Ausländische Wirte in Chemnitz: "Wir müssen stark bleiben"

Nach Angriffen auf Restaurants steigt bei Gastronomen die Angst. Aber nicht nur sie sehen Grund zur Sorge.

Masoud Hashemi tut noch alles weh. Aber er macht weiter. Seit einigen Tagen bedient der Iraner in seinem Restaurant "Safran" wieder die Gäste. Am Abend des 7. Oktober waren drei Männer ins Lokal gekommen, als Hashemi schon mit Putzen beschäftigt war. Sie bewarfen ihn mit Gegenständen und schlugen ihn. Der Überfall dauerte nur wenige Augenblicke. Doch der Wirt musste danach rund eine Woche im Krankenhaus verbringen. Die Täter konnte er kaum beschreiben, denn sie hatten ihre Gesichter unter Motorradhelmen versteckt.

Der Überfall war in sieben Monaten, in denen das Lokal an der Promenadenstraße geöffnet ist, das vierte und dramatischste Ereignis, das die Polizei beschäftigte. Dreimal war das Lokal vorher das Ziel von Sachbeschädigung, unter anderem wurde ein Hakenkreuz an die Fassade geschmiert. Auch aufgrund dieser vorangegangenen Ereignisse hatte das Landeskriminalamt die Ermittlungen des Überfalls übernommen, ein fremdenfeindliches Motiv konnte nicht ausgeschlossen werden. Seit Ende August ist zudem eine Fensterscheibe des persischen Restaurants "Schmetterling" zerstört und der Inhaber des jüdischen Lokals "Schalom" mit Eisenstangen angegriffen und verletzt worden.

Unlängst hat es einen weiteren Anschlag auf ein Restaurant gegeben. In der Nacht zum 18. Oktober haben Unbekannte Feuer im türkischen Restaurant "Mangal" an der Straße der Nationen gelegt. Das Lokal brannte vollständig aus. Auch in diesem Fall ermittelt das Landeskriminalamt und schließt einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus. Über dem Restaurant befinden sich elf Wohnungen, die Brandstifter nahmen in Kauf, die Menschen dort mindestens zu verletzen.

Vom neuesten Anschlag zeigt sich Masoud Hashemi erschüttert. "Ich habe um meine Nachbarn und mein Personal Angst", so der 52-Jährige. Sie würde er gern besser schützen, wisse aber nicht, wie. Trotzdem werde er weitermachen. "Ich habe zu meiner Frau gesagt, dass wir stark bleiben müssen", so Hashemi.

Im Hochhaus, in dem sich das "Safran" befindet, lebt Jürgen Wagler. "Natürlich macht man sich Gedanken", antwortet der 32-Jährige auf die Frage, ob er Angst vor Anschlägen auf das Haus hat. Er habe einen Freund, der direkt über dem "Mangal" wohne. Auch darum habe er das Gefühl, eine Bedrohung komme näher. Er wohne seit zehn Jahren in Chemnitz, habe jetzt aber den Eindruck, "dass alles eskaliert". Ab und an überlege er, ob er in einer anderen Stadt besser leben könnte.

Ein mulmiges Gefühl hat auch die Inhaberin eines asiatischen Restaurants, die ihren Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennt. "Ich habe Angst", sagt sie ganz klar. Sie wolle jetzt Kameras an ihrem Lokal installieren. "Es geht ja um Menschenleben", sagt die 44-Jährige.

Das Prinzip der Kameras hat sich am indischen Restaurant "Bombay Palast" an der Straße der Nationen bereits bewährt. Inhaber Jagjeet Singh sagt, die Reifen seines Autos seien mehrmals zerstochen gewesen und es habe Einbruchsversuche gegeben. Darum habe er Kameras installiert und nachts immer einen Security-Mann am Lokal. Bisher sei es aber um Einbruch, nicht um Brandanschläge gegangen. "Angst ist jetzt schon da", räumt er ein.

Auch Firas Alameer macht sich Sorgen, mahnt aber vor voreiligen Schlüssen, da noch nicht feststeht, wer für den Anschlag gegen das "Mangal" verantwortlich ist. Alameer arbeitet im "Yasmin", einem Imbiss mit syrischen Spezialitäten an der Straße der Nationen. "Ich habe den Nachbarn jetzt meine Telefonnummer gegeben", sagt er. Was er noch tun könnte, wisse er nicht. Kameras? Wer etwas Böses im Schilde führt, könne sich vermummen. Der 40-Jährige sei mit seiner Familie nach Chemnitz gekommen, um ein neues Leben in Sicherheit anzufangen - in Chemnitz, weil Teile seiner Familie bereits lange hier leben. In letzter Zeit fürchte er jedoch, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 10 Bewertungen
13Kommentare
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  • 0
    3
    Hinterfragt
    15.11.2018

    Evtl. sollte man auch in Chemnitz mal in diese Richtung schauen ...?
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/berlin-rigaer-strasse-razzia-nach-ueberfall-auf-spaetkauf-a-1238520.html

  • 7
    6
    weibel72
    24.10.2018

    Bei den Aktionen des NSU war meistens der Verfassungsschutz "zufällig" vor Ort. Ein Schelm wer böses dabei denkt.

  • 6
    2
    Haecker
    24.10.2018

    @Blackadder: Ich glaube Ihnen ja, dass Sie das wissen, dass es nur ein Flüchtigkeitsfehler war (das hätte ich gleich mit schreiben sollen). Aber es schadet nichts, das hier anzusprechen. Ich denke, es ist so manchem nicht ganz klar.

  • 9
    8
    Blackadder
    24.10.2018

    @ Haecker: Genau richtig, aber das müssen Sie nicht mir sagen, sondern den Angreifern, die ja offenkundig der Meinung waren, es gehöre nicht hier her. Ich habe den Begriff nur genutzt, weil ich eine einheitliche Kategorie nutzen wollte, obwohl ich wußte, dass sie nicht wirklich passt. Mir ist einfach auf die Schnelle nichts besseres eingefallen.

  • 15
    3
    Haecker
    24.10.2018

    @Blackadder: Der Überfall auf das "Schalom" am 27.08. ist zwar genauso zu verurteilen, wie die anderen Anschläge - aber das "Schalom" ist kein "ausländisches Restaurant". Uwe Dziuballa ist Deutscher, nicht mal mit Migrationshintergrund. Selbst beim Essen im "Schalom" muss ich von meinem traditionellen Geschmack nur wenige Abstriche machen.

  • 15
    8
    Distelblüte
    24.10.2018

    @Interssierte: Nicht. Schon. Wieder. lassen Sie den Jammer-Ossi bitte in der Mottenkiste. Das ist unwürdig, und noch dazu falsch. Und völlig ab vom Thema.
    Angriffe auf Menschen, ihre Häuser und Autos sind immer furchtbar. Es spielt absolut keine Rolle, in welchem Land der Betroffene geboren wurde. Es geht darum, Solidarität zu zeigen (um einen Begriff zu benutzen, den Sie von früher bestimmt noch kennen).

  • 12
    11
    Blackadder
    24.10.2018

    @Interessierte: Ja aber wen denn nun ganz konkret? Wer will Ihnen was schlechtes tun und warum?

  • 10
    17
    Interessierte
    24.10.2018

    Damit meine ich diese bösen Menschen , die `uns` was Schlechtes tuen wollen ...
    Und ´uns` , das sind wir Sachsen bzw. Ossis , die man seit 3 Jahrzehnten in allen Richtungen ausnimmt und nur schlecht über sie spricht ...
    Der Osten der Osten der Osten ...

  • 11
    13
    Blackadder
    24.10.2018

    @Interessierte : Wer ist denn "man"?

  • 13
    17
    Interessierte
    24.10.2018

    Doch , ich sehe hier ein Muster , man will Chemnitz in die rechte Ecke stellen !!!

  • 18
    13
    Blackadder
    24.10.2018

    @ArndtBremen und Interessierte: Bei 4 Übergriffen auf ausländische Restaurants in 2 Monaten sind Ihre Relativierungen einfach nur schäbig. Wer da kein Muster sieht oder sehen will, ist einfach blind.

  • 12
    13
    Interessierte
    24.10.2018

    Diese Gastwirte haben Angst - und wir Chemnitzer auch , wenn wir durch die Straßen gehen - vor Überfällen oder auch vor Einbrüchen und gelegten Bränden vor oder im Haus …

    Und sind denn das hier -in- Chemnitz auch wirklich ´Chemnitzer`, die diese Angriffe ausüben oder kommen diese Leute von sonst woher , wenn die mit Autos wegfahren -
    ( und Kennzeichen hat sich wohl noch nicht gemerkt wie von dem roten Auto kürzlich ???

  • 12
    12
    ArndtBremen
    24.10.2018

    Ja, die Wirte müssen stark bleiben! Und die vielen Vorverurteiler müssen das Ergebnis der Ermittlungen abwarten.



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