Wie das Kohlenplatz-Tor an die Bergbaugeschichte erinnern soll

Für den Heimatverein in Falkenau hat die rostige Stahlkonstruktion große Symbolkraft. Für einen Metallbaumeister ebenso.

Falkenau.

Etwa 30 Kilogramm hängen da am Haken, schätzt Jörg Leisner aus dem Augenwinkel. Ein Rundbogen mit gut 1,5 Metern Durchmesser aus rostigem Stahl, in der Mitte kreuzen sich Schlägel und Eisen -das Bergbausymbol. Das rostige Metall ist ziemlich genau 50 Jahre alt, und bis vor kurzem gehörte es zum Eingangstor des Wertstoffhofes in Flöha, der einst der Kohlenplatz war. Dass dieses Tor-Teil jetzt in der Schlosserei Leisner in Falkenau liegt, ist nicht nur ein Arbeitsauftrag für den Metallbaumeister, sondern auch ein Stück Familiengeschichte.

Denn das Tor hat vor 50 Jahren Jörg Leisners Großvater Walter Leisner angefertigt. Eine nicht alltägliche Konstruktion war das mit einem Stahlrahmen und dem Tor, das nach oben öffnete. Später wurde es zu einem Schwingtor umgebaut, sagt Jörg Leisner. Der Gestaltungsentwurf mit dem Bergbausymbol in der Mitte und dem Schriftzug "VEB Kohlehandel" stammt von Walter Leisner, der auch die Antriebstechnik für das Tor baute. Der Lagerplatz am Ende der Kohlenstraße ist Bahn-Gelände und war immer der zentrale Umschlagplatz für Rohbraunkohle und Brikett in Flöha. Mitte der 1980er-Jahre wurden hier täglich bis zu 250Tonnen feste Brennstoffe entladen und verteilt. 1998 endete die Geschichte des Kohlehandels in Flöha. Von 2004 an wurde auf dem Kohlenplatz der Wertstoffhof eingerichtet. Er schloss Anfang vorigen Jahres, nachdem der neue Wertstoffhof in Falkenau fertiggestellt war.

Tino Moritz und Kai Kollenberg

Sachsen 2019:Der „Freie Presse“-Newsletter zur Landtagswahl von Tino Moritz und Kai Kollenberg

kostenlos bestellen

Das rief Mike Glöckner und den Heimatverein Falkenau auf den Plan. Das Bergbausymbol aus dem Tor schien Mike Glöckner wie geschaffen, die Fundstelle des mittelalterlichen Schmelzofens nahe der Schwarzen Brücke zu markieren. Im Mai vorigen Jahres waren die alten Fundamente bei Bauarbeiten an der Schwarzen Brücke aufgetaucht.

Mike Glöckner, der sich im Falkenauer Heimatverein auf die örtliche Bergbaugeschichte spezialisiert hat, hatte den Schmelzofen immer an dieser Stelle vermutet, und nicht in Hetzdorf, wie es die Ortschronik besagt. Nach einer Notgrabung des Landesamtes für Archäologie und der Erfassung und Dokumentation der Fundstücke wurden die rund 450 Jahre alten Fundamente wieder zugeschüttet. Eine Informationstafel und das Bergbausymbol sollen an die Schmelzhütte als ein Zeugnis des Silberbergbaus in Falkenau erinnern. Die Stadt Flöha unterstützt die Arbeit des Falkenauer Heimatvereins, die Deutsche Bahn als Grundstückseigentümer erlaubte dem Verein schließlich, das Bergbausymbol aus dem Tor herauszuschneiden.

Jörg Leisner sagt, die Stahlkonstruktion werde entrostet, aufgearbeitet und verzinkt und bekommt neue Farbe. Für den Metallbaumeister, der die 1910 gegründete Schlosserei in der vierten Generation mit aktuell fünf Mitarbeitern führt, ist das ein ungewöhnlicher, aber zugleich auch ein alltäglicher Job. Er grübelt noch, wie der Ring stabilisiert werden kann, weil die Buchstaben "VEB Kohlehandel" herausgeschnitten wurden. Ihm wird da sicher etwas einfallen.

Das Bergbausymbol soll aufrecht stehen, sagt Mike Glöckner. Der Rahmen könnte der mittelalterlichen Schmelzhütte nachempfunden sein. In Glöckners Kopf gibt es den Entwurf bereits. Jetzt gilt es für ihn und den Heimatverein, finanzielle Unterstützung zu suchen. Auch eine Spendenaktion ist geplant. Nach der Bergbaulore im Ortszentrum und der Infotafel im Zechen- grund wird das stählerne Bergbau-Symbol das dritte Zeugnis der Falkenauer Bergbaugeschichte, die irgendwann auf einem großen Erlebnisrundweg erkundet werden kann.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...