Beteiligte streiten über Radweg-Verlauf

Das Straßenbauamt will, dass die Trasse im Naherholungsgebiet Fröhne das Gleisbett verlässt. Das lehnen die Geringswalder Stadträte ab. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Geringswalde.

Mit einer Alternativvariante für den Bau des Radweges, der einmal Waldheim mit Rochlitz verbinden wird, hat sich der Geringswalder Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschäftigt. Demnach will das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) die Trasse im Bereich des Naherholungsgebietes Fröhne nicht wie ursprünglich geplant auf den Gleisen der einstigen Bahnstrecke verlaufen lassen - was auf heftige Ablehnung bei den Räten stieß.

Die Pläne des Lasuv sehen vor, dass die Trasse kurz nach der Querung der Umgehungsstraße am Harthaer Gewerbegebiet West das geschotterte Gleisbett verlässt und auf einen Feldweg ausweicht und an der ehemaligen Ausflugsgaststätte "Waldhaus Fröhne" vorbeiführt. Weiter soll es dann bis zur Staatsstraße 200 durch Waldgebiet auf dem sogenannten Mittelfröhneweg gehen. Dessen Oberfläche war zwar im Sommer von der Kommune auf etwa der Hälfte der Strecke nivelliert, verdichtet und sandgeschlämmt worden. Der zweite Teil allerdings gehört zur Forstverwaltung des Freistaates und ist holprig geblieben.

"Wenn der Radweg in der Fröhne die Bahntrasse verlässt, ist keine vollständige Entflechtung des Radverkehrs vom herkömmlichen Betrieb auf den Straßen gegeben. Gerade die wäre aber zum Beispiel für Kinder sehr wichtig. Es ist eine Frage der Sicherheit", sagte der Geringswalder Bürgermeister Thomas Arnold (parteilos). Das sehen Thomas Klemm (Freie Wähler) und sein Fraktionskollege Harald Hofmann ebenso. "Auf dieser Holperpiste möchte ich nicht mit dem Fahrrad unterwegs sein", sagte Hofmann. Die Grünenpolitikerin Claudia Glanz sprach sich dafür aus, das Geringswalder Stadtoberhaupt zu beauftragen, beim Lasuv mit Nachdruck gegen dessen jetzt unterbreitete Variante zu intervenieren.

Arnold, bei dem die Fäden der Kommunikation zwischen Anrainergemeinden und der Straßenbaubehörde zusammenlaufen, will sich dafür stark machen, die Trasse im Bereich der Fröhne zurück ins Gleisbett zu holen. Denn abgesehen vom Sicherheitsaspekt habe die Stadt bereits vor vier Jahren rund 30.000 Euro für den Erwerb von Grund und Boden, auf dem das Gleisbett verläuft, ausgegeben.

Wie es mit der Streckenführung in der Fröhne weitergeht, ist laut Lasuv indes noch völlig offen. "Es werden verschiedene Varianten untersucht. Und das wird auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen", teilte Lasuv-Sprecherin Isabel Pfeiffer auf Nachfrage der "Freien Presse" mit. Derzeit stünde die örtliche Erfassung der Umweltsituation an. Um aussagekräftig zu sein, erstrecke sich eine solche Untersuchung über eine Vegetationsperiode, so Pfeiffer. Zudem sei es möglich, dass nach der Auswertung der Daten weitere Untersuchungen notwendig werden. "Erst nach deren Abschluss kann eine fachlich korrekte und gerichtlich überprüfbare Variantenbewertung erfolgen", unterstrich die Behördenmitarbeiterin. Mit einer solchen sei aus jetziger Sicht nicht vor Ende kommenden Jahres zu rechnen.

Dass das Projekt einen langen Atem erfordert, war Bürgermeister Arnold, wie er sagt, von Beginn an klar. Damit aus dem Radweg eine Bereicherung für die Region und kein Flickenteppich wird, appelliert er an die Geringswalder, ihre Ideen einzubringen. "Wer unser Anliegen unterstützen möchte, sollte mich ansprechen."


Der lange Weg zur grünen Verbindung Rochlitz - Waldheim

Der geplante Radweg soll einmal die Stadt Waldheim mit Rochlitz verbinden. Von der ersten Idee bis zum ersten Spatenstich hat es mehr als acht Jahre gedauert. Eine Vereinbarung zwischen dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) und den Anliegergemeinden war im Oktober 2011 der erste Schritt. Die Demontage der Schienen begann im Januar 2012.

Neben Geringswalde erwarben auch Erlau, Hartha, Rochlitz, Seelitz und Waldheim Grundstücke entlang der Bahntrasse dafür. Der erste Teil mit einer Länge von 1,9 Kilometern war Anfang Oktober 2018 in der Waldheimer Gemarkung übergeben worden.

Im Naherholungsgebiet "Fröhne" weicht die Trasse derzeit auf vorhandene Feld- und Waldwege aus, weil der Naturschutzverband Sachsen Einspruch erhoben hatte.

Das Lasuv rechnet mit Kosten von knapp fünf Millionen Euro. (grün)

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