Vorgeschlagen worden war dies bereits 2017 von Vertretern aus Wirtschaft und Politik in Südwestsachsen.

CDU-Hochschulpolitikerin Aline Fiedler nennt dies "sinnvoll". Zugleich fordert sie die Regierung zu gezielter Werbung an den hiesigen Hochschulen auf, um mehr angehende Lehrer für ein Referendariat in Sachsen zu begeistern. Zum 1. August hatten nur 488 den Vorbereitungsdienst begonnen - obwohl seit 2016 jedes Jahr etwa 1300 Lehramtsstudenten ihre Abschlussprüfung bestehen (siehe Grafik) und damit fürs Referendariat bereit wären.

Sind also weit mehr Plätze für Studienanfänger nötig? 2420 gibt es in diesem Jahr, nur 1000 waren es 2011. "Wie kein anderes Bundesland" habe Sachsen seit 2012 die Lehramtsausbildung gestärkt, sagt Ministerin Stange. Als Problem sieht sie eher den "Bewerbermangel" für einzelne Fächer wie Physik und Informatik sowie für bestimmte Lehrämter: Ober- und Berufsschule.

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