Hobby-Astronomen bereiten sich auf Himmelsspektakel vor

Die längste Mondfinsternis des Jahrhunderts kann am heutigen Freitag beobachtet werden. Ein Chemnitzer richtet seinen Blick seit 50 Jahren gen Himmel. Dazu gebracht hat ihn eine Kinderzeitschrift.

Schloßchemnitz.

Eine warme Sommernacht und aller Voraussicht nach kaum Wolken: Es ist alles vorbereitet für das besondere Himmelsspektakel. Gegen halb neun beginnt eine Mondfinsternis - eine ganz besondere: Exakt 103 Minuten wird der Mond komplett im Schatten der Erde sein. Die Finsternis ist damit die längste, die im 21. Jahrhundert in unserer Region zu beobachten ist.

Das Ereignis ist mit bloßem Auge zu sehen, kann aber auch mithilfe von Fernrohren verfolgt werden. Einige Geräte stellen Mitglieder der Fachgruppe Astronomie am Kosmonautenzentrum auf. Sie geben Besuchern auch Hilfestellung und erklären das Himmelsphänomen. Einer von ihnen ist Jörg Hähnel. Er bezeichnet sich selbst als Hobby-Astronom. Sein Enthusiasmus für die Wissenschaft der Gestirne reiche 50 Jahre zurück, berichtet der Chemnitzer. Als kleiner Junge sei er in der Kinderzeitschrift Frösi auf eine Geschichte des Science-Fiction-Autors Carlos Rasch gestoßen - und hängen geblieben. "Ich habe dann Romane von Rasch gelesen. Da bin ich auf einmal in eine ganz andere Welt eingetaucht", schildert der 62-Jährige. Hähnel las astronomische Jahrbücher, aber auch die Monatsübersichten über Himmelsereignisse in der "Freien Presse". Um das, was im All geschieht, beobachten zu können, brauchte er ein Fernrohr. "Das erste Gerät habe ich mir damals selbst gebaut. Das Objektiv bestand aus Brillengläsern, der Körper aus Sperrholz", erinnert er sich.

Später, als er 17 Jahre alt war, nahm Hähnel Geld in die Hand, um sein Hobby noch besser ausüben zu können: 1500 Mark habe das Fernrohr der Firma Zeiss gekostet, das er sich 1973 leistete. "Andere haben sich für das Geld ein Moped gekauft. Ich habe stattdessen immer alles in optische Ausrüstung gesteckt", sagt der 62-Jährige. Das Gerät mit einer Brennweite von 840 Millimetern nutze er noch heute.

Bei so viel Enthusiasmus liegt doch eigentlich eine berufliche Karriere in der Astronomie nahe. Darüber habe er tatsächlich nachgedacht, sagt Hähnel. Pro Jahr seien in der DDR damals aber nur ein oder zwei Studenten für das Fach Astronomie zugelassen worden. "Da habe ich mir keine Chancen ausgerechnet", so der studierte Informatiker. Er blieb stattdessen Hobby-Astronom, besserte sein Equipment mit Okularen und Filtern auf und trat der 1980 gegründeten "Fachgruppe Astronomie Karl-Marx-Stadt" bei. Die Gruppe trifft sich bis heute alle vier Wochen. Allerdings habe sich die Anzahl der Mitglieder von damals 25 auf heute 12 halbiert, berichtet Hähnel. Das liege unter anderem daran, dass bei einigen früheren Mitgliedern eine falsche Vorstellung von Astronomie vorgeherrscht habe. "Es geht bei uns viel um Mathematik und Physik", erklärt Hähnel. Zudem sei das Sternengucken manchmal mühsam. Himmelsereignisse hätten schließlich feste Zeiten, an die man sich halten müsse. Mitunter sei es auch erforderlich, sein Fernrohr an wechselnden Orten aufzubauen, um einen guten Blick zu haben.

Sein Hauptaugenmerk richtet Hähnel vor allem auf die Beobachtung der Himmelskörper Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und den Mond. Mondfinsternisse habe er schon mehrere beobachtet. "Sie sind eigentlich nicht so spektakulär, aber sehr populär, weil sie jeder sehen kann." Der Freitagabend habe aber dennoch einen Reiz. "Es wird eine besondere Stimmung, die Mondfinsternis gemeinsam mit anderen zu erleben."


Mond durchläuft Schatten der Erde

Bei einer Mondfinsternis liegen Sonne, Erde und Mond auf einer Linie. Der Mond, der die Erde umkreist, taucht in den Schatten, den die von der Sonne angestrahlte Erde wirft. Je nachdem, ob der Mond ganz oder nur teilweise in den Schatten eintaucht, wird zwischen totalen und partiellen Finsternissen unterschieden. In unserer Region beginnt das Ereignis 20.24Uhr und endet 0.19 Uhr. Komplett im Schatten ist der Mond für 103Minuten. Weil durch die Erdatmosphäre Sonnenlicht in dem Schatten gebrochen wird, bleibt der Mond noch schwach sichtbar und leuchtet leicht rötlich. Das hat dem Ereignis den Namen Blutmond eingebracht.

Der Mars wird am heutigen Freitagabend besonders gut zu sehen sein. Das liegt daran, dass er einen geringeren Abstand zur Erde als sonst hat. Er wirkt dadurch groß und hell.

Im Kosmonautenzentrum im Küchwald kann ab 19.30 Uhr die Mondfinsternis beobachtet werden. Vor Ort stehen einige Fernrohre zur Verfügung. Bereits ab 14 Uhr können Gäste per Teleskop auch die Sonne beobachten. Der Eintritt ist frei. (lumm)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...