Sachsen kämpft für weitere EU-Förderung der Wissenschaft

Mit dem Ende der Förderperiode im Jahr 2020 droht den Hochschulen die Finanzierung mit EU-Mitteln wegzubrechen.

Chemnitz.

Geld der Europäischen Union hat in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich geholfen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Sachsen auf ein hohes Niveau zu hieven. Allein aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) flossen seit dem Jahr 2000 mehr als eine Milliarde Euro in den Wissenschaftsbereich.

In der aktuellen Förderperiode von 2014 bis 2020 stehen für den Bau von Institutsgebäuden außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, für die Anschaffung von Großgeräten für die Forschung sowie für wissenschaftliche Projekte rund 175 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen rund 162,5 Millionen Euro für Forschungsbauten an den Hochschulen. Außerdem stehen aus dem Europäischen Sozialfonds rund 118 Millionen Euro für die Förderung junger Forscher bereit. "Mit Hilfe der massiven EU-Förderung gelingt es, die sächsische Wissenschaftslandschaft auf modernem Stand zu halten und junge Forscherinnen und Forscher sowie Studierende gezielt bei ihrem Einstieg in die Wissenschaft zu unterstützen", sagte am Donnerstag Sachsens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange (SPD), bei einer Bilanz der EU-Förderung an der Technischen Universität Chemnitz.

Doch ob so viel Geld auch über das Jahr 2020 hinaus zur Verfügung stehen wird, steht in den Sternen. Hintergrund sind die Pläne für den sogenannten Mehrjährigen Finanzrahmen (MfR) der EU-Kommission. Danach werden in der kommenden Förderperiode von 2021 bis 2027 die Mittel für Deutschland um etwa 20 Prozent gekürzt. Statt bisher rund 19,5 Milliarden Euro erhielte Deutschland nur noch 15,7 Milliarden Euro. Auch ist unsicher, welchen Anteil davon Sachsen erhält und wie viel davon wiederum für die Forschung zur Verfügung steht.

Nach den bisherigen Regeln in der EU hängt der Verteilungsschlüssel stark von der Wirtschaftskraft einer Region ab. Schon in der aktuellen Förderperiode fließen deshalb mehr Mittel nach Chemnitz und Dresden, während Leipzig wegen seiner Wirtschaftskraft deutlich weniger erhält. Da in Sachsen in den vergangenen Jahren die Wirtschaftskraft sich besser entwickelt hat als in anderen Regionen Europas, könnte es sein, dass die Förderung künftig stark sinkt.

Doch Sachsens Wissenschaftsministerin gibt sich kämpferisch: "Wir wollen nicht aufgrund der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts aus der Förderung herausfallen." Der Blick auf das BIP allein sei nicht ausreichend, meinte Stange. In Sachsen fehlten die großen Unternehmen mit eigenen Zentralen, die die Forschung und Entwicklung aufgreifen und weiterführen könnten, argumentiert Stange. Die Wirtschaft in Sachsen könne noch nicht einspringen. "Um die sächsische Hochschul- und Forschungslandschaft weiter unterstützen zu können, setze ich mich deshalb für eine Fortführung der EU-Förderung auf hohem Niveau ein", versicherte die Wissenschaftsministerin.

Auch der Rektor der TU Chemnitz, Professor Gerd Strohmeier, wies auf die große Bedeutung von EU-Mitteln für die Forschung an der Universität hin. Seit 2014 würden elf Nachwuchsforschergruppen durch den Europäischen Sozialfonds mit einem Volumen von rund 13 Millionen Euro gefördert. Zudem stünden rund 16 Millionen Euro aus Efre-Mitteln für 33 Forschungsprojekte zur Verfügung.

Aus Sachsens Wirtschaft reagierte am Donnerstag Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner auf die an Brüssel gerichteten Forderungen Stanges. "Sachsen verfügt über eine exzellente öffentliche Forschungslandschaft", meinte Brückner. Dieses Potenzial gelte es aber künftig noch besser auszuschöpfen. "Dafür müssen wir die Zusammenarbeit der Institute mit den Unternehmen vor Ort intensivieren, um vor allem den Technologietransfer zu verbessern", erklärte Brückner. So sollten künftig vor allem solche Institute gefördert werden, die verbindlich mit sächsischen Firmen kooperieren.

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