In aufwendiger Puzzlearbeit entsteht historische Bilderreise

Wolfgang Blaschke reist gern in die Vergangenheit: Nach seinem Exkurs in die Geschichte von Annaberg-Buchholz hat er nun gemeinsam mit seiner Frau seinen Forschungsradius erweitert.

Annaberg-Buchholz.

Mehr als 4000 Aufnahmen befinden sich in der Foto- und Negativsammlung des Erzgebirgsmuseums in Annaberg-Buchholz - ein schier unerschöpflicher Fundus. Einen vergleichsweise kleinen Teil davon - etwa 160 - hatte der Museologe und Kunstgeschichtsexperte Wolfgang Blaschke im vorigen Jahr für seinen Bildband über die Geschichte der Bergstadt Annaberg-Buchholz ausgewählt. Den weitaus größeren Teil - etwa 3000 Aufnahmen - hat er wenig später zusammen mit seiner Frau Eva Blaschke vorgenommen. Sie zeichnet für das Museum in Oberwiesenthal verantwortlich. Entstanden ist daraus ein nicht weniger beeindruckender Bildband, der den Betrachter auf einer historischen Bilderreise durch das Obererzgebirge führt - von Annaberg nach Oberwiesenthal.

Dabei waren die etwa 3000 Bilder nur der Anfang. Aus dieser großen Menge wurden zunächst 500 bis 600 Stück in eine engere Vorauswahl genommen. "Die haben wir grob nach Themen vorsortiert", erläutern beide ihre Herangehensweise. Wegweiser war ihnen dabei ein Buch aus den 1960er-Jahren aus der Reihe "Werte der Heimat", in dem Siegfried Sieber schon einmal das Obererzgebirge beschrieben hat. Dabei mussten unterwegs allerdings immer mal wieder Kurskorrekturen vorgenommen werden, da es zu manchen Themen keine verwertbaren Bilder gab beispielsweise oder bei vorhandenen Bildern nicht die entsprechenden Informationen dazu recherchiert werden konnten. Das alles entscheidende Kriterium sei aber die Qualität der Bilder gewesen, "auch wenn die Aussage manchmal stärker war". Und es sollten möglichst immer Menschen zu sehen sein. Und derer finden sich viele in dem Bildband: auf ganz privaten Aufnahmen wie beispielsweise von bekannten Persönlichkeiten beziehungsweise Familien aus Annaberg oder auch auf Dokumenten der Zeitgeschichte wie dem Besuch der sächsischen Königsfamilie auf dem Pöhlberg zum Beispiel. Aber auch in ihrer alltäglichen Arbeits- und Lebenswelt sind die Erzgebirger von einst dokumentiert - unter anderem beim Straßenbau zwischen Königswalde und Bärenstein oder auch als sogenannte Schneeschurer in Oberwiesenthal. Einer dieser von ihnen gegrabenen Schneetunnel ist auch auf einer der ältesten Aufnahmen überhaupt in dem Buch zu sehen. Sie stammt von dem Fotografen Louis Herrmann aus Oberwiesenthal aus dem Jahr 1868. "Das ist enorm früh", erläutert Wolfgang Blaschke. Zu dieser Zeit seien Fotografien lediglich in Großstädten verbreitet gewesen.

Und sogar noch etwas betagter ist das älteste Foto, was es aus der Stadt Annaberg im Museumsfundus gibt. Die Aufnahme ist mit dem Jahr 1861 datiert und zeigt das Rathaus der Stadt - vor dem schon zu damaligen Zeit Markt gehalten wurde, wie einige Marktstände beweisen.

Das Buch "Von Annaberg nach Oberwiesenthal - Eine historische Bilderreise durch das Obererzgebirge" ist erschienen im Sutton-Verlag in Erfurt (ISBN: 978-3-95400-953-4). Es umfasst 119 Seiten und ist zu einem Preis von 19,99 Euro unter anderem in den regionalen Shops der "Freien Presse" erhältlich.


Erster Band der Schriften des Erzgebirgsmuseums beschäftigt sich mit Antonius Heusler

Gänzlich neu begründet wird die Reihe "Schriften des Erzgebirgsmuseums". Das erste in dieser Reihe erschienene Werk ist Antonius Heusler gewidmet - einem Annaberger Maler der Reformationszeit. Von ihm stammt unter anderem das große Schumann-Ephitaph im Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz.

Die umfangreiche Publikation basiert einerseits auf den umfangreichen Recherchen des Annaberger Stadtchronisten Hans Burkhardt, dessen Lebenswerk damit gewürdigt wird. Dank seiner umfangreichen Quellenstudien "gewinnt man auch einen tieferen Einblick in Anton Heuslers Lebenswirklichkeit", betont Katja Mieth, Direktorin der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen in ihrem Vorwort. Zum anderen liegen der Veröffentlichung Forschungsergebnisse des Restaurators und Kunsthistorikers Ingo Sandner zugrunde. Er beschäftigt sich seit einem Vierteljahrhundert etwa mit dem künstlerischen Gesamtschaffen der Cranachs. Mit in den Fokus nimmt er dabei auch Schüler und Mitarbeiter, zu denen Heusler gezählt wird.

Vieles spricht laut Katja Mieth dafür, dass er zunächst als Mitarbeiter in Cranachs Wittenberger Werkstatt angeheuert hat, bevor er sich wieder in seiner Annaberger Heimatstadt niederließ. Dort soll er dann laut Museumsleiter Wolfgang Blaschke vier Jahre gewirkt haben. Insgesamt sind vier Gemälde von ihm im Erzgebirgsmuseum zu sehen. (af)

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