Nach Kündigungen: ES Guss investiert in neue Maschinen

Der Zulieferer will sich von Volkswagen unabhängiger machen und steckt zehn Millionen Euro in neue Technik. Neueinstellungen sind nicht geplant - zumindest vorerst.

Schönheide.

Bei ES Guss in Schönheide stehen technische Umrüstungen an, die eine flexiblere Produktion möglich machen. "Wir suchen Kundenbereiche, in denen wir bisher nicht tätig waren", sagt Betriebsleiter Alexander Gerstung. Als Beispiel nennt er Bauausrüster, den Bahnbau und den Industriesektor allgemein.

Bislang produzierte der auf Temperguss spezialisierte Schönheider Betrieb sogenannte Ausgleichsgetriebegehäuse für Autohersteller in großen Serien. Zu guten Zeiten bis zu acht Millionen Stück pro Jahr. Einer der bedeutendsten Abnehmer war der VW-Konzern. Mit dem war es in der Vergangenheit aber zu Auseinandersetzungen um Liefermodalitäten gekommen. Volkswagen kündigte im März dieses Jahres mit nur einem Tag Vorlaufzeit seine Verträge mit ES Guss. Der Grund dafür: ES Guss hatte 2016 mit einem Lieferboykott bei VW die Bänder zum Stillstand gebracht. Die Kündigung der Lieferverträge durch VW hatte zur Folge, dass das Schönheider Unternehmen um die 160 Mitarbeiter entlassen musste. Zuvor arbeiteten im Betrieb 385 Leute.

Die Auseinandersetzungen zwischen dem VW-Konzern und der Prevent Gruppe gipfelten in einem juristischen Streit. Vom Landgericht Leipzig erging ein Urteil, das VW in einer einstweiligen Verfügung verpflichtete, 30 Prozent des früheren Umfangs der von ES Guss gefertigten Bauteile abzunehmen. In Schönheide musste von daher die Produktion heruntergefahren werden - die Unternehmensleitung sah sich gezwungen, Mitarbeitern zu kündigen. Das geschah in diesem Frühsommer. Seitdem war es um den Schönheider Standort ruhig geworden, bis der Konzern vor wenigen Wochen mit der Nachricht überraschte, in Schönheide 10 Millionen Euro investieren zu wollen.

Die erste technische Neuerung für 3 Millionen Euro ist bereits umgesetzt. Es ist eine Anlage, auf der die Formen für den Vergießprozess vorbereitet werden. Der größere Brocken, ein Elektroofen, wird derzeit speziell für Schönheide gebaut und soll nächstes Jahr im August seinen Betrieb aufnehmen. Bis dahin muss unter anderem ein neues Fundament gebaut werden. Anders als bei den alten Öfen ist es mit der neuen Technik möglich, auch kleine und mittelgroße Serien zu produzieren. Zudem ist der Sphäroguss auf dem Markt gefragter als Temperguss, weil er wirtschaftlicher in der Herstellung ist und hervorragende mechanische Eigenschaften hat.

Mit den neuen Anlagen wird dieses Herstellungsverfahren auch in Schönheide möglich. "Es hat sich als Standard durchgesetzt, und wir wollen konkurrenzfähig bleiben", sagt Alexander Gerstung. Er geht davon aus, dass mit der Erweiterung der Produktpalette der Umsatz steigen wird. Er vergleicht die derzeitige Situation in Schönheide mit den Jahren nach der Wende. "Damals wurde das Werk technisch umgerüstet und es machte sich ein Personalabbau nötig. Danach wurden aber wieder nach und nach Leute eingestellt. Möglicherweise werden wir in Schönheide in eineinhalb bis zwei Jahren auch wieder Leute einstellen." Mit der neuen Technik hofft man, bald wieder die frühere Schmelzleistung zu erreichen. ES Guss hat aufgrund der Nähe zur Trinkwassertalsperre Eibenstock allerdings eine Tonnenbegrenzung pro Jahr. Die liegt bei 25.000 Tonnen verkauftem Guss. "Derzeit produzieren wir etwa die Hälfte", erklärt Gerstung.

Von der IG Metall in Zwickau wird die Entwicklung in Schönheide mit Vorsicht betrachtet. Gewerkschaftssekretär Sebastian Wowra spricht von Unsicherheit in der Belegschaft. "Bis jetzt hören wir nur Prognosen von der Betriebsführung, neu eingestellt wird nicht. Eine Reihe von Mitarbeitern haben sich andere Stellen gesucht. Uns fehlt etwas Greifbares."

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