Aus für Geothermie-Projekt stößt auf Kritik

In Wildbach sollte für ein hochmodernes Kraftwerk geforscht werden. Jetzt ist das Millionenprojekt überraschend gescheitert - zum Ärger des Stadtchefs.

Aue-Bad Schlema.

Der Traum vom Bau eines hochmodernen Geothermie-Kraftwerks in Aue-Bad Schlema ist geplatzt. Wie der Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß (CDU) berichtet, ist eine geplante Forschungsbohrung auf dem Gelände der ehemaligen Polizeischule in Wildbach jetzt unter anderem an geschätzten Kosten von gut 50 Millionen Euro gescheitert. "Ich bedauere, dass es nach dem Vorprojekt nicht weitergeht, wenngleich die Gründe verständlich sind", sagt er.

Mit Unverständnis reagiert hingegen der Oberbürgermeister von Aue-Bad Schlema auf die Absage: "Sollen wir künftig in der Höhle hausen?", fragt Heinrich Kohl (CDU) zynisch. "Wir wollen keine Atomkraft, keine Kohle und Windkraft am liebsten auch nicht. Dann muss man wenigsten bei der Geothermie nachlegen." Planlos nennt er deshalb die Entscheidung.


Tatsächlich kommt das Aus zumindest überraschend, denn erst vor wenigen Wochen hatte die zuständige Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, kurz BGR, verkündet, dass ein Vorprojekt für die Forschungsbohrung erfolgreich abgeschlossen wurde. Bei der Bohrung sollte ein fünf Kilometer langes Loch vom Gelände der früheren Polizeischule in die Tiefe getrieben werden. Wissenschaftler wollten damit überprüfen, ob der Granit in dieser Ecke des Erzgebirges - die Störungszone Roter Kamm - für ein Tiefengeothermie-Kraftwerk geeignet ist. Das Prinzip dahinter: Wasser wird durch ein Bohrloch in die Tiefe gepresst und erwärmt sich dort auf über 100 Grad Celsius. Die Hitze wird dann an der Oberfläche zur Energieerzeugung genutzt. In der Region war die Hoffnung groß, dass nach der Bohrung das entstandene Loch für ein Geothermie-Kraftwerk genutzt werden kann.

Laut Krauß stehen Kosten und Nutzen für das Forschungsprojekt jedoch in "keinem vernünftigen Verhältnis". Auch das Gelände der alten Polizeischule sei nicht optimal, da es dort Hinterlassenschaften aus dem Altbergbau gebe. Ähnlich äußert sich die BGR, die von schwer beherrschbaren geologischen Verhältnissen und nicht kalkulierbaren Risiken durch den Altbergbau spricht. Peter Gerling, Projektleiter für das Vorprojekt bei der BGR, erklärt: "Direkt an den Bohrplatz grenzen alte Stollen der Wismut, die die Standsicherheit der Bauanlage gefährden könnten." Weil zudem nicht bis auf den Meter genau klar sei, wo unterirdisch die Störungszone verläuft, bestehe etwa das Risiko, dass sich das Projekt weiter verteuert hätte. Peter Gerling spricht von Kosten von gut 40 Millionen Euro, die der Bund letztlich nicht bereit war, zu tragen. Weitere Millionen Euro hätte den Freistaat Sachsen das Herrichten des Bohrplatzes gekostet.

OB Heinrich Kohl nennt die Ablehnungsgründe wiederum "fadenscheinig". Dass es auf dem Areal etwa Bergbau-Hinterlassenschaften gibt, sei schon immer bekannt gewesen. "Bisher hieß es, dass man genau wegen der Wismut-Aktivitäten das Areal erkundet." Den Schaden für die Region durch das geplatzte Forschungsvorhaben schätzt er gering ein, spricht aber von einer entgangenen Chance.

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4Kommentare
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    Nixnuzz
    08.09.2019

    Ist schon was irre: Fabriken oder Firmen ohne Markt müssen geschlossen werden - Energielieferanten kommen garnicht erst ans laufen. Ist das wirklich totgerechnet worden oder stehen da andere Interessen dahinter? Wie lange könnte bei leichter Pflege bei Langzeitauslegung so ein Kraftwerk selber laufen? Und welche "Gemein-Kosten künstlicher Natur" würden draufgenagelt?? Großflächen-Einspeisungsverhinderungssteuern wie bei der Solartechnik? Wo könnte man 40-Fuß-Container - gefüllt mit Akkus - auf Staatsgrund neben Stromleitungen hinstellen und ins Netz schalten?

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    FromtheWastelands
    08.09.2019

    Die Einstellung des Projekts ist ärgerlich und in der Tat eine vertane Chance, auch wenn die Gründe nachvollziehbar scheinen.
    Bliebe die Frage zu klären warum man einen Standort wählt von dem man vorher weiß das er durch Bergbaualtlasten und anderen Gründen sich gar nicht eignet.

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    JochenV
    07.09.2019

    Ausgerechnet wegen der 50MioEUR Aufwand ist Ihnen die Einstellung des Geothermie-Projekts "verständlich", Herr Alexander Krauß ? Von den Kosten für Rüstung/"Verteidigung" vor dem Hintergrund der vielen neuen Bw-Plakate will ich noch gar nicht reden ! Für mich wirkt es einfach billig, ausgerechnet beim Geothermie-Projekt quasi quittierend mit den Schultern zu zucken ! Lassen Sie es nur nicht die Greta hören. Und all denen in der GroKo, die behaupten, wir brauchten unbedingt eine CO2-Besteuerung "für's Klima" und gleichzeitig ein dem Klima dienendes Projekt absagen ! Da passt doch 'was net zamm ! Ich hoffe, Sie fegen die Einstellung des Projekts wieder vom Tisch, Herr Krauß !

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    christophdoerffel
    07.09.2019

    Das ist halt die Sache, die die CDU und andere Konservative nicht verstehen. Technische Möglichkeiten für eine rel. saubere Stromerzeugung und -speicherung sind vorhanden. Für die großtechnische wirtschaftliche Nutzung braucht es aber Nachfrage und dafür müssen Kohle- und Atomstrom aus dem Netz genommen werden.

    (Alternativ kann der Staat auch eine Doppelstruktur finanzieren, dann darf man aber nicht über zu hohe Steuern etc. meckern.)

    Das Pumpspeicherwerk in Markersbach hat übrigens das gleiche Problem.



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