Oberkommissar soll im Prozess um Kinderpornografie aussagen

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Vor dem Marienberger Amtsgericht muss sich ein Erzgebirger wegen des Erwerbs und Besitzes von kinderpornografischen Schriften verantworten. Weil er sich eigenen Angaben zufolge nicht erinnert, muss nun ein Experte aus Münster angehört werden.

Marienberg.

Als ein Ermittlerteam aus Hessen im Darknet einer Plattform für Kinderpornografie auf die Schliche kam, führte die Spur bis ins Erzgebirge. So wurde unter anderem die Wohnung eines 30-Jährigen durchsucht, der sich im Jahr 2016 für 0,05 Bitcoins Zugang zu der illegalen Seite verschafft haben soll und sich nun vor dem Amtsgericht Marienberg verantworten musste. "Ich kann es nicht ausschließen", sagte er am zweiten Verhandlungstag und zerstörte damit am gestrigen Mittwoch die Hoffnung auf ein vorzeitiges Ende der Verhandlung. Die sogenannte Verständigung, bei der sich das Gericht mit allen Verfahrensbeteiligten auf eine Lösung einigt, wäre nur im Fall eines Geständnisses des Angeklagten möglich gewesen.

Statt die Tat einzuräumen, gab der Annaberger vage an, viele Aktivitäten online erledigt zu haben: "Man weiß nicht, was man alles bestellt hat." Ein Grund der Erinnerungslücken sei auch der Alkohol gewesen, denn er habe damals viel getrunken. "Es ist lange her. Ich weiß es nicht mehr", beteuerte der Erzgebirger am zweiten Verhandlungstag erneut. Wie schon zum Auftakt wies er auf seine psychischen Probleme hin, die laut seiner Verteidigerin auf jahrelangen Drogenkonsum zurückzuführen seien.

Der unter anderem an Realitätsverlust und Psychosen leidende Mann wirkte auf der Anklagebank mitunter verwirrt. So meinte er unter anderem, "alle Leute sind Psychos". Offenbar in der Annahme, dass Beteiligte der illegalen Plattform in Marienberg aussagen sollen, sprach er von "Angst, dass ich da mit reingezogen werde". Auch der Hinweis seiner Verteidigerin, dass ein Polizeibeamter zur Anhörung geladen sei, konnte den Erzgebirger nicht beruhigen.

Die Verteidigerin räumte ein, dass der Mann damals mit Bitcoins im Netz gehandelt habe. "Es könnte sein, dass er dabei auch auf der Plattform gewesen ist", sagte sie. Untermauert wird das durch die Ergebnisse der Ermittler, die dem Erzgebirger über Rufnummer und E-Mail-Adresse auf die Spur kamen. Die Durchsuchung von dessen Wohnung bestätigte schließlich den Verdacht, da mehrere kinderpornografische Fotos sowie drei Kinderpornos auf den sichergestellten Datenträgern gefunden wurden.

Als belastendes Material gilt aber aktuell nur eins der entdeckten Bilder. Zwei Festplatten waren defekt. Und auch bei anderen Dateien war der Ursprung zeitlich nicht mehr nachvollziehbar, sodass der Umfang der Tat bislang noch relativ unklar ist. Licht ins Dunkel könnte nun ein Ermittler aus Münster bringen, der zum Auftakt wegen einer Corona-Quarantäne und am zweiten Verhandlungstag wegen einer Weiterbildung nicht erscheinen konnte. Der Oberkommissar hatte dazu beigetragen, die illegale Plattform im Darknet auszuheben. Von ihm erhofft sich der Richter nähere Angaben dazu, ob und wie tief der Angeklagte in diesen Fall verwickelt ist. Für Anfang März ist seine Aussage fest eingeplant, um die Verhandlung zum Abschluss zu bringen.

Letztlich musste der Staatsanwalt trotz entsprechender Signale der Verteidigung, die auf eine Verständigung hoffen ließen, zum zweiten Verhandlungstag ein ernüchterndes Fazit ziehen: "Das war eine Luftnummer, die wir uns hätten sparen können." Auf einen anderen Ausgang hoffen er und der Richter in knapp zwei Wochen, wenn das Urteil gesprochen werden soll. Inwieweit die psychischen Probleme des Angeklagten dabei berücksichtigt werden, bleibt abzuwarten. Ein medizinisches Gutachten bescheinigt dem Mann paranoide Schizophrenie, eine psychotische Störung sowie Verhaltensstörungen.

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