Zeit für das Besondere

Die Laienschauspieler des Sommertheaters Falkenau haben das Publikum am Wochenende mit "Alles nur Show" begeistert. Es waren die ersten Aufführungen ohne den Gründer und langjährigen Chef. Der hatte aber noch einen Auftritt - und fand keine Worte.

Falkenau.

Familie und Beruf - im besten Fall in dieser Reihenfolge. Für mehr bleibt kaum noch Zeit, hört man oft. Hobbys fallen da hinten runter. Erst recht, wenn das Hobby zwingend damit verbunden ist, bei regelmäßigen Treffen erscheinen und Texte auswendig lernen zu müssen. Und wofür? Um sich ein ganzes Wochenende um die Ohren zu schlagen und sich vor einer nicht gerade kleinen Menschenmenge im Rampenlicht zu präsentieren - egal, ob die Sommernacht lau ist oder es gerade regnet und stürmt. Es gibt also Gründe, warum Laienspielgruppen Personalprobleme haben und hierzulande kaum noch zu finden sind.

Und es gibt Falkenau. 2010 führte das Sommertheater dort das erste kleine Stück auf. Gründer der Hobbytruppe war Silvio Neumann. Seither haben sich die knapp 30 Mitglieder des Ensembles - mit einem Jahr Pause - jährlich die Zeit genommen und immer wieder ein neues Stück auf die Bühne gebracht. Am vergangenen Wochenende standen auf dem Gelände des Freibades nun Premiere (Freitag), zweite Aufführung (Samstag) und letzte Vorstellung (Sonntag) des neuesten Stückes auf dem Programm. Erstmals ohne Neumann, der aus beruflichen Gründen in den Norden abgewandert ist. Das Zepter übernahm seine Stieftochter Madeleine Oehme. Und die hat dem Musical "Alles nur Show" bei ihrer Premiere als Drehbuchautorin und Regisseurin ihre ganz eigene Handschrift verpasst: viel Musik, viel Gefühl, klare Botschaft. Den Zuschauern gefiel, was ihnen geboten wurde.


Am Ende der Premiere gab es stehende Ovationen. Und es gab große Gefühle, als Theater-Vati Silvio Neumann seiner Theater-Tochter Madeleine Oehme Blumen überreichte. Sagen konnte er dabei nichts. Die Freudentränen verhinderten das.

Der Stoff von "Alles nur Show" ist in Theater- und Filmkreisen alles andere als neu: Talentierte junge Sängerin wird bei Casting von schmierigem Produzenten entdeckt, landet in einer Welt voller Lügen und falscher Freunde und endet einsam im Rausch. Schließlich erkennt sie, dass nur Familie und Freunde wirklich wichtig sind. Ende, Aus, Applaus.

Was die Version des Falkenauer Sommertheaters aber so besonders macht, ist die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird. Da ist zum einen Hauptdarstellerin Madeleine Oehme, die mit ihrer beeindruckenden Stimme und ihrer Präsenz auf der Bühne für eben diese geboren scheint. Falls die 22-Jährige, die beruflich übrigens ganz was anderes als Showbusiness macht, doch einmal als Sängerin entdeckt wird, steht ihre Nachfolgerin schon in den Startlöchern. Lea Uhlig schlüpfte in die Rolle einer jungen Sängerin, der dann doch der Glamourfaktor fehlt, um ganz vorn zu stehen. Über dieses Schicksal singt die 17-Jährige derart herzzerreißend schön, dass sich der geneigte Zuhörer nur noch fragt: Wo graben die in Falkenauer nur immer wieder diese Talente aus?

Ansonsten stehen noch einige waschechte Originale aus Falkenau (mit Unterstützung aus Oederan und Hainichen) auf der Bühne. Uwe Fischer gibt zum Brüllen komisch den verschollenen Vater der ins Showbusiness Gezwungenen. Franziska Dietze spielt mit feiner Ironie die Kellnerin, die es immerhin als Praktikantin ins Rampenlicht schafft. Ronny Höthe nimmt man den schmierigen Produzenten ebenso ab wie Bernd Findeisen den Schlagerfutzi Ronald König. Und da sind noch so viele mehr, die allesamt in ihren Rollen aufgehen und sie mit Herz und Spaß verkörpern: Gabi Oehme und Peter Pötscher als die Eltern des Showsternchens wider Willen, Heike Wiedrich als erfolgshungrige TV-Moderatorin, die über Leichen geht. Andreas Brand als geschasster Freund, der aus Verzweiflung über die Verwandlung seiner Liebsten einen Klassiker der Punkband Die Ärzte schmettert. Yvonne Haase, die in einigen Metern Höhe (auch eine Hebebühne wurde mal eben ins Freibad gestellt) ein Britney-Spears-Lied im Glitzerfummel singt. Sie alle und noch viele mehr haben sich in den vergangenen Monaten die Zeit genommen, etwas Besonderes für ihren Ort und sich selbst zu schaffen. Es ist ihnen bestens gelungen.

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