Tisch und Stuhl für Stützengrüner Zwerge

Eine Firma in dem Ort fertigt das spezielle Möbel. Die Gemeinde packt den Gutschein dafür zu ihrem Baby-Geld.

Stützengrün.

Etwa ein Dutzend Kinderwagen standen am Dienstagnachmittag vorm und im Stützengrüner Bürgerhaus. Im Haus saßen über 20 junge Mütter und Väter mit ihren Kindern an Kaffeetischen. Bürgermeister Volkmar Viehweg hatte alle Familien eingeladen, die 2018 Nachwuchs bekommen haben. 25 Kinder waren es 2018.

Für die Kleinkinder und ihre Eltern gab es als Willkommensgruß 50 Euro von der Gemeinde. Eine Tradition, die in diesem Jahr erweitert wurde. Erstmals beteiligte sich die ortsansässige Firma Schul- und Stahlrohrmöbel GmbH. Alle 25 Kinder erhalten einen kleinen Stuhl und einen Tisch vom Unternehmen. Oder auch nur eines von beiden - je nach Wunsch der Eltern. Knapp 185 Euro kostet beides zusammen, wie Prokurist Nicky Fuchs informierte. Die Familien haben nun einen Gutschein in der Hand. Den können sie ausfüllen und bei der Gemeindeverwaltung abgeben. Die reicht das gebündelt an die Firma weiter. "Innerhalb von zwei Wochen produzieren wir dann das Gewünschte", so Fuchs. Die Eltern können sich die Möbel schließlich abholen.


Das Präsent aus Holz und Stahl soll Tradition werden. Das sagte Claudine Hedrich, Betriebswirtin und zuständig für Marketing und Vertrieb. Sie ist Teil des Generationenwechsels, den das Unternehmen vollzogen hat. Ihr Urgroßvater hatte den Betrieb gegründet, ihre Großmutter war bis letztes Jahr noch aktiv dabei. Vor 99 Jahren wurden in einer Baracke zunächst Bürsten gefertigt. Dann widmete man sich der Herstellung von Schulstühlen. Schließlich wurden Sitzflächen und Lehnen auf Stahlgestelle montiert. Inzwischen gehören Tische, Schränke und sogar Tresen zum Portfolio. "Aber 80 Prozent machen Schulstühle und -tische aus", so Nicky Fuchs. Kunden gibt es in ganz Deutschland, in den Benelux-Staaten, Österreich, der Schweiz, Italien und über Händler weltweit. Vor allem deutsche Schulen in Südamerika, Asien und Afrika nutzen die Ware aus dem Erzgebirge. Der Netto-Jahresumsatz liege bei sieben Millionen Euro.

Dass sich die Firma am Geschenk für die Neugeborenen beteiligt, hat viele Gründe. Die Tradition als Familienbetrieb gehöre dazu, der Generationswechsel, das Bewusstsein dafür, als Mittelständler Verantwortung zu tragen. Und dann ist da die Hoffnung auf künftige Lehrlinge. Viele der derzeit 80 Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Nachwuchs sei im Erzgebirge schwer zu finden. Claudine Hedrich sagte darum bei der Übergabe der Gutscheine: "Wenn ihre Kinder in 16, 17 Jahren eine Lehrstelle suchen, dann melden Sie sich."

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