Ludwig: Ich hatte Angst um die Stadt

Die Oberbürgermeisterin zur Kritik an ihrer Person, warum sie bei der ersten Kundgebung im Rathaus blieb und zum Chemnitz-Bild nach außen

Das Tötungsverbrechen an einem 35-Jährigen und die Ausschreitungen im Anschluss haben die Stadt verändert. Mandy Fischer sprach mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig über den schwarzen Sonntag von Chemnitz, die Tage danach; darüber, wie sie die Chemnitzer wieder zusammenführen will und ob sich eine Kulturhauptstadt-Bewerbung jetzt noch lohnt.

Freie Presse: Am 26. August, dem Sonntag, als der 35-jährige Daniel H. in der Innenstadt mit Messerstichen tödlich verletzt wurde, fand sieben Stunden später anlässlich des Stadtjubiläums ein ökumenischer Gottesdienst statt. Sie haben dort gesprochen, ohne auf die Gewalttat einzugehen. Weshalb hielten Sie an Ihrer vorbereiteten Rede fest?

Barbara Ludwig: Weil ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht gewusst habe, was passiert war. Ich hatte am frühen Morgen Nachrichtenportale gelesen, sie berichteten noch nicht darüber. Hätte ich davon gewusst, hätte ich meinen Text so nie sagen können. Auch all jene, die den Gottesdienst gestalteten, hatten offensichtlich keine Kenntnis.

Wann hat Sie die Polizei über das Gewaltverbrechen informiert?

11.30 Uhr erhielt ich von Herrn Uhle (Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung CWE und Stadtfest-Veranstalter, Anm. d. Red.) einen Anruf, in dem er mich über ein Tötungsdelikt am Rande des Stadtfestes informierte. Die Polizei hat sich an mich nicht gewandt. Es gibt immer einen diensthabenden Bürgermeister, der in außergewöhnlichen Lagen, wie bei Brandereignissen, informiert wird. Straftaten, für deren Verfolgung allein die Polizei zuständig ist, gehören nicht dazu. Um einen Tag versetzt erhalte ich einen Polizeibericht zu den Straftaten im Stadtgebiet.

Wäre es nicht besser gewesen, Sie früher zu informieren?

Ja. Das muss eine Konsequenz sein, dass Oberbürgermeister, Bürgermeister, Landräte in Zukunft frühzeitig informiert werden, wenn es um besondere Ereignisse, wie Straftaten gegen Leib und Leben oder welche, die eine hohe Betroffenheit auslösen können, geht. Dann sind oft schnelle Entscheidungen notwendig. In Köthen war dafür bereits die nötige Sensibilität nach den Ereignissen in Chemnitz vorhanden.

In der ersten Stellungnahme zum Abbruch des Stadtfestes haben Sie keine Worte der Trauer, des Mitgefühls für die Angehörigen gefunden. Weshalb nicht?

In dem ersten Pressegespräch, das ich selbst veranlasst hatte, habe ich gesagt, dass ein Gewaltverbrechen immer etwas Schlimmes ist, egal unter welchen Umständen es passiert. Weitergehend habe ich mich nicht geäußert, weil ich zu dieser Zeit - es war 19 Uhr -, über Opfer und Täter nur wusste, was in der Polizei-Pressemitteilung stand. Alle Statements ab Montag habe ich mit Worten der Anteilnahme für die Familie begonnen. Tötungsdelikte kommen leider vor, glücklicherweise selten. In Chemnitz war es zuletzt das Tötungsverbrechen an einer Prostituierten, was öffentlich große Beachtung fand. Es ist nicht üblich, dass sich eine Oberbürgermeisterin zu schweren Straftaten äußert, weil oft die Umstände der Tat unklar sind.

Wo sind Sie an dem Montag gewesen, als Pro Chemnitz und Chemnitz nazifrei in der Stadt demonstrierten?

Im Rathaus. Unter anderem habe ich mich mit Fraktionsvorsitzenden ausgetauscht und die Stadtratssitzung vorbereitet. Ich stand mit der Einsatzleitung in Verbindung, in der Hoffnung, dass die Demonstrationen friedlich bleiben und die Gruppen soweit voneinander getrennt werden können, dass die Sicherheit gewährleistet ist. Außerdem gab es viele Anrufe, die ich bis abends, von zu Hause aus, beantwortet habe.

Warum waren Sie nicht auf der Straße?

Ich hatte entschieden, an dem Montag nicht auf der Straße zu sein.

Warum nicht? Viele Chemnitzer hätten erwartet, dass Sie nach dem schwarzen Sonntag für die Stadt rausgehen und mit den Leuten reden.

Die Situation war so angespannt, dass man nicht hätte in Ruhe ins Gespräch kommen können. In der Woche war ich dann sehr viel unterwegs, bin präsent gewesen, obwohl das manchmal schwer war.

Hätte nicht schon am Montag vor einer Woche die bürgerliche Mitte auf der Straße stehen müssen, so wie es am Wochenende darauf der Fall war?

Mein Eindruck war, dass viele fassungslos beobachtet haben, was da passiert ist, und zu sich finden mussten. Inzwischen gibt es viele Initiativen. Und die Initiatoren haben alle nicht gesagt: Wir müssten etwas tun. Sie haben gesagt: Wir tun etwas. Das ist ein starkes Zeichen. Es gibt viele, die diese Ereignisse nicht auf sich sitzen lassen wollen. Die Stadt sind alle, die sich hier engagieren, und nicht diejenigen, die am lautesten rufen.

Viele Chemnitzer hätten von Ihnen erwartet, dass Sie voran gehen, schneller klarere Worte als Stadtoberhaupt finden. Wie bewerten Sie die Kritik?

Die Einschätzung muss ich respektieren. Ich hatte in diesen Tagen viele Entscheidungen, Abwägungen zu treffen. Die Stadt war im Ausnahmezustand, emotional, aber auch die Sicherheit betreffend. Ich stand seit dem Sonntag nicht nur unter dem Eindruck der Gewalttat und der zum Teil übergriffigen Demonstrationen. Haltung und der Blick nach vorn sind da genauso gefragt wie starke Nerven und Empathie. Und eben die öffentliche Präsenz. Diese habe ich gezeigt. Und immer klare Worte gefunden. Trotzdem ist mir bewusst, dass diese nicht bei allen angekommen sind.

Hat Ihr Krisenmanagement funktioniert?

In so einer Situation war die Stadt noch nie. Auf so eine Situation konnte Chemnitz sich nicht vorbereiten. Es ging zuerst darum, die Sicherheit wiederherzustellen. Das ist mit jedem Tag besser gelungen. Die Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass die Polizei in der Lage ist, auch in einer besonderen Situation die Einwohner zu beschützen. Das Zweite war die Frage, was jetzt zu tun ist. Mir war klar, dass die Meinungen in der Stadt sehr weit auseinandergehen zwischen denen, die bei den rechten Demonstrationen mitgelaufen sind, aber sagen, dass sie nicht rechts sind, und den verunsicherten Menschen, die völlig schockiert waren, dass Chemnitzer mitlaufen können, wenn der Hitlergruß gezeigt wird. Jetzt müssen wir es schaffen, dass es nicht noch weiter auseinandergeht. Meine Aufgabe ist es, nicht zu polarisieren, auch wenn das immer wieder erwartet oder interpretiert wird. Deshalb wird es weitere Bürgerdialoge geben. Aber das kann ich nicht allein. Die Stadt sind alle, auch wenn die Oberbürgermeisterin an der Spitze steht und sich nicht wegducken kann.

Als Sie die Bilder von den Ausschreitungen gesehen haben, hatten Sie da Angst um Ihre Stadt?

Ja, ich hatte auch Angst, weil ich nicht wusste, wozu das noch führen würde. Ich hatte das Gefühl, da tut sich ein Graben auf, und mich gefragt, was verschwindet darin alles, was wir geschafft haben? Wir hatten einen tollen Sommer mit Hutfestival, Parksommer, Weinfest, Begehungen. Mit einem Mal drohte vieles in diesem Graben zu verschwinden, und ich wusste nicht, was alles. Das kann ich auch jetzt nicht sagen. Die Frage ist, wie wir den Graben wieder schließen können. Das wird nicht einfach. Es braucht viele, die das wollen.

Als Ministerpräsident Michael Kretschmer zum Sachsengespräch ins Stadion eingeladen hatte, galt ein Großteil der Buhrufe Ihnen. Haben Sie das erwartet?

Ja. Die Wut wollte irgendwohin. Das muss ich aushalten. Gut war, dass wir trotzdem noch ins Gespräch gekommen sind. Aber es kann nur ein Anfang sein. Es reicht nicht, dass man mal miteinander redet - und dann ist gut. Deshalb erwarte ich auch vom Freistaat Antworten, wie wir die Stadt sicherer machen. Aber auch wir sind gefordert, zum Beispiel mit dem Stadtordnungsdienst. Außerdem sollen die Bürger stärker mitreden können, was wir konkret tun können, um zum Beispiel das Sicherheitsgefühl zu stärken. Deshalb gibt es den nächsten Bürgerdialog am 17. September zum Thema: Wie sicher ist Chemnitz.

Ist Chemnitz in den Medien aus Ihrer Sicht zu schlecht dargestellt worden?

Vorher gab es in überregionalen Medien kaum Bilder über die Stadt. Man interessiert sich nicht für Chemnitz. Wenn ich in einem Nebensatz erwähne, dass wir die drittgrößte ostdeutsche Stadt sind - wenn Berlin als Bundesland gilt -, dann schaue ich in erstaunte, leere Augen. Auch wenn ich darüber berichte, wie sich die Lebensqualität verbessert hat. Ich bin auf völlig uninformierte und meist desinteressierte Journalisten getroffen, die nur an diesem einen Thema interessiert sind, nämlich dass hier Rechtsradikale auf der Straße waren. Das finde ich nicht in Ordnung.

Wie lange wird es brauchen, bis der Imageschaden für Chemnitz repariert ist?

Das ist für mich nicht das erste Thema. Uns muss es jetzt gelingen, Vertrauen wiederherzustellen. Bei den Menschen, die das Land mitaufgebaut haben und jetzt enttäuscht sind, weil sie sich nicht gehört fühlen. Das Bild von Chemnitz nach außen zu verändern, wird erst gelingen, wenn die Stadt zur Ruhe gekommen ist, nicht zu einer trügerischen Ruhe, aber wenn der Ausnahmezustand vorbei ist. Wenn die ausgleichenden Töne lauter werden, ist die Zeit gekommen zu sagen: Schaut auf diese Stadt. Aber erst braucht es die Initiative und das Bekenntnis vieler Bürger für ihr Chemnitz. So wie am Freitag auf dem Theaterplatz.

Die Wirtschaft wird nicht so viel Zeit haben. Unternehmen fürchten schon jetzt, dass sich die Fernsehbilder, der Ruf der Stadt sofort auf ihr Geschäft auswirkt.

Deshalb ist es genau richtig, dass sich die Unternehmen melden und die Kampagne "Chemnitz ist weder grau noch braun" gestartet haben. Sie sind international aufgestellt und können den Chemnitzern sagen: Überlegt euch, wenn ihr mit Rechtsradikalen auf die Straße geht, was ihr damit anrichtet. Wir haben steigende Einkommens- und Gewerbesteuern. Aber jetzt sind wir dabei, unsere eigene Basis, unsere eigene Wertschöpfung zu untergraben. Je mehr sich äußern, dass sie das nicht sind, was gerade nach außen vermittelt wird, um so schneller geht es, das Bild von Chemnitz wieder geradezurücken.

Sind das die schwersten Tage Ihrer Amtszeit?

Ja.

Haben Sie Kontakt zur Familie des Opfers bzw. zu den bei der Messerattacke verletzten Männern?

Zum Schutz der Privatsphäre und der Anonymität der Familie möchte ich dazu jetzt nichts sagen.

Wird es wieder ein Stadtfest geben, wie wir es kennen?

Es wird wieder ein Stadtfest geben. Aber in welcher Form, kann ich heute noch nicht sagen. Ich bin mir sicher, dass die Ereignisse in diesem Jahr Auswirkungen haben werden.

Was wird aus der Chemnitzer Kulturhauptstadt-Bewerbung?

Was wir erlebt haben, ist leider auch Europa. Man kann in viele Länder schauen, Rechtspopulismus bis hin zu Rechtsradikalismus nehmen zu. Und die Frage der Migration nach Europa treibt viele um. Chemnitz ist nur ein weiteres Beispiel dafür. Insofern ist es auch ein europäisches Thema, das wir im Rahmen der Kulturhauptstadt-Bewerbung mit bearbeiten müssen.

Was wollen Sie Bundeskanzlerin Angela Merkel sagen, wenn sie nach Chemnitz kommt?

Der Grund der Einladung ist, im Gespräch zu bleiben. Wir haben seit 2015 Einwohnerversammlungen zum Thema Migration, Unterbringung von Flüchtlingen organisiert. Seither gibt es einen großen Gesprächsbedarf. Die Chemnitzer sollen die Chance haben, mit der Bundeskanzlerin zu reden - diejenigen, die reden wollen. Wer nur brüllt, der will nicht reden.


Barbara Ludwig

Die heute 56-Jährige ist 2006 erstmals zur Oberbürgermeisterin gewählt und 2013 im zweiten Wahlgang im Amt bestätigt worden. Vorher saßsie als Mitglied der SPD, der sie seit 1991 angehört, im Sächsischen Landtag. 2001 bis 2004 hatte Ludwig in Chemnitz das Amt der Sozial- und Kulturbürgermeisterin inne, bevor sie zur Kunst- und Wissenschaftsministerin des Freistaates berufen wurde.

Die studierte Pädagogin arbeitete zunächst als Erzieherin und Lehrerin, gründete 1990 das Chemnitzer Schulmodell mit, an dem sie bis 1994 lehrte. Danach ging sie in die Politik. Ludwig wurde in Karl-Marx-Stadt geboren und hat eine Tochter. (dy)

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 10 Bewertungen
13Kommentare
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  • 4
    3
    BlackSheep
    13.09.2018

    @submain, ist wohl einfacher Menschen die sich Sorgen machen als dumm hinzustellen, als sich mit den Sorgen zu beschäftigen?

  • 4
    3
    Steuerzahler
    13.09.2018

    @submain: „Das ist eine selbstgeschürte Angst, die sich in den Köpfen festsetzt hat und schwer wieder los wird.“ O je, das sieht ja schon nach Gedächtnisverlust aus! Immerhin scheinen Sie zu vergessen, was in der vergangenen Zeit in Chemnitz, und speziell im Stadtzentrum los war. Der letzte Höhepunkt war ein Mord mit zwei weiteren Körperverletzungen. Der Anteil ausländischer TV lag bei deutlich über 40%, was sogar einen Videotexteintrag wert war. Alles kein Grund für Resentiments. Wer kümmert sich um die Geschädigten? Haben Sie etwas von den beiden Schwerverletzten gehört in letzter Zeit?

  • 3
    7
    submain
    12.09.2018

    Ich find es auch komisch, dass soviel Menschen auf das Thema Angst so sensibel reagieren. Ist das eine Angst vor Menschen, die anders aussehen, eine andere Sprache sprechen und aus einem anderen Land kommen? Oder ist das Angst, weil in der Stadt nur noch Angst und Schrecken verbreitet wird?

    Ich denke, ersteres ist der Fall... Das ist eine selbstgeschürte Angst, die sich in den Köpfen festsetzt hat und schwer wieder los wird. Die Angst um die eigene Zukunft, hat sich zur Angst vor Menschen gewandelt.

    Ich finde es vernünftig, dass in der jetzigen Situation nicht über polititsche Konsequenzen in der Stadt gesprochen wird. Weil, das letzte was die Stadt jetzt braucht ist, jemand auf den Chefsessel zu setzen, der sich entweder durch Propaganda hervorhebt und diese Situation ausschließlich zu seinen eigenen Gunsten nutzt oder jemanden der keinerlei Bezug zu der Stadt hat.

    Klar, hat die Oberbürgermeisterin in den ersten zwei, drei Tagen Fehler gemacht. Klar ist auch, dass sie hätte im Nachhinein anders handeln müssen. Aber wie sie schon sagte, diese Situation ist für eine Stadt wie Chemnitz, absolut neu und hat es in diesem Ausmaß auch noch nicht gegeben. Dementsprechend lag dafür auch kein Handlungs- und Notfallplan vor. Chemnitz ist nunmal nicht Berlin, Hamburg oder München. Wenn sogar eine Weltstadt wie Köln, in Ausnahmesituationen (Silvesternacht) macht- und hilflos ist, dann ist es nicht verwunderlich, wie es in Chemnitz die ersten beiden Tage abgelaufen ist. Das wäre sicherlich woanders genauso gewesen. Umso besser und wichtiger ist es, aus den Fehlern zu lernen, Konsequenzen daraus zu ziehen um in der Zukunft bei sowas besser darauf vorbereitet zu sein und reagieren zu können.

    Die OB wirkte zwar in der Ausnahmewoche ziemlich macht- und hilflos, aber im nachhinein muss ich sagen, dass Sie alles in Ihrer Macht stehende getan hat, damit wieder Normalität einkehrt. Vorallem wenn man sieht, was das für politische Kreise bis ganz nach Oben gezogen und die Regierung scheinbar noch immer keine Antwort darauf gefunden hat, dann ist es umso bemerkenswerter, wie die "Stadt" jetzt darum bemüht ist, ihr Bild wieder zurecht zu rücken.

    Und wie sie ja gesagt hat, vorher hat sich für Chemnitz außerhalb Sachsens niemand interessiert. Für die Medien und Presse waren wir eine graue Maus, über die es nichts (weder positiv noch negativ) zu berichten gibt. Vieles gute und einzigartige hat außerhalb niemanden interessiert. Das einzige wo gelegentlich öffentliche Aufmerksamkeit erhielt, sind die Kunstsammlungen gewesen. Naja, und mittlerweile auch Kraftklub, auch wenn die Band viele Antipatien hat, muss man ihr aber auch dankbar sein, dass die immer zu Chemnitz gehalten und diese Stadt nicht verlassen haben.

    Doch dann auf einmal wurde fast zwei Wochen ununterbrochen von dieser Stadt berichtet. Hier waren soviel Medienanstalten und Pressevertreter wie es gerade mal bei internationalen Großereignissen der Fall ist. Leider war der Anlass alles andere als toll und aus unserem nicht vorhandenen Weltbild wurde in ein negatives Bild. Unsere Stadt kennt jetzt jeder, sogar CNN haben ständig aus Chemnitz berichtet. Diese Situation muss jetzt genutzt werden, das Bild umzudrehen um in die Welt postives zu senden. Die Augen werden weiterhin auf uns gerichtet sein und das sollte für die Zukunft zum Vorteil genutzt werden. Nicht ohne Grund hat der Vorsitzende irgendeines Vereins, der über die Vergabe der Kulturhauptstadt mit entscheidet, gesagt, dass gerade jetzt ein Bild in die Welt gesendet werden kann, was die Chancen auf die Ausrichtung dieses "Events" erhöht.

    Auch wenn es sich ziemlich makaber anhört, ist an dieser Aussage auch viel glaubwürdiges dran. Weil es ja gerade jetzt, noch nie so einfach war, aus dieser Stadt was in die Welt zu senden.

    Jeder Chemnitzer, der zu seiner Heimat steht, sollte wenigstens einen kleinen Teil dazu beitragen, aus dieser grauen Maus, eine anerkannte, positive, berichtenswerte Stadt zu machen. Auch wenn es nur im Urlaub bei einem Gespräch mit Nicht-Chemnitzern ist, indem man denen erzählt, wie die Stadt wirklich ist.

    Ich glaub mittlerweile haben auch viele begriffen, die Anfang vorletzter Woche noch bei der AfD/Pegida und Pro-Chemnitz mitgelaufen sind, dass man da ausschließlich die rechten Gruppierungen und Nationalsozialisten unterstützt und die eigentlich Anliegen und Sorgen überhaupt nicht wahrgenommen werden. Das gerade mal 2.500 bei der letzten Pro-Chemnitz Kundgebung waren, ist schonmal ein gutes Zeichen.

    Die Worte, wer rechtsradikalen Gruppen und bekennenden Nazis hinterherläuft, ist auch einer von denen, hat sicher viele zum Nachdenken gebracht. Auch wenn es Anfangs wehement abgestritten wurde. Aber so ist es nunmal...
    Ist genau das selbe, wenn man auf Gegenveranstaltungen geht, wo die Hälfte aus linksradikalen Aktivisten besteht. Egal ob Antifa oder Rechtsradikal, beide Gruppen lehnen die Demokratie und den Rechtsstaat ab.

  • 5
    6
    cn3boj00
    11.09.2018

    @Steuerzahler: ich glaube, Daniel hätte nichts gegen Feiern für Liebe und Frieden, im Gegensatz zuKohlmann-Demos.
    Und es ist gut so, dass sich Normalität einstellt. Wer erwartet, dass nun jede Woche 50000 durch die Stadt ziehen hat wohl wenig Realitätssinn.

    Was ich vergessen hatte zu sagen: Es ist schade dass Frau Fischer die OB nicht auf politische Verantwortung angesprochen hat, z.B. wegen des Versagens der Ausländerbehörde. So etwas gehört auch zur Aufarbeitung, wenn man Menschen überzeugen will, dass ein Mitmarschieren mit Chaoten keine Lösung ist.

  • 8
    7
    cn3boj00
    11.09.2018

    @Pixelghost: danke für die Aufklärung. Auch wenn man die meisten ja irgendwie "kennt" kann ich mir so was nicht merken. Na dann kennt er sich ja offenbar bestens aus, wie hier die nackte Furcht umgeht!
    Übrigens, ich bin auch kein direkter Chemnitzer, wohne 500m von der Flurgrenze entfernt, und ein Verwaltungsakt hat daher befohlen, dass meine Herrschaft in Zwickau residiert, ohne Rücksicht, dass wir uns als Chemnitzer fühlen und hier arbeiten und einkaufen, ins Kino, ins Theater, ins Museum, zum Arzt gehen, wir gehen über die Zenti und im Dunkel durch den Stadthallenpark, sogar durch den Park der OdF bin ich neulich erst gegangen. Okay, früher war der nachts menschenleer, jetzt sitzen da welche rum, beides ist nicht toll. Und ich gebe zu, dass ich mir wünsche, dass es Polizisten gäbe, die da auch zu Fuß ab und zu vorbeikommen. Aber von "ständiger Angst Tag und Nacht" bin ich sehr weit entfernt, und viele Chemnitzer wohl auch.

  • 6
    10
    Blackadder
    11.09.2018

    @aussaugerges: Ich lese gerade, dass nächste Woche die Gruppa Karl-Marx-Stadt am Nischel spielt. Die singen auf russisch und machen richtig Spaß. Das wär doch mal was für Sie. Kommen Sie doch mal nach Chemnitz.

  • 13
    6
    Hankman
    11.09.2018

    @Aussaugerges: Ich habe keine Angst, mich im Stadtzentrum zu bewegen, auch nicht am späten Abend. Und Veranstaltungen wie Weinfest, Bierfest, Stadtfest und die Konzerte mit Kraftklub, den Hosen u. a. sowie Kino und Konzerte auf dem Theaterplatz zeigen mir auch, dass die Behauptung, alle hätten furchtbare Angst und trauten sich nicht mehr in die Stadtmitte, völlig haltlos und bloße Propaganda ist. Was keine Propaganda ist: Ja, wir haben Ecken im Stadtzentrum, in denen man sich unwohl/unsicher fühlt. Es gibt Ecken, da werden Drogen vertickt - und dort besteht die Gefahr heftiger Gewalttaten. Und es gibt leider In- und Ausländer, die sich im Stadtzentrum völlig danebenbenehmen. Und, ja, wer als Flüchtling mehrfach erhebliche Straftaten begeht, muss (bei aller Menschlichkeit) das Land verlassen - egal, wie es in der Heimat aussieht. Das sind Sachen, die Politik und Behörden endlich offensiv angehen müssen, damit uns der Laden hier nicht irgendwann um die Ohren fliegt. Das erwartet die große Mehrheit der Chemnitzer. Was jedoch überhaupt nicht weiterhilft, ist Propaganda nach dem Motto "Alle haben nur noch Angst", "Alles wird immer schlimmer" usw. Das ist Schwachsinn. Da kochen Rechtsextremisten und Rechtspopulisten ihr ideologisches Süppchen auf Kosten der Stadt. Und vor allem verbitte ich mir mit Nachdruck, dass mir Auswärtige - ob nun Politiker, Aktivisten oder Journalisten - erzählen, wie es hier sei und wie es sich hier im Stadtzentrum angeblich anfühlt.

  • 16
    12
    Steuerzahler
    11.09.2018

    @Blackadder: Das bringt uns ungeheuer weiter, wenn wir Chemnitz international vergleichen! Die Chemnitzer spüren die Veränderung in ihrer Stadt. Und die letzten Zahlen waren mehr als eindeutig mit über 40% ausländischer Täter. Ja und dass Sie gestern Abend keine Angst hatten, das kann man verstehen. Bei den paar Leuten und der Polizei. Sogar Zöllner hat sich aufgeregt, dass so wenig gekommen sind. Es war eben nicht Kraftklub und Fischfilet! Vielleicht hatten aber auch einige so viel Anstand, nicht in unmittelbarer Nähe des Tatortes zu feiern.

  • 7
    11
    Pixelghost
    11.09.2018

    @cn3bj00, ‚aussaugerges‘ ist kein Chemnitzer.

  • 25
    11
    cn3boj00
    11.09.2018

    @aussaugerges, ich gebe Ihnen insoweit recht, dass sie das Thema Ausländerkriminalität und die Frage, ob Herr Runkel seiner Verantwortung gerecht geworden ist, offen ansprechen muss.
    Warum aber beim Gottesdienst niemand auf das Verbrechen eingegangen ist hat sie erklärt, was reiten Sie denn da darauf herum! Und dieses dauernde Angstgeschüre ist einfach nur nervig. Wie halten Sie das in dieser Stadt bloß aus? Mindestens 98% der BÜRGER sind nicht vor Angst auf die Straße gegengen. Wenn überhaupt hatten die wohl eher Angst vor Chaoten.

  • 15
    26
    aussaugerges
    11.09.2018

    Sie ist beim Gottesdienst nach der Tat nicht darauf eingegangen.

    Ungeheuerlier Akt der Ignoranz.

  • 21
    25
    Blackadder
    11.09.2018

    @aussaugerges: Wenn man trotz international vergleichsweise niedriger Verbrechenszahlen Tag und Nacht in ständiger Angst lebt, sollte man einen Arzt aufsuchen, denn das ist nicht normal.

    Ich konnte gestern Abend am Nischel beim Konzert auch nicht erkennen, dass diese Menschen dort in Angst und Panik waren - und das mitten in der Innenstadt im Dunkeln so nah am Stadthallenpark. Boah, wie das überlebt wurde, unglaublich!

  • 19
    22
    aussaugerges
    11.09.2018

    Was ist mit den BÜRGERN die in ständiger Angst sind,Tag und Nacht .



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