Vom musealen Rampenlicht ins eher stille Kämmerlein

Reichlich sieben Jahre hat Wolfgang Blaschke die drei Städtischen Museen in Annaberg-Buchholz geleitet und in dieser Zeit so manchen historischen Schatz gehoben. Doch ein für ihn wichtiger Teil der Arbeit ist dabei auf der Strecke geblieben.

Annaberg-Buchholz.

Passend zum vergleichsweise stillen Jahreswechsel hat sich mit dem Start des neuen Jahres auch ein eher stiller Personalwechsel in der Stadt Annaberg-Buchholz vollzogen. Wolfgang Blaschke gibt nach etwas mehr als sieben Jahren die Leitung der drei Städtischen Museen - Erzgebirgsmuseum, Manufaktur der Träume und Frohnauer Hammer - ab und übernimmt die Leitung des städtischen Archives. Dessen langjähriger Leiter Jörg Nicklaus war bereits zum Ende des zurückliegenden Jahres in den Ruhestand verabschiedet worden. Wer wann die Nachfolge bei der Museumsleitung antreten wird, steht laut Wolfgang Blaschke bisher noch nicht fest. Und so wird sich der gebürtige Güstrower auch noch nicht ganz von seiner bisherigen Arbeitsstätte, dem Erzgebirgsmuseum, verabschieden: Bis der Chefsessel wieder besetzt ist, bleibt er Betriebsleiter des zum Haus gehörenden Besucherbergwerkes Gößner. Dessen Betrieb könnte sonst nicht aufrecht erhalten werden.

Zum Abschied gab es gewisser maßen noch einmal ein besonderes Geschenk: ein restauriertes Ölbild auf Holz des Malers Antonius Heusler - ein Künstler der Reformationszeit aus dem damaligen Annaberg und Schüler des bekannten Lucas Cranach dem Älteren. Allein schon deshalb haben seine Bilder eine große Bedeutung - weit über das Erzgebirgsmuseum hinaus. Sie seien nicht nur Bestandteil intensiver Forschungen, sondern würden auch immer wieder von großen Ausstellungen nachgefragt. Das nach nunmehr 15 Jahren endlich fertig restaurierte Kunstwerk beispielsweise soll in diesem Jahr für eine Cranach-Ausstellung nach Lübeck ausgeliehen werden.

Und Wolfgang Blaschke ist froh darüber, das unter anderem mit Antonius Heusler das Erzgebirgsmuseum wieder mehr ins Blickfeld der nationalen und internationalen Forschung gerückt ist. Für ihn ein ganz wichtiger Aspekt seiner Arbeit und zugleich einer, für den in Annaberg-Buchholz so gut wie keine Zeit bleibe. Stattdessen müsse sich der Museumsleiter vielfach um löchrige Dächer und defekte Regenrinnen ebenso kümmern wie um die nicht immer einhundertprozentig funktionierende Elektrik beispielsweise. Dabei sei gerade die Vernetzung insbesondere in der landesweiten Forschung wichtig, um die Einrichtung weiter nach vorn zu bringen - auch im Sinne ihrer Besucherinnen und Besucher. Von denen zählen die drei Annaberg-Buchholzer Museen - einschließlich Bergwerk - jährlich im Schnitt rund 90.000. Noch ein Punkt, den Blaschke in diesem Zusammenhang kritisch bewertet: die Personalausstattung für die Museen, die hauptsächlich auf Teilzeitregelungen basiere und ohne die zahlreichen Ehrenamtler nicht funktionieren würde: "Sie haben in den zurückliegenden sieben Jahren viel kompensiert und sind aus dem regulären Betrieb längst nicht mehr wegzudenken", macht er deutlich.

Trotz aller schwierigen Begleitumstände konnte aber in den sieben Jahren die Sammlung des Erzgebirgsmuseum auch um einige Schätze bereichert werden. Beispielsweise sind dem Museum laut Wolfgang Blaschke einige herausragende Stücke im Bereich der erzgebirgischen Volkskunst geschenkt worden - unter anderem eine Weihnachtskrippe von Paul Schneider, Namensgeber und langjähriger Leiter der Schnitzschule in Annaberg-Buchholz. Und eine private Erzgebirgssammlung mit mehr als 1000 Einzelbestandteilen - zum Beispiel Figuren aus der Manufaktur Wendt und Kühn.

Nun also freut sich der ausgebildete Archivassistent, der seinen Beruf im Berliner Stadtarchiv gelernt hat, auf die "tolle Sammlung" im städtischen Archiv. Und er hofft, dort seine Forschungsarbeit wieder intensivieren zu können - beispielsweise für den Arbeitskreis der Heimatforscher, wo in den vergangenen Jahren viel liegen geblieben sei. Und dazu kommen noch zahlreiche Ehrenämter, unter anderem als Archivar der Superintendentur.


Exponat mit Strahlkraft

Eines der wertvollsten Stücke in der Sammlung des Erzgebirgsmuseums in Annaberg-Buchholz ist eines der Bilder aus dem Epitaph des Malers Antonius Heusler für die Familie Schreiter. Es gehört zu einer ganzen Gruppe derartiger Grabdenkmale, die Heusler geschaffen hat. Das Ölbild auf Holz hat laut Wolfgang Blaschke eine große Bedeutung für das Museum. Zum einen, da es sich um eine der ersten Schenkungen für die Sammlung überhaupt handelt. Zum anderen, da Antonius Heusler - bei dem von einer Annaberger Herkunft ausgegangen wird - ein Schüler des berühmten Lucas Cranach des Älteren war. Und der steht - samt seiner Schüler - im Mittelpunkt des internationalen Forschungsprojektes Cranach Digital Archive. Da das Erzgebirgsmuseum vier Bilder Heuslers besitzt, ist die Einrichtung so in den Blickpunkt nationaler und internationaler Forschung gerückt. Unter anderem ist vor zwei Jahren der erste Band der neu begründeten Reihe "Schriften des Erzgebirgsmuseums" entstanden, in dessen Mittelpunkt der Maler steht. 15 Jahre lang konnte das Bild von 1556 allerdings gezeigt werden, da es zu stark beschädigt war. Vor zehn Jahren kam es deshalb zunächst zur Notsicherung in eine Freiberger Restauratorenwerkstatt. Für die Restauration fehlte allerdings lange das Geld. Vor vier Jahren schließlich wurden über die Sächsische Landesstelle für Museumswesen Fördermittel zur Verfügung gestellt. (af)

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.