Neue Schülerprognose soll 2020 folgen

Laut Bertelsmannstiftung wird der Lehrermangel an Grundschulen bundesweit "dramatischer als bislang angenommen". Ist Sachsen darauf eingestellt?

Dresden.

Bereits die von der Kultusministerkonferenz (KMK) vor elf Monaten veröffentlichten Zahlen verhießen nichts Gutes: Bis 2030, so hieß es damals, stünden für ganz Deutschland "weniger ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung als benötigt werden". Auch bei den Grundschullehrern seien "zum Teil große Engpässe" zu erwarten - schon 2025 müsse von 15.300 fehlenden Lehrkräften ausgegangen werden.

Eine Zahl, die nach Ansicht von Bildungsforschern der Bertelsmannstiftung zu niedrig ist. Als Basis dient ihnen die Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes vom Juni 2019. Danach werden die Zahlen der Grundschüler im Jahr 2025 voraussichtlich um etwa 168.000 höher liegen als von der KMK angenommen - womit sich der Bedarf um 11.000 auf 26.300 Grundschullehrer erhöht.

Damit werde der Mangel an Pädagogen im Lauf der nächsten sechs Jahre "dramatischer als bislang angenommen", stellte die Bertelsmannstiftung fest. Der KMK-Präsident, Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU), verwies darauf, dass bereits die vor elf Monaten präsentierten Zahlen einen höheren Bedarf angezeigt hätten - und dass die Statistik-Kommission der Kultusministerkonferenz "nächste Woche aktuelle Zahlen in ähnlicher Größenordnung beraten" werde.

Das sächsische Kultusministerium teilte mit, dass die nächste Schülerprognose voraussichtlich 2020 erfolgen werde. Derzeit gebe es "keine Diskrepanzen" zwischen Schülerzahl und Lehrerbedarf. Auch in den nächsten Jahren würden sachsenweit Grundschullehrer auf 7500 bis 8000 Stellen benötigt. "Unser Problem ist nicht, dass die Prognose und der Bedarf auseinandergehen, sondern dass die Lehrerbewerber hauptsächlich in den Ballungsgebieten (Dresden und Leipzig) unterrichten möchten", sagte Ministeriumsreferentin Susann Meerheim.

Sachsen hatte laut Kultusministerium zu Schuljahresbeginn immerhin 327 Stellen mit neuen Grundschullehrern besetzen können. Rechnerisch waren das nur 21 weniger als eigentlich geplant. Allerdings waren in den Großräumen Dresden und Leipzig zusammen 65 zusätzliche Stellen besetzt worden, während in den drei anderen Bezirken des Landesamts für Schule und Bildung (Lasub) 86 Stellen unbesetzt blieben: 11 in Chemnitz, 14 in Zwickau und 61 in Bautzen.

Auch der Sächsische Lehrerverband hält deshalb die Lenkung der neu ausgebildeten Lehrkräfte in die Bedarfsregionen für die eigentliche Herausforderung. Als "geeignete Maßnahmen" lobte der Verband die 2012 wiederaufgenommene Grundschullehrerausbildung an der TU Chemnitz sowie die im August in Betrieb genommenen Ausbildungsstätten für Grundschulreferendare in Löbau und Annaberg-Buchholz.

Das Kultusministerium verwies zudem neben finanziellen Anreizen für Pädagogen auch auf die um 230 auf 550 Studienplätze erhöhte Ausbildungskapazität für das Grundschullehramt - und darauf, dass Schüler- und Lehrerprognosen statt alle sechs Jahre seit 2016 alle zwei Jahre erstellt würden, um auf Veränderungen schneller reagieren zu können. Die Experten der Bertelsmannstiftung fordern freilich eine jährliche Aktualisierung der Bedarfsprognosen - weil sich "nur so Überraschungen vermeiden ließen".

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