Schuhmacher fertigt tausende Skisprungstiefel für Nachwuchs

Joachim Mühlmann hat durch seine Arbeit mit den Grundstein für die Erfolge der DDR-Springer gelegt. Jetzt wurde er als Diamantener Meister geehrt.

Schneeberg.

Wer kennt sie nicht, die Skisprung-Asse der Region wie Jens Weißflog, Sven Hannawald und Manfred Deckert? Bereits als Steppkes machten sie große Sprünge von den Schanzen des Erzgebirges. "Damals gab es wirklich viele Anlagen. Denn Skispringen war ein beliebter Sport", erinnert sich Joachim Mühlmann. Dadurch wurden Talente wie Jens Weißflog entdeckt, der schon als Kind den anderen davonsegelte. Das hat auch Joachim Mühlmann gesehen, der regelmäßig die Schanzen des Erzgebirges besuchte, denn der Schneeberger stellte Skisprungstiefel her. Wie auch Volkmar Rass aus Schönheide entwickelte er die berühmt gewordenen DDR-Skisprungstiefel.

"Das war alles Handarbeit. Deshalb wurde auch mit den Sportlern über mögliche Verbesserungen gesprochen", sagt Mühlmann, der am Samstag seinen 82. Geburtstag feierte. Und es gibt noch einen weiteren Anlass zum Feiern. Der Schumacher wurde jetzt von der Handwerkskammer mit dem Diamantenen Meisterbrief geehrt. Denn vor 60 Jahren legte der Erzgebirger erfolgreich seine Prüfung ab.

Sein Meisterstück damals war ein Paar Skischuhe. "Eine Woche habe ich daran gearbeitet. Wir waren in dieser Zeit eigens in Chemnitz untergebracht", sagt Joachim Mühlmann. Das Meisterstück hat er immer noch und es mutet wie aus einer anderen Zeit an, als das Schumacher-Handwerk noch einen ganz anderen Stellenwert hatte. Jeder Stich ist im Leder ist exakt gesetzt, wie bei einem Kunstwerk.

Bereits der Vater von Joachim Mühlmann war Schuhmachermeister. Nach seiner dreijährigen Lehrzeit in Aue kehrte 1954 der Sohn in die väterliche Werkstatt zurück, die 1930 im Radiumbad Oberschlema gegründet wurde. "Mein Vater kam zum Glück aus dem Krieg zurück und er produzierte Skischuhe für Tourenski, die die Wismut als Talonware verkaufte."

Im Jahr 1970 startete Joachim Mühlmann sein Skisprungstiefelprojekt in seiner eigenen Werkstatt. Von früh bis spät arbeitete er, um die hohe Nachfrage zu decken. Sieben Paar die Woche rund 20 Jahre lang. Tausende Schuhe verließen seine Werkstatt. "Ich hatte ein M als Markenzeichen drauf. Volkmar konnte Rass darauf schreiben, das ist kürzer als mein Name", sagt der Schneeberger. Während zu DDR-Zeiten die Nachfrage riesig war, kam mit der Wende das Ende: "Ich hatte noch halbfertige Schuhe und keiner wusste wie es weiter gehen sollte."

Anders als Volkmar Rass stellte Joachim Mühlmann seine Skisstiefelproduktion 1990 ein. "Seitdem erledige ich vorrangig Reparaturaufträge." Die Werkstatt des fachkundigen Meisters finden Kunden am Schneeberger Zobelplatz. "Zusammen mit meiner Frau Ilona stellte ich nach der Wende zudem für Dachdecker Nageltaschen und Hammerschlaufen aus Leder her." Auch Arschleder und Gürteltaschen fertigte er.

Während in den 1990er-Jahren die Erzgebirger noch viel reparieren ließen, sei es mittlerweile weniger geworden. "Obwohl es viele Schuhe noch wert wären", so Mühlmann. Er selbst ist trotzdem täglich in seinem Geschäft am Zobelplatz anzutreffen oder auf dem Auer Brünlasberg, wo er an der Professor-Dr.-Dieckmann-Straße dienstags und freitags von 14bis 17Uhr einen Stand hat.

Und es gibt noch einen weiteren Platz, an dem man Joachim Mühlmann regelmäßig findet. Denn neben der Liebe zu seiner Frau, den drei Töchtern und dem Handwerk schlägt sein Herz für den FC Erzgebirge Aue. "1951 war ich das erste Mal im Stadion und habe viele, viele Spiele miterlebt. Im neuen Stadion ist es jetzt besonders schön." Sogar eine Ledertasche in den Vereinsfarben hat sich der Schumacher gemacht. "Darauf werde ich immer mal wieder angesprochen", sagt er. Bestimmt auch beim nächsten Mal, wenn er im Erzgebirgsstadion seiner Wismut die Daumen drückt.

Einen Nachfolger wird es in seiner Werkstatt nicht geben. "Ich mache so lange weiter, wie ich kann", sagt Joachim Mühlmann, der seinen Beruf liebt. Früher habe es viele Schuhmacher gegeben. Das zeigt sich auch darin, dass neben ihm noch zwei weitere Schuhmacher den Diamantenen Meisterbrief erhielten. Und der Nachwuchs? "Zur Zeit haben wir im Handwerkskammerbezirk Chemnitz keinen aktiven Azubi. Der letzte Maßschuhmacher-Azubi hat 2018 ausgelernt, erklärte eine Kammer-Sprecherin.

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