Dresdner Straße: Mehr Platz für Radler, weniger Spuren für Autos?

Fernbusterminal, neues Gewerbegebiet, verlängerter Bahnsteigtunnel - am Hauptbahnhof wird sich in nächster Zeit einiges verändern. Auch die Meinung der Chemnitzer ist gefragt.

Sonnenberg.

Die Zeit der Vierspurigkeit, sie dürfte zwischen Dresdner Platz und Sachsen-Allee wohl bald der Vergangenheit angehören. Die Stadtverwaltung plant, den dortigen Abschnitt der Dresdner Straße in den kommenden Jahren umzugestalten. Wegen des Baus eines neuen Fernbusterminals, der Verlängerung des Bahnsteigtunnels in Richtung Dresdner Straße und der Anbindung eines neuen Gewerbegebietes auf dem früheren Produktenbahnhof seien ab 2020 dort ohnehin eine Reihe von Arbeiten vonnöten, erläutert Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk. Da sei es nur konsequent, gleich Nägel mit Köpfen zu machen.

Denn die Dresdner Straße gilt Anwohnern wie Stadt- und Verkehrsplanern gleichermaßen seit längerem als Problemfall. Die breite Straße wirkt wie eine Barriere zwischen Stadtzentrum und Sonnenberg und lädt viele Autofahrer dazu ein, schneller zu fahren, als angeraten und erlaubt ist. Für Fußgänger gibt es hingegen nur wenige Möglichkeiten zum Überqueren.


Spielräume für Veränderungen seien durchaus vorhanden, betont Gregorzyk. Denn für den Verkehr, der über den rund 1,5 Kilometer langen Abschnitt für gewöhnlich rollt, wären auch zwei Fahrzeugspuren völlig ausreichend. Wie der dadurch frei werdende Straßenraum gestaltet werden soll, wolle die Stadt bis Jahresende gemeinsam mit den Bürgern beraten.

Dass auch bei der Verkehrsplanung der Teufel oft im Detail steckt und bisweilen um jeden Zentimeter gefeilscht werden muss, davon konnten sich Interessierte bei einem ersten Workshop am Dresdner Platz schon mal überzeugen. Verkehrsplaner Alexander Kirste vom Tiefbauamt hatte dort zwei Teilabschnitte im Modellbahnmaßstab 1:87 nachgestaltet, die von den Teilnehmern neu "beplant" werden konnten. Mit vorbereiteten Gehweg-Streifen, Radwegen, Fahrbahnen, Grünstreifen, Parkplätzen - alles maßstabsgetreu und vorsichtshalber in Mindest- und Regelbreite.

"Mir wäre es wichtig, dass ordentliche Radfahrstreifen angelegt werden", sagte Kai Päßler, einer der Teilnehmer. Er fahre beinahe täglich mit dem Rad über die Dresdner Straße auf Arbeit. "So, wie es jetzt ist, ist es dort manchmal schon ziemlich gefährlich."

Päßlers Anliegen ist bei den Teilnehmern ebenso wenig umstritten wie der Wunsch nach mehr Grün. Stellplätze für Pkw am Straßenrand sind indes weit seltener Thema. Sorge allerdings bereitet einigen, dass es bei einer Reduzierung auf zwei Fahrspuren auf der Dresdner Straße künftig an Bushaltestellen für nachfolgende Fahrzeuge zu ähnlichen Wartezeiten kommen könnte wie aktuell bereits auf der Fürstenstraße.

Alle diskutierten Gestaltungsvorschläge werden laut Tiefbauamtsleiter Gregorzyk nun einem Planungsbüro vorgelegt, auf ihre Umsetzbarkeit hin überprüft und im Herbst nochmals öffentlich vorgestellt. "Ende des Jahres soll es dann eine Lösung geben, die wir weiterverfolgen werden", sagte er.

Ideen und Meinungen zur geplanten Umgestaltung der Dresdner Straße können noch bis 17. Juli online eingebracht werden unter www.chemnitz.de/beteiligung.


Kommentar: Keine Ausreden mehr

Ob die künftige Route der Buslinie 31, die geplante Umgestaltung des Gablenzplatzes oder eben jetzt die Zukunft der Dresdner Straße am Hauptbahnhof: Man kann dem Rathaus kaum vorwerfen, es plane und entscheide stur über die Köpfe der Chemnitzer hinweg. Das aktive Einholen und Abfragen von Ideen, Anregungen, Vorschlägen und mitunter eben auch nicht immer auf Anhieb erkennbaren Bedürfnissen wird allmählich zum Regelfall. Mit der Diskussion am maßstabsgetreuen Modell ist nun ein neues Format hinzugekommen, das nebenbei auch eine Vorstellung davon vermittelt, warum Verkehrsplanung oft ein weit weniger simples Geschäft ist, als es aus Auto- oder Radfahrersicht mitunter scheint. Ob bei derlei Bürgerbeteiligungen am Ende alle Interessen angemessen zur Geltung kommen, das allerdings liegt auch in der Hand der Chemnitzer selbst. Wenn etwa Autofahrer nicht an solchen Runden teilnehmen oder sich anderweitig zu Wort melden, dann dominieren beinahe zwangsläufig andere die Diskussion - und den Tenor der Ergebnisse. Die Ausrede, der Bürger werde ja ohnehin nicht gefragt, zieht dann allerdings nicht mehr.

Bewertung des Artikels: Ø 4.9 Sterne bei 9 Bewertungen
8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    SimpleMan
    06.07.2019

    Aus Richtung Stadtzentrum ist es ziemlich gefährlich in Richtung Sachsenallee mit dem Fahrrad zu fahren, deswegen begrüsse ich einen Radweg entlang der Dresdner Strasse.

  • 2
    0
    Pixelghost
    06.07.2019

    Der Umbau scheint wirklich niemanden zu interessieren. Der Artikel hat es nicht mal auf Facebook geschafft.

    Das Thema ist wohl nicht politisch genug.

  • 5
    1
    Pixelghost
    05.07.2019

    @Interessierte, es scheint ja so zu sein, dass Sie jeden Tag gezwungen sind, mehrfach mit ihrem SUV die Dresdner Straße und den Sonnenberg rauf und runter fahren zu müssen.

    Nachdem ich ab 2005 diese Straßenzüge täglich - manchmal sogar mehrfach und an den Wochenenden - benutzen MUSSTE, ist mir das jetzt echt sch....egal.

    1. Ich habe Zeit, keine Alarmfahrten mehr und stelle mich eben an oder
    2. ich komme eben aus einer anderen Richtung.

    Ich bin nicht der von Zeitdruck getriebene Rentner, wie einige meiner Artgenossen, die bei jedem Einkauf an der Kasse mit den Füßen wippen.

  • 1
    7
    Interessierte
    05.07.2019

    Wo ist denn auf dem Bild 2 der Bahnhof bzw. Liedl ?

  • 1
    8
    Interessierte
    05.07.2019

    "Der Sonnenberg erhält zurzeit Fördergelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Wir sind optimistisch, dass er auch in der nächsten Förderperiode wieder dabei ist", sagte sie. Koch erwartet, dass frühestens ab den Jahren 2015 oder 2016 Geld fließen könnte.
    "Sobald angenehmes Frühlingswetter herrscht, wollen sie bereits erste Fußgängerzählungen durchführen...

    >
    Vielleicht sollte man auch erst einmal eine Radfahrerzählung durchführen , bevor man hier einen Radewg baut , denn z.Z. kommt da mal ein Einzelner gefahren , der den Berg nach Hilbersdorf / Dresdner Straße hinauf will ...

    https://www.freiepresse.de/chemnitz/stadt-will-magistrale-des-sonnenbergs-attraktiver-machen-artikel8305702

  • 0
    8
    Interessierte
    05.07.2019

    In dem Zusammenhang wird wohl auch das Schlößchen mal mit saniert ?
    https://www.freiepresse.de/chemnitz/grosser-betrueger-oder-gescheiterter-idealist-artikel8186226.

    Lebt der Mann überhaupt noch ?
    https://www.freiepresse.de/chemnitz/neue-plaene-fuer-haeuser-von-insolventem-sanierer-artikel8153425

    Sonnenberg. Die Stadt ist bereit, die Hainstraße aufzuwerten ...
    https://www.freiepresse.de/chemnitz/stadt-will-magistrale-des-sonnenbergs-attraktiver-machen-artikel8305702

    Ein Projekt, das nach Meinung von Ludwig und Ulbig in seiner Kombination von Aufwertung und Abriss beispielgebend ist und eine Möglichkeit, um einen zentrumsnahen, dicht bebauten Stadtteil attraktiver zu machen.
    https://www.freiepresse.de/chemnitz/ein-minister-am-sonnenberg-artikel7698682

  • 0
    9
    Interessierte
    05.07.2019

    Ich rege mich nicht mehr auf , ich habe keine Lust mehr ……….
    Aber ich finde es interessant , dass sich die Katharina Weyandt mal mit einbringt .
    Und wann wird das vor Jahren entwickelte "Projekt Hainstraße" mal mit verwirklicht , das ist die alllllllerschlimmste und dreckigste Straße in Chemnitz

  • 4
    10
    Angerbachtiger
    05.07.2019

    Wie kann es sein, dass dieser Straßenabschnitt den Sonnenberg vom Stadtzentrum abschneidet? Über die gesamte Länge dieses Straßenabschnitts verläuft das Gelände des Hauptbahnhofs. Und das völlig verwahrlost. Um eine Nähe zum Stadtzentrum herzustellen, müsste auch der HBF verschwinden. Mit der Möglichkeit vom Herumschieben von Radwegen sehe keinen sinnvollen Bürgerdialog. Vielmehr werden die Bürger der Stadt, wie schon so oft, vor vollendete Tatsachen gestellt. Eine Instandhaltung einer vierspurigen Straße kostet natürlich mehr Geld. Oder stellt sich die Stadtverwaltung schon auf den geringeren Autoverkehr ein, da sich in 10 Jahren nur noch wenige Bürger ein E-Auto leisten können oder wollen?
    Die Verbannung des Individualverkehrs führt nicht zur Belebung der Innenstadt.
    Das Ladensterben hat schon begonnen (Tietz, Xquisit etc.).
    Wolfgang Becker



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