Sachsen-AfD setzt auf Tino Chrupalla

Der Bundestagsabgeordnete wurde als Kandidat für den Bundesvorstand nominiert. Bestenfalls soll er Vorsitzender werden.

Dresden.

Die Landtagswahl am 1. September hat dem sächsischen AfD-Landesverband ein Stimmungshoch beschert. Nicht nur, dass das Ergebnis von 27,5 Prozent die AfD zum Oppositionsführer und zur zweitstärksten Kraft gemacht hat. Die sächsische AfD sieht sich seitdem darin bestärkt, beim Bundesparteitag im November Ansprüche stellen zu können. Mindestens ein Mitglied im nächsten Bundesvorstand soll aus dem Freistaat kommen. Und am besten der Görlitzer Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla in exponierter Position.

In der vergangenen Woche hat der AfD-Landessenat - ein Gremium dem neben dem Landesvorstand Vertreter aller Kreisverbände angehören - Chrupalla offiziell als Kandidaten für den Bundesvorstand nominiert, wie unter anderem Chrupalla selbst bestätigt. Schon länger gibt es mehr als nur Spekulationen, dass er sich das Amt des Parteivorsitzenden zutrauen würde. Gemeinsam mit dem aktuellen Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen könnte er demnach eine Doppelspitze bilden.

Geäußert hat sich Chrupalla bislang nicht zu diesen Plänen. Auch nun teilt er auf Anfrage lediglich mit, dass man schauen müsse, "für welche Position" er genau kandidieren werde. Intern ist für viele in der AfD aber klar: An dem 44-Jährigen als Teil einer Doppelspitze führt kein Weg vorbei. Zumal Meuthens Co-Vorsitzender Alexander Gauland dem Vernehmen nach nicht noch einmal antreten möchte.

Hinzu kommt: Im 13-köpfigen Bundesvorstand ist derzeit überhaupt niemand aus Sachsen vertreten. Alexander Gauland wurde zwar 1941 in Chemnitz geboren, floh aber nach dem Abitur in den Westen und machte danach in der Hessen-CDU Karriere, bevor er nach 1990 nach Brandenburg ging.

Die übrigen Vertreter der ostdeutschen Landesverbände stammen bis auf einen allesamt aus dem Westen. Allein deswegen macht sich die sächsische AfD Hoffnung, vielleicht auch ein zweites Mitglied in den Bundesvorstand zu bekommen. Im Gespräch dafür sind die Landtagsabgeordneten Joachim Keiler und Carsten Hütter.

Keiler ist stellvertretender Landesvorsitzender und hat die AfD als Jurist bei dem Rechtsstreit um die gekürzte Landesliste mit vertreten. Hütter gehört als Schatzmeister ebenfalls dem sächsischen Landesvorstand an. Im Gegensatz zu Keiler hat er ein bundespolitisches Netzwerk aufbauen können. Denn Hütter ist Co-Vorsitzender des AfD-Bundeskonvents - einer Art Kleiner Parteitag. Dem Gremium gehören neben dem Bundesschatzmeister und vier weiteren Mitgliedern des Bundesvorstandes 50 Vertreter der Landesverbände an.

Das Hauptaugenmerk liegt allerdings auf Chrupalla. Mit ihm als Co-Vorsitzenden würde der sächsische Landesverband an Bedeutung gewinnen. Das letzte Mal, dass die Sachsen jemanden an der Bundesspitze stellten, ist nicht lange her. Das war zu Zeiten von Frauke Petry, die anschließend im Unfrieden ging. Daran erinnert sich die AfD aber nicht mehr so gern.

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