Nach der Uni verlassen viele den Freistaat

Sachsens Hochschulen sind nach wie vor beliebt. Absolventen gehen aber häufig weg. Das hat wenig mit Jobmangel zu tun.

Dresden.

Dresden Trotz Bevölkerungsrückgangs und Abiturientenschwundes bleibt die Anzahl der Studienanfänger in Sachsen konstant. Laut Zahlen, die das Statistische Landesamt am Montag vorgestellt hat, haben im aktuellen Studienjahr 2018/19 20.275 Studienanfänger ihr Studium aufgenommen. Im Jahr 2017/18 waren es 20.273. Die TU Dresden, die TU Chemnitz, die HTWK Leipzig und die Westsächsische Hochschule Zwickau konnten 2018 sogar leicht mehr Studierende immatrikulieren als im Vorjahr. Zum Stichtag 1. November 2018 zählte der Freistaat exakt 108.858 Studenten.

Etwas mehr als die Hälfte der Studenten stammt aus Sachsen. Ein Fünftel kommt aus anderen Bundesländern, fast ein Viertel aus dem Ausland. Laut Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) könne so dem demografischen Wandel im Freistaat entgegengewirkt werden. "Die Wirtschaft ist aufgerufen, mit guten Jobs und guter Bezahlung die Absolventen auch im Land zu halten." Eine Umfrage des Personaldienstleisters Studitemps war zu dem Ergebnis gekommen, dass knapp ein Viertel mehr Studenten Sachsen verlassen wollen als zum Studieren in den Freistaat gezogen sind. Sachsen belegt damit bundesweit den fünftletzten Platz.

"Bleiben würden gern mehr", sagt Marc Stoll vom Career Service der TU Chemnitz. Doch trotz guter Konjunktur fänden nicht alle einen Job. Bei Ingenieuren etwa passten Spezialisierungen oft nicht auf offene Stellen. Für Chemiker sei der Arbeitsmarkt in Sachsen nicht groß genug. Für Geisteswissenschaftler, zusammen mit Wirtschaftswissenschaftlern die größte Gruppe an der TU, sei es ebenfalls schwierig. "Die finden eher Jobs in Berlin", so Stoll.

Hinzu kommt, dass Sachsens Universitäten international gut aufgestellt sind. Die TU Chemnitz belegt mit knapp 28 Prozent ausländischer Studenten einen bundesweiten Spitzenplatz. Die größten Gruppen: 900 Inder, 860 Chinesen und 180 Pakistani, so Uni-Sprecher Mario Steinebach. An der TU Freiberg beträgt der Anteil ausländischer Studenten 27 Prozent. "Viele bleiben jedoch nicht oder kehren in ihre Heimat zurück", sagt Marc Stoll. Grund dafür seien oft Sprachschwierigkeiten. Hinzu käme, dass in südlichen Bundesländern oft schon mehr Landsleute lebten.

Steffen Kretschmar, Personalmanager bei Niles-Simmons Industrieanlagen in Chemnitz könnte sich vorstellen, indische Absolventen einzustellen. "Aber da müsste ich wissen, dass sie für mehrere Jahre bleiben." Der Werkzeugmaschinenbetrieb nutze sehr spezifische Anlagen, die eine gewisse Anlernzeit benötigten. "Wir orientieren uns bei der Personalsuche daher regional", so Kretschmar. Studenten versuche die Firma durch Praktika oder Abschlussarbeiten zu binden. "Als 400-Mann-Betrieb haben wir aber bessere Karten als viele sächsische Kleinbetriebe. Die Jobs sind aber da."

Um Vermittlung zwischen Studenten und Betrieben kümmert sich auch der Career Service. Marc Stoll sieht aber Probleme. So bemühten sich einige mittelständische Firmen nicht um genügend Sichtbarkeit. In Stellenanzeigen würden oft zu hohe Anforderungen an die Berufserfahrung gestellt. "Das schreckt ab."

Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (CWE) meint: "Wir können die Leute nicht daran hindern, fortzugehen und Erfahrungen zu sammeln." Bessere Einstiegsgehälter und starke Marken sprächen oftmals für westdeutsche Firmen. Ziel der CWE sei es daher, Leute nach einigen Jahren zur Rückkehr zu bewegen. "Dann, wenn sie etwa eine Familie in der Heimat gründen möchten." Und mit einiger Berufserfahrung könne man in Sachsen zumindest im IT-Bereich fast genauso viel verdienen wie in Westdeutschland, sagt Uhle.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...