Kein Plan B für den B-Plan in Oberlosa

Eisiges Klima und heiße Debatte: Der OB lässt den Stadtrat über die Industriepläne entscheiden. Betroffene drohen, vor Gericht zu ziehen.

Oberlosa.

Leere Gesichter, Erschöpfung, Enttäuschung: Nach drei Stunden ist am Samstag, 14 Uhr die Einwohnerversammlung zur umstrittenen Erweiterung des Industrie- und Gewerbestandortes Oberlosa zu Ende gegangen. Doch eine Annäherung zwischen den Vertretern der Stadt Plauen und den Bewohnern im Ortsteil ist weiterhin nicht in Sicht. Unter Hinweis auf Aussagen von Betroffenen sagte das Oberlosaer Ortschaftsratsmitglied Mathias Grünert: "Ich gehe davon aus, dass Gerichte entscheiden."

Ralf Oberdorfer warb zu Beginn vor rund 120 Gästen geduldig um Zustimmung für die Pläne in bereits deutlich abgespeckter Form, wie er mehrfach betonte. Die verbliebenen Flächen zwischen A 72 und B 92 seien so weit entfernt, dass es keine Beeinträchtigungen für den Wohnstandort gebe. In seinem Eingangsreferat argumentierte der OB 35 Minuten lang zum Erfordernis des Industrieareals für wirtschaftliche Zukunft und Wohlstand Plauens.


Dabei ging er auch auf jene Nachricht vom vorigen Donnerstag ein, die einen neuen Tiefpunkt im Verhältnis zu Oberlosa markiert. Die Stadt hatte bereits im Mai 2018 der "Abbindung des Knotens" Kulmgasse/Oberlosaer Weg zugestimmt und damit dem Aus für die wichtigste Verbindung zwischen Ober- und Unterlosa. Betroffene fühlen sich hintergangen, die Plauener CDU forderte den Oberbürgermeister zu einer Klarstellung auf.

Plauen, so erläuterte das Stadtoberhaupt vor den Oberlosaern, habe jenen heiklen Punkt aus dem jetzt vorliegenden Bebaungsplan-Beschluss ausgegrenzt, um eine separate Entscheidung zu ermöglichen. Die gehe mit dem dreistreifigen Ausbau der B 92 einher. "Ich lasse Sie nicht allein", versprach Oberdorfer. Die Stadt werde mit streiten für Ersatzlösungen.

Fachlich trat als Oberdorfers Gegenspieler Christian Korndörfer auf, der als Grundstückseigentümer Betroffener ist und zugleich als Umweltamtsleiter der Stadt Dresden Plauens Vertretern auf Augenhöhe begegnet. Korndörfer kritisierte, dass die Stadt drauf los plane und nicht weiß, welches Unternehmen welche Fläche zu welchem Zweck erwerben will.

Das Ausklammern der Kreuzungslösung bezeichnete Korndörfer als Trick und stellte die Gretchenfrage: "Wollen Sie die Vorlage am Dienstag dem Stadtrat vorlegen oder nochmal überarbeiten?" OB Oberdorfer antwortete: "Das Thema steht auf der Tagesordnung." Der Stadtrat, der sich seit Jahren tief eingearbeitet hat, soll auch die Entscheidung treffen.

Dem OB schlug von Beginn an Misstrauen entgegen. Seiner Bitte, die freien Plätze in den vorderen Reihen des Gemeindehauses zu nutzen, kam fast niemand nach. Etliche Bewohner zogen es vor, in dem aufgeheizten Flachbau demonstrativ hinten stehen zu bleiben. Nachdem klar wurde, dass die Stadt den B-Plan so durchbringen will und Oberdorfer kein Kompromissangebot dabei hatte, wurde es noch frostiger.

Der scheidende Ortsvorsteher Ulrich Scheufler sagte: "Das Schreiben hat uns enttäuscht." Immerhin habe der OB in Oberlosa noch seine Beweggründe erklärt.

Einziger Stadtrat, der Farbe bekannte, war Bernd Stubenrauch (SPD). Er verteidigte die Industrie-Pläne und beteuerte, Verwaltung und Stadtrat verfolgten wichtige Ziele. Er rechne mit "großen Auseinandersetzungen" am Dienstag.


Stimmen aus Oberlosa

Göran Schricker, Inhaber des Pferdehofs Schricker: "Die Bürgerbelange sind allenfalls marginal berücksichtigt worden. Die Abbindung des Knotens würde zerstören, was ich in 20 Jahren aufgebaut habe. Wenigstens eine Querung der B 92 brauche ich. (...) Dieser Betrieb ist alles für mich - er wird bedroht von einer Bürokratie, die bekloppte Ausmaße erreicht hat. Aber ich musste schon oft kämpfen und werde kämpfen. Ich bin das Bauernopfer für einen Kompromiss mit dem Lasuv (Landesamt für Straßenbau und Verkehr/Anm. d. Red.)."

Christian Korndörfer, Betroffenerund Fachmann in einer Umweltbehörde: "Die Einwendungen der Bürger wurden gelesen und abgehakt. Sie wurden von der Verwaltung nicht wirklich berücksichtigt." An OB Oberdorfer richtete er die Worte: "Ich bitte Sie inständig, einen Schritt zurück zu machen. Neue Planungen kosten zwei Monate Zeit und vielleicht 20.000 Euro. (...) Auch ein Investor braucht Rechtssicherheit. "

Jan Spranger von der Dorfgemeinschaft Oberlosa: "In meinen Augen wurden Stadtrat und Ortschaftsrat getäuscht."

Petra Tunger: "Das Wissen von Herrn Korndörfer sollte die Stadt für eine gute Lösung nutzen."

Mathias Grünert, Mitglied des Ortschaftsrates: "Das Vertrauen ist verloren gegangen. Für den Ort ist das Gift - und es ist Wasser auf die Mühlen der Populisten."

Peter Rosenmüller: "Wir wollen einen Ausgleich bekommen für den Verlust an Lebensqualität." (ur)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Tauchsieder
    01.07.2019

    Das kommt dabei raus, wenn man von Anfang an die Bürger außen vor lässt. Ob die Einwände der Naturschutzverbände, die dieses Projekt geschlossen ablehnen, oder die der Bürger, die Stadt setzt sich mit dem Ar... drauf. Vielleicht müssen jetzt Gerichte entscheiden. Manchmal bedarf es solch eines Gerichtsbeschluss um die mal wieder zu "erden". Diesbezüglich hat der Landkreis gerade erst eine klägliche Erfahrung machen müssen.
    Man kann davon ausgehen, dass sich die Oberlosaer und nicht nur dort, sich am 1.9. dieses Jahres für diese Gutsherrenmentalität bedanken.



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