Bäckerei Kittel gehört zu den Lebensmittelrettern

Nachts backen sie Brote und Brötchen, am Abend packen sie Wundertüten. Wie über eine App frische Nahrungsmittel vor der Tonne bewahrt werden.

Schwarzenberg/Aue.

Gut ein Drittel aller Lebensmittel wandern in Deutschland in die Tonne. Jährlich sind es rund 18 Millionen Tonnen. Und dabei sind diese Nahrungsmittel und frisch produzierten Waren keineswegs schlecht. Sie sind einfach nur übrig. Ein Ergebnis von Überproduktion, die zwangsläufig in Hotels, Gastronomiebetrieben, Bäckereien und vielen anderen Einrichtungen entsteht. Denn jeder Anbieter will und sieht sich gezwungen, bis zum Ladenschluss eine Auswahl an Produkten für den Kunden bereitzuhalten.

Bäckermeister Pierre Kittel und seine Frau Julia wollen als Hersteller von Brot, Brötchen und Backwerk nun selbst und aktiv etwas gegen dieses Verschwendung tun. Sie sind unter die Lebensmittelretter gegangen. Das heißt: Sie beteiligen sich an einer deutschlandweiten Aktion, die Lebensmittel vor der Tonne bewahrt. Sie nennt sich "Too Good To Go", was frei übersetzt bedeutet: "Zu gut, um es wegzuwerfen!"


Das geht über eine App. Die kann sich jeder aus dem Netz auf sein Handy laden. "Noch ist das Erzgebirge ein fast weißer Fleck. Aber wir machen mit und vielleicht bald noch andere", hofft Pierre Kittel. Und obwohl er seine Bäckerei erst seit eine Woche angemeldet hat, wurden bei ihm bereits am nächsten Tag die ersten zwei Wundertüten abgeholt. Das Ganze funktioniert so: Wer die App hat, kann sich tagsüber eine solche Wundertüte sichern. Eine Karte zeigt, wo welcher Betrieb mitmacht. Allerdings bestimmt nicht der Kunde, was am Ende genau in der Tüte steckt: ob ein Brot und ein Weißbrot oder Brötchen. Vereinbart ist damit jedoch, dass die Tüte nach Ladenschluss abgeholt wird, zum Preis von 3 Euro, egal, was drin steckt. Ob es Käsebrötchen oder Mohnzöpfe sind, Quark- oder Pflaumenkuchen - das ist der Überraschungseffekt. Fakt ist aber: Alles sind Waren von diesem Tag - Warenwert: 10 Euro.

"Wir können ja auch nicht alles einfrosten oder weiterverarbeiten", sagt Julia Kittel, die als Inhaberin die Bäckerei ihrer Großeltern in fünfter Generation weiterführt. "Diese Verschwendung muss ein Ende haben. Es steckt ja auch meine Arbeit in jedem Brötchen", ergänzt ihr Mann. Momentan bieten sie die Wundertüten in Schwarzenberg an, und demnächst auch in der Filiale in Aue.

Deutschlandweit sind bereits 25.795 Partnerbetriebe bei der App registriert. So konnten bereits mehr als 16 Millionen Mahlzeiten vor der Tonne gerettet werden.

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