Frischer Wind weht in der Parkwarte

Gerüchte über ein drohendes Aus für die Einkehr auf dem Auer Heidelsberg erweisen sich als haltlos. Vielmehr tut sich viel im Familienbetrieb. Denn künftig unterstützt der Juniorkoch den alten Hasen am Herd.

Aue.

Sogar bis ins Gasthaus selbst ist das Gerücht gedrungen, die Auer Parkwarte würde ihre Pforten für Gäste in Kürze schließen. Dabei thront die Einkehr als weithin sichtbares Wahrzeichen schon seit mehr als 100 Jahren auf dem Heidelsberg, und Wirt Matthias Wild denkt überhaupt nicht ans Aufhören. Im Gegenteil. "Mein Sohn steigt in diesen Wochen mit ein, unterstützt mich in der Küche und wird für frischen Wind sorgen", sagt der 64-jährige Koch, der sich für die schwere Arbeit am Herd noch nicht zu alt fühlt.

Frischen Wind erhofft er sich von Sohnemann Michael dennoch. Immerhin bringt der 26-Jährige einen Erfahrungsschatz aus der Schweiz ins Familienunternehmen ein. Nach der Lehre in der Küche des Hotels "Am Kurhaus" in Bad Schlema ging Michael Wild mit 18 Lenzen ins Land der Eidgenossen, absolvierte innerhalb von sieben Jahren verschiedene Stationen - von deftiger Wirtshauskost bis zur gehobenen Küche war alles dabei. "Das möchte ich nun zu Hause einbringen." Er ist auch schon umgezogen ins Domizil der Familie, die direkt in der Parkwarte wohnt. Kurze Wege gehören auch zum Konzept. "Bisher fahren wir gut damit und haben viele treue Stammkunden aus der Region", sagt der Senior. Er verhehlt aber nicht, dass der Betrieb immer schwieriger wird. Da sei das Problem mit dem Personal. Aufgrund der Öffnungszeiten - vor allem an den Wochenenden und den Zwängen durch das Arbeitszeitgesetz - sei es schier unmöglich, eine Vollzeit-Servicekraft zu beschäftigen. "Wir müssen es auf mehrere verteilen, wobei die Suche nach Servicemitarbeitern ohnehin immer schwerer wird." Zumal von einer Teilzeitstelle nur schwer zu leben ist. "Das wissen wir, befinden uns aber dennoch in dieser Zwickmühle", sagt Matthias Wild.

Die Gerüchte um die Schließung, die selbst bei Aues Stadtsprecherin Jana Hecker angekommen waren, führt Wild auch auf die Tatsache zurück, dass ganz in der Nähe erst kürzlich die alteingesessene Kneipe "Vugelbeerbaam" zwischenzeitlich geschlossen war. "Vielleicht verwechselten das einige." Bei den Wilds jedenfalls war Aufgeben noch nie eine Option. "Wir profitieren auch von unserer Lage, werden für Familienfeiern und von größeren Gesellschaften gebucht", so Matthias Wild, der seit 1995 auf dem Berg zu Hause ist. "Da kauften wir das Haus als Familie und sanierten es grundhaft." Auch seine Frau packte damals kräftig mit an und tut dies noch heute. Es stecke viel Herzblut in Gastraum, Saal und Küche.

Errichtet wurde das Gebäude einst vom Verschönerungsverein Aue, der beim Rat der Stadt 1904 ein Gesuch zum Bau einer Parkwarte mit Aussichtsturm einreichte und genehmigt bekam - inklusive Baudarlehen von rund 10.000 Mark. Diese Zeiten sind längst vorbei. "Der Turm ist nicht mehr begehbar", so Wild. Ansonsten aber steht das Haus Gästen offen - dank der Unterstützung durch Michael Wild eventuell bald sogar wieder umfangreicher als derzeit: Montag bis Mittwoch ist zu - und eines beiden Köchen klar: Der Generationswechsel erfolgt nicht nur in der Wirtsfamilie, sondern auch mit Blick auf die künftige Besucherschar. "Es muss uns gelingen, auch für jüngere Leute attraktives Ausflugsziel zu werden", so Michael Wild, der aus Schweiz eine ganz andere Ausgeh-Mentalität kennt. "Da gehen alle Generationen öfter und ausschweifender einkehren", sagt er und will Gelerntes einbringen. Etwa in Form des typischen Käse-Fondue. Daneben soll traditionell erzgebirgische Hausmannskost wie Sauerbraten und Co. auf der Karte bleiben.

Eine Übergabe des Geschäfts plane das Vater-Sohn-Gespann Schritt für Schritt. "Michael soll reinwachsen", sagt der Senior, bindet den Junior aber schon voll mit ein - beispielsweise am 7. März, wenn ein großes Sauschlachten mit Produkten aus Eibenstock auf dem Programm steht. Eine Reservierung wird empfohlen.

"Wir wollen nach wie vor in erster Linie mit Qualität punkten. Das gilt für unsere Klassiker ebenso wie für neue Ideen", sagt Matthias Wild. Sein Sohn nickt bestätigend und fügt hinzu: "Das neue Jahrzehnt habe ich bewusst zu Hause begonnen. Ich bin ein Familienmensch, wollte immer zurückkehren." Nun gelte es, trotz aller Probleme und Sorgen in der Gastronomie-Branche den elterlichen Betrieb 25 Jahre nach seiner Eröffnung weiterhin zukunftssicher aufzustellen. "Das Rüstzeug dafür haben wir."


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