Diese 22 Orte im Erzgebirge gehören jetzt zum Weltkulturerbe

Das Weltkulturerbe setzt sich aus 22 Bestandteilen zusammen: 17 auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite. Die ausgewählten Denkmale, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren in ihrer Gesamtheit die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. Jeder Bestandteil besteht aus verschiedenen Einzelobjekten beziehungsweise Landschaften - allein etwa 400 auf sächsischer Seite!


Bergbaulandschaft Hoher Forst bei Schneeberg

Bereits ab 1306 begann in diesem Gebiet zunächst der Abbau von Silber-, später von Kupfererzen, und es entwickelte sich eine Bergstadt, die jedoch bald wieder aufgegeben wurde. Bis ins 20. Jahrhundert lassen sich Bergbautätigkeiten nachweisen. Heute zeugt das montanarchäologische Bergbaudenkmal von der wechselvollen Geschichte dieses Bergbaustandortes.


Montanlandschaft Schneeberg

Viele der aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammenden Aufbereitungsanlagen und bergmännischen Gebäude sind weitgehend erhalten geblieben. Sie vermitteln einen Eindruck vom Bergbau auf Silber- und Kobalterze, dem Rohstoff für die Produktion von blauen Farben. Um die Wasserkraftmaschinen der Gruben betreiben zu können, wurde der Filzteich angelegt.


Blaufarbenwerk Schindlers Werk in Zschorlau

Die erzgebirgische Blaufarbenproduktion dominierte lange Zeit ganz Europa. Das jüngste der ehemals fünf Blaufarbenwerke befindet sich in Zschorlau, wo es 1650 von Erasmus Schindler gegründet wurde. Der Denkmalbestand zeigt den als eigenes Gemeinwesen gegründeten Hüttenstandort mit Produktions- und Funktionsgebäuden sowie Wohnhäusern.


Montanlandschaft Abertamy-Bozi Dar-Horni Blatna

Zwischen 1529 und 1533, kurz nach der Gründung von St. Joachimsthal (später Jáchymov) entstanden in den hohen Lagen des Erzgebirges fast gleichzeitig drei neue bedeutende Bergstädte - Abertamy (Abertham), Bozi Dar (Gottesgab) und Horní Blatna (Bergstadt Platten). Grund dafür waren die reichen Silber-, Zinn- und Eisenerzfunde in der Umgebung.


Bergbaulandschaft Lauta

Bei Lauta in der Nähe von Marienberg finden sich Zeugnisse der Bergbaugeschichte, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Zu den historisch bedeutendsten Gängen gehören die perlenschnurartig aufgereihten Halden des "Bauer Morgenganges" und des "Elisabeth Flachen". Jede Halde markiert den ursprünglichen Standort eines oder mehrerer Tagesschächte.


Bergbaulandschaft Rother Berg in Schwarzenberg

Die Eisenhütte Erlahammer befand sich im Stadtgebiet von Schwarzenberg. Von der einstmaligen Bedeutung des Werkes für die Eisenproduktion und -verarbeitung zeugt der Herrenhof aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Bergbaulandschaft Rother Berg, von wo aus Mitte des 13. Jahrhunderts Roteisenerz abgebaut wurde.


Montanlandschaft Krupka

Die Gegend um Krupka (Graupen) ist durch den Abbau von Zinnerzen über einen Zeitraum von etwa 800 Jahren stark geprägt worden. Ein bedeutendes Montandenkmal dieser Kulturlandschaft ist das Besucherbergwerk Starý Martin (Alter Martin), das mit einer Länge von zwei Kilometern über den längsten Zinnerzgang in Mitteleuropa verfügt.


Bergbaulandschaft Ehrenfriedersdorf

Die Region um Ehrenfriedersdorf ist eine der ältesten mittelalterlichen Zinnerz-Bergbaugebiete Deutschlands. Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts begannen Bergleute hier mit dem Abbau von Zinnerzen. Mit einer hier entwickelten Wasserhebetechnik konnte der zeitweilig ruhende Bergbau im 16. Jahrhundert wieder aufgenommen werden.


Montanlandschaft Altenberg-Zinnwald

Die Montanlandschaft Altenberg-Zinnwald dokumentiert die Gewinnung, Aufbereitung und Verarbeitung großer Mengen Zinnerze über einen Zeitraum von 600 Jahren. Bedeutende Sachzeugen des Bergbaus bei Altenberg sind vom 15. bis 20. Jahrhundert erhalten. Der Bergbau in der Zinnwalder Lagerstätte wurde auf sächsischer und auf böhmischer Seite betrieben.


Saigerhüttenkomplex Grünthal

Das Saigern, ein Verfahren zur Gewinnung von Silber aus silberhaltigem Kupfererz, gab der 1537 von Bergmeister Hans Leonhardt gegründeten Hütte ihren Namen. Die Saigerhütte Grünthal war ein Gemeinwesen mit eigener Gerichtsbarkeit. Hier finden sich daher neben den Produktions- und Verwaltungsgebäuden auch Wohn- und Versorgungsgebäude.


Bergbaulandschaft Buchholz

Als "St. Katharinenberg im Buchholz" gegründet, entwickelte sich Buchholz zu einer kleinen Bergbausiedlung. Von der Zeit des Silbererzbergbaus zeugt die Hallenkirche mit ihrem kulturhistorisch bedeutenden Bergaltar. In der letzten Phase des Bergbaus entstanden durch die Uranerzgewinnung Spitzkegelhalden, die im Erzgebirge nur noch hier erhalten sind.


Historische Altstadt Marienberg

Die 1521 gegründete Bergstadt Marienberg wurde als Stadt am Reißbrett geplant. Der quadratische Grundriss, die Regelmäßigkeit und die Verteilung der Gebäude zeigen eine Idealstadt der Renaissance, die hier erstmals nördlich der Alpen geschaffen wurde. Das Anfang des 19. Jahrhunderts errichtete Bergmagazin ist das einzig verbliebene seiner Art im Erzgebirge.


Bergbaulandschaft Eibenstock

Im Westerzgebirge bei Eibenstock weisen zahlreiche Sachzeugen auf die einstmalige Förderung und Verarbeitung von Zinn hin. In der Bergbaulandschaft liegen unmittelbar nebeneinander Raithalden und Wassergräben zur Erzauswaschung, die noch heute vom obertägigen Zinnseifenbergbau zeugen. Verarbeitet wurde das Zinn in den umliegenden Eisenhämmern.


Verwaltungssitz Lauenstein

Die Burg Lauenstein wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Nach 1464 baute der Freiberger Ratsherr und Bergwerksbesitzer Hans Münzer die Burg zu einem Schloss um. Von 1517 bis 1821 befand sich Schloss Lauenstein im Besitz der Adelsfamilie von Bünau, die an der Entwicklung des Bergbaus im sächsischen Erzgebirge maßgeblich beteiligt war.


Hochmittelalterliche Silberbergwerke Dippoldiswalde

Bereits im Hochmittelalter betrieben die Menschen im Erzgebirge Bergbau untertage. Davon zeugt die archäologische Stätte der Silberbergwerke in und um Dippoldiswalde. Die fast vollständig erhaltene untertägige Bergbaulandschaft des 12./13. Jahrhunderts ist für die Erforschung der Frühgeschichte des erzgebirgischen Bergbaus von herausragender Bedeutung.


Bergbaulandschaft Pöhlberg

Auf der östlichen Seite des Pöhlbergs, inmitten eines bäuerlich erschlossenen Gebietes, befindet sich ein seit dem 15. Jahrhundert belegtes Bergbaugebiet. Die untertägigen Grubenanlagen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert sowie die originalen Kunstgezeu- gereste aus dem 18. Jahrhundert sind einzigartig für den erzgebirgischen Bergbau.


Montanlandschaft Annaberg-Frohnau

Der Markus-Röhling-Stolln in Frohnau entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem der wichtigsten Stolln in der Region. Im Tal der Sehma befindet sich auch der Frohnauer Hammer. Bereits 1907 als erstes Technisches Denkmal in Deutschland unter Schutz gestellt, repräsentiert er mit seiner Technik die Verarbeitung verschiedener Metalle im Erzgebirge.


Die Montanlandschaft Freiberg

Die Montanlandschaft Freiberg ist das älteste und wichtigste Abbaugebiet für Silber im Erzgebirge. Von 1168 bis 1968 wurde in diesem Gebiet kontinuierlich Silber abgebaut. Freiberg als die erste Bergstadt im Erzgebirge wurde im Jahr 1168 gegründet. Im Laufe der Zeit entstanden im Umfeld der Stadt zahlreiche bedeutende Bergbaulandschaften.


Montanlandschaft Jachymov

Die Stadt Jachymov (St. Joachimsthal), die 1516 in einem Steilhang des Erzgebirges gegründet wurde, gehört zu den Geburtsstätten der Wissenschaft im Bereich Bergbau, Hüttenwesen und Mineralogie, deren wesentliche Grundlagen im 16. Jahrhundert von Georgius Agricola geschaffen wurden. 1716 entstand in Jáchymov die erste Bergschule der Welt.


Bergbaulandschaft Uranerzbergbau

Von Bedeutung für die Urangewinnung in Zeiten des Kalten Krieges waren vor allem die Bergbaugebiete im westlichen Erzgebirge, darunter Johanngeorgenstadt, Aue und Schlema. Neben der Schachtanlage 371 bei Bad Schlema dokumentiert die renaturierte Haldenlandschaft (unter anderem mit der Halde 366 bei Aue) die Phase des Uranerzbergbaus.


Roter Turm des Todes

Der Rote Turm des Todes ist ein nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik, das an die Zeit des Uranabbaus in der Region Jachymov erinnert. Das Areal, in dem ein siebenstöckiges Gebäude aus roten Ziegeln dominiert, diente von 1951 bis 1956 als zentrale Aufbereitungs- und Sortieranlage der abgebauten und in die Sowjetunion gelieferten Uranerze.


Montanlandschaft Vrch Mednik (Kupferberg)

Der charakteristische Hügel mit der barocken Kapelle Unbefleckte Empfängnis Mariä aus dem Jahre 1674 ist sowohl im erzgebirgischen als auch im europäischen Zusammenhang durch die große Anzahl historischer Bergwerke einzigartig. Auf einer kleinen Fläche waren vom 15. bis zum 19. Jahrhundert ca. 70 Stolln und Schächte in Betrieb.

Bewertung des Artikels: Ø 4.8 Sterne bei 10 Bewertungen
3Kommentare
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  • 5
    0
    acals
    08.07.2019

    Danke an die FP für diesen auch bebilderten Artikel zum Welterbe. Der lädt ja regelerecht zum vor-Ort nachschauen ein.
    Bemerkenswert wozu sich die internationale Völkergemeinschaft bekennt - nämlich den Roten Turm des Todes als Symbol für menschenverachtende Arbeitsverhältnisse im Sozialismus zu benennen. Solche Lokalitäten kannte ich bislang nur von heute russischem bzw. ehemaligen DDR-Staatsgebiet, letzteres aus 1. Hand. Wer weiss, vielleicht werden auch die ja in Zukunft gewissenabbildendes Welterbe der Menschheitsgeschichte.

  • 6
    0
    Malleo
    08.07.2019

    Schön den Schacht 371 der Wismut zu sehen!
    Auf dem Gelände gibt eine zu empfehlende Mineralienausstellung.
    Ich kenne den Schacht noch aus der aktiven Zeit

  • 9
    0
    Interessierte
    08.07.2019

    Schön , dass das nun endlich geklappt hat , ham´ sich ja auch reichlich bemüht , um nun auch einmal anerkannt zu werden -

    Hherzlichen Glückwunsch !!!



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