So könnte das neue Stadtfest aussehen

Nach der Absage in diesem Jahr soll 2020 ein neues Format der Veranstaltung Premiere feiern. Konkrete Vorschläge gibt es bereits.

Wie geht es weiter mit dem Stadtfest? Einen Tag nach der Absage in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen gibt es erste Überlegungen für ein neues Konzept. Dabei mithelfen, nach einer Atempause ein neues Format für die Fete in der City zu finden, sollen das Theater sowie die Chemnitzer Veranstaltungszentren. Das hatte Sören Uhle, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft CWE gleich nach der Absage am Mittwoch angekündigt. Die CWE hat die Stadtfeste bisher organisiert.

"Wir stehen als Kreativpartner zur Verfügung", erklärte der Generalintendant der Städtischen Theater, Christoph Dittrich. Doch man wolle nicht nur Vorschläge für ein neues Fest machen und bei der Planung helfen. Auch der Auftritt von Künstlern, etwa von Balletttänzern und Musikern, sei denkbar, sagte Dittrich. Er betonte gleichzeitig, dass man aus dem Stadtfest kein Theaterfest machen wolle. Es gelte vielmehr, unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bekommen und ein Fest für viele zu gestalten. "Wir müssen an die Riesenradfans ebenso denken wie an die Anhänger der Kleinkunst und an diejenigen, die auf ein Glas Wein zum Stadtfest gehen", skizzierte Dittrich die Anforderungen.


Von "groben Ideen", die es für eine neue Veranstaltung gibt, spricht Ralf Schulze, Geschäftsführer der Chemnitzer Veranstaltungszentren C3. Es sei jedoch noch ein paar Monate zu früh, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Er will in die Planungen die freie Kulturszene der Stadt sowie weitere Kulturschaffende einbeziehen. Vorgesehen sei das neue Format im nächsten Jahr. Ob das Fest auch weiterhin Ende August stattfinden wird, sei jedoch noch nicht festgelegt, sagte Schulze. Es solle aber auch nicht mit dem Hutfestival im Mai und dem Parksommer im Juli kollidieren. Diese beiden Angebote werden von den Veranstaltungszentren organisiert.

Einen Diskurs zum Stadtfest möchte die Chemnitzer Future Werbe- und Deko-Agentur anstoßen, um "neue kreative und innovative Ideen für ein zukünftiges Stadtfest zu finden", erklärt Mitarbeiter Daniel Teich. Dass es diese innovativen Ideen gibt, beweisen städtische Feste wie Hutfestival, Parksommer und Brauereifest, so Teich. Ein Stadtfest abzusagen, sei für die Mitarbeiter der Agentur "kein Ausdruck einer lebendigen Stadt, die sich um den Titel Kulturhauptstadt bewirbt". Sie schlagen stattdessen vor, aus einem "großen Stadtfest eine Stadt der Feste zu etablieren" und künftig dezentrale und kleinere Stadtteilfeste zu organisieren, die auf Sportanlagen, Großparkplätzen oder anderen Freiflächen stattfinden könnten. Dort sollten sich lokale Handwerker, Händler, Schulen und Vereine präsentieren können. Daniel Teich lädt zur Diskussion bei Twitter unter dem Hashtag #StadtfestC ein.

Nach vorn schaut auch das Freiberger Brauhaus, das seit mehreren Jahren das Stadtfest als Sponsor unterstützt. "Wir respektieren die Entscheidung und stehen bereit für etwas Neues", sagte Geschäftsführer Holger Scheich. Man stehe zu Chemnitz und wolle helfen, wo es nötig sei. Die Absage des Stadtfestes sei zwar bedauerlich, aber manchmal sei es notwendig, Dinge zu ändern und zu erneuern, so Scheich. Das Freiberger Brauhaus sehe das Stadtfest nicht nur als Absatzmarkt. "Ein Stadtfest dient dem Zusammenhalt der Einwohner. Dort trifft man Freunde, ehemalige Einwohner kommen zu Besuch, man geht bummeln", sagte Holger Scheich.

Neue Ideen für eine Präsentationsmöglichkeit der Chemnitzer Sportvereine sucht der Stadtsportbund. Bisher konnten sich die Vereine auf der Sportmeile des Stadtfestes vor bis zu 250.000 Besuchern vorstellen. "Es ist natürlich schwierig, eine Veranstaltung mit so vielen Gästen zu finden", sagt Sprecher Ronald Craatz. Es sei schade um die Sportmeile, fügte er hinzu. Doch er sei optimistisch, andere Feste zu finden, bei denen die Sportvereine zum Zuge kommen.

Während viele Akteure bereits an 2020 denken und nach neuen Formaten suchen, gibt es auch weiterhin kritische Stimmen zur Absage des Stadtfestes. Stadtrat und Unternehmer Lars Fassmann sieht darin nicht nur ein falsches Signal, sondern auch "eine weitere Kapitulation der Stadtverwaltung vor kriminellen Ausländern und kriminellen Rechtsradikalen", sagte er am Donnerstag. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, Aufsichtsratsvorsitzende der CWE, hatte betont, dass sie die Entscheidung, auf ein Stadtfest 2019 zu verzichten, mittrage. Fassmann erklärte, dass die Veranstaltung im vergangenen Jahr bis zur Absage friedlich verlaufen sei.

Eine Messerattacke wie die auf Daniel H. hätte auch an jedem anderen Tag passieren können, erklärte er. Ursache der Auseinandersetzung sei nicht das Stadtfest gewesen, sondern die Drogenkriminalität, so der Stadtrat (Vosi/Piraten). Der der Tat verdächtige und auf der Flucht befindliche Iraker soll regelmäßig Drogen genommen haben, hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Doch anstatt sich um dieses Problem zu kümmern, werde das Stadtfest geopfert, sagte Fassmann. CDU-Landtagsabgeordneter Peter Patt spricht von einer "Kapitulation - ganz so, als ob wir die Lage nicht im Griff hätten". Mit der Absage gebe die Stadt allen klein bei, "die drohen und erpressen. Dabei wäre das Fest eine gute Gelegenheit für die Zivilgesellschaft gewesen, um zu zeigen: Wir sind stärker", so Patt. (mit dy)


"Freundliche Begegnungen" und "unkontrollierbare Jugendliche" - Was Chemnitzer über die Fest-Absage denken


 


Monique Petzold, 18, Schülerin: Die Jugendliche sagt, es sei traurig, wenn ein Fest abgesagt wird, das für sie mit vielen positiven Kindheitserinnerungen zusammenhänge. Besonders das Autoscooterfahren mit ihrer Familie sei ihr im Gedächtnis geblieben. Jetzt allerdings wirke es so, "als wenn die Stadt sich selbst nicht mehr steuern kann", sagt die Schülerin des Wirtschaftsgymnasiums. (sasp)


Günter Rudert, 88, Rentner: Der Chemnitzer ist zwiegespalten. Zum einen findet er es schade, dass eine Möglichkeit des Zusammenkommens im Zentrum wegfällt, sagt er. Zum anderen habe er das Stadtfest schon länger nicht mehr besucht. "Abends waren immer viele Jugendliche unterwegs, die zum Teil stark alkoholisiert und unkontrollierbar waren, das hat mich gestört", so der Rentner. (sasp)


Salimia Nidal, 42, Fachverkäuferin: Die Palästinenserin, die seit zwei Jahren in Chemnitz lebt, werde die ausgelassene Stimmung auf dem Fest vermissen, sagt sie. Es sei eine Feier gewesen, die Menschen zusammengebracht habe. "Chemnitz hat ein Problem, aber die Stadt hat auch viele gute Menschen, die mir freundlich begegnet sind - gerade beim Stadtfest", sagt die Mutter eines Sohnes. (sasp)


Hannes Hohmann, 18, Schüler: Der Gymnasiast findet, dass auch ein Stadtfest mit Kontrollen und größerem Polizeiaufgebot einen Besuch wert gewesen wäre. "Das ist heutzutage bei Großveranstaltungen nun mal so", sagt er. Er könne die Entscheidung der Organisatoren aber auch nachvollziehen. "Ich würde nicht wollen, dass Rechtsextreme das Fest als Bühne ausnutzen", so der Schüler. (sasp)


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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    Interessierte
    25.03.2019

    Hier im ersten Beitrag spricht man auch davon …

    Und im zweiten Beitrag geht es für Mitteldeutschland um den Frühling in Chemnitz
    https://www.mdr.de/mediathek/fernsehen/video-284936_zc-7748e51b_zs-1638fa4e.html

    Und hier geht es für Brandenburg um den Frühling in Chemnitz ab 23.min.
    https://www.rbb-online.de/rbbum6/archiv/20190322_1800.html

  • 0
    2
    Interessierte
    25.03.2019

    Das Riesenrad wegzulassen und damit auch die gesamten Fahrgestelle , wäre natürlich auch der erste Schritt , um den Rummel auf der Brückenstraße zu entfernen , vorbereitend schon einmal für die in absehbarer Zeit geplante ´Kompakthaltestelle` für die neuerliche Straßenbahn auf der Brückenstraße

  • 0
    2
    Interessierte
    25.03.2019

    Das Riesenrad war Symbol des bisherigen Stadtfestes. Ob es auch künftig zum Festbild gehört, ist möglich, aber nicht sicher.
    ( das wäre meine Frage gewesen , ob denn bei neuen Ideen dann das Riesenrad wegfällt

    Das Parkfest und das Hutfest sprechen doch ein ganz anderes Klientel an ....
    Ersteres die Gäste und ihre Freunde und das Zweite die älteren , gesitteten Leute ; und auch das Bier-/ Weinfest hat andere Interessenten wie auch das Kindertagsfest

  • 14
    13
    881924
    22.03.2019

    Tja ganz einfach im Wahljahr kurz vor der Landtagswahl kann man das nicht gebrauchen. 2020 kann man mit der Sicherheitslage und Demos sprich der bunten Welt leben ;-)

  • 16
    12
    Lesemuffel
    22.03.2019

    Man rechnet demzufolge damit, dass die Gefährdungslage in 2020 besser wird. Auf Was Gründen sich die Hoffnungen und warum ist es nicht möglich die Stadt bereits bis September 2019 wieder so sicher zu machen, dass Großveranstaltungen durchgeführt werden können. Sind die Gefährdungsursachen bekannt? Wenn "Ja", wie werden diese bis 2020 beseitigt?

  • 18
    15
    Hinterfragt
    22.03.2019

    "...Absage in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen..."
    Komische Logik, wenn das Ganze 2020 unter neuem Namen, mit neuem Konzept durchgeführt wird ist die Sicherheit gewährleistet???

    Will man das Ganze in 'ner Halle mit Sperrzone von 3km und überwachtem Luftraum, autarker Medienversorgung, ... und Einlass nur nach Leibesvisitation durchführen???

    Sorry, aber ich ziehe mir die Hosen nicht mit der Kneifzange an!



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