Umweltpreis für Bio-Verpackung aus dem 3D-Drucker

Aprikosen, Holzmehl oder Schilf anstelle von Kunststoff: Eine Chemnitzer Firma nutzt kompostierbare Rohstoffe für den Bau von Behältnissen. Die Technologie bietet aber noch ganz andere Möglichkeiten.

Bernsdorf.

Das Verpacken und Versenden von sperrigen, zerbrechlichen Gegenständen kostet nicht nur Zeit und Nerven, sondern ist häufig auch riskant. Damit etwa eine kostbare handgeschnitzte Holzfigur aus dem Erzgebirge den glücklichen Empfänger im Schwarzwald unversehrt erreicht, sollte gut überlegt sein, wie das gute Stück sicher einzuwickeln ist. Allgemein kommen beim Verpacken unterschiedlichste Materialien wie Styropor, Knallfolie, Schaumstoff oder Klebeband zum Einsatz. Das Motto ist dann häufig: Je voluminöser die Verpackung, desto sicherer scheint der Transport. Das Problem dabei: Viele dieser herkömmlichen Materialien sind nicht natürlich abbaubar und landen später entweder auf dem Müll oder belasten Wälder und Gewässer.

Für eine mögliche Lösung dieses Problems ist ein junges Chemnitzer Unternehmen mit dem Sächsischen Umweltpreis in der Kategorie "Umweltfreundliche Technologien und Produktionsverfahren" ausgezeichnet worden. Die erst im Sommer vergangenen Jahres gegründete Firma Amtopus nutzt zur Herstellung von Verpackungen ungewöhnliche natürliche Materialien.

Torsten Kleditzsch

Die Nachrichten des Tages:Der „Freie Presse“-Newsletter von Chefredakteur Torsten Kleditzsch

kostenlos bestellen

So wird beispielsweise die harte Schale von Aprikosenkernen zu Pulver verarbeitet, um daraus ein stabiles Verpackungsmaterial herzustellen - und zwar im Drucker. "Im Gegensatz zum Fruchtfleisch der Aprikose und dem weichen Inneren des Kerns, aus dem Öl gewonnen werden kann, war die Kernschale bisher nur Abfall," sagt Henning Zeidler, einer der beiden Firmengründer. Die Schalen bezieht das Unternehmen etwa von Pharmafirmen, die dafür keine Verwendung hätten, sagt Zeidler. Ebenfalls genutzt werden können Holzmehl und Schilf. Die meisten der verwendeten Materialien müssten im Gegensatz zu herkömmlichen Verpackungsstoffen wie Plastik nicht etwa in der gelben Tonne entsorgt, sondern könnten direkt auf den Kompost geworfen werden. "Für uns ist zudem wichtig, dass die verwendeten Materialien möglichst hier vor Ort verfügbar sind", fügt er hinzu. Der ebenfalls verwendete neuseeländische Muschelkalk etwa, der technologisch auch verwertbar wäre, solle demnach nur noch in dem pazifischen Inselstaat zum Einsatz kommen.

Für die Produktion selber werden 3D-Drucker verwendet. Man habe eine Lösung entwickelt, sagt Firmengründer Zeidler, um kompliziert geformte und empfindliche Einzelstücke sicher zu verpacken. Dazu könnten etwa Wachsteile, hochsensible Bauteile, Kunstobjekte wie Glasbläserfabrikate, Ausstellungsstücke für Museen oder Holzfiguren aus dem Erzgebirge gehören.

Firmengründer Henning Zeidler ist aber nicht nur Unternehmer, sondern auch Wissenschaftler. An der TU Bergakademie Freiberg wirkt er als Professor für Additive Fertigung. Der Begriff bezeichnet das 3D-Druck-Verfahren, bei dem durch Auftragen und Verfestigen hauchdünner Schichten dreidimensionale Objekte geschaffen werden. Maße und Form des zu schützenden Gegenstandes müssen in ein Computerprogramm eingegeben werden, um die Verpackung in der genauen Passform ausdrucken zu können. Es sollen keine unnötigen Lücken entstehen oder zuviel Material verwendet werden, wie Zeidler betont. Einige der Bio-Materialien schützten besser vor hohen und niedrigen Temperaturen als herkömmliche Kunststoffe und auch in Sachen Stabilität seien sie zumindest nicht schlechter, so der Firmengründer.

Bevor das Verfahren marktreif ist, gilt es noch einige Herausforderungen zu meistern. Die Fertigung einer schuhkartongroßen Verpackung im 3D-Drucker würde laut Zeidler derzeit noch bis zu drei Stunden dauern. "Wir sind jedoch gerade dabei, die Maschinen weiterzuentwickeln, um den Prozess deutlich zu beschleunigen," so der Amtopus-Gründer. Ebenfalls zu klären sei, wie die Verpackungen zu den zukünftigen Kunden gelangen sollen, sagt er. In Planung ist ein mobiles Gerät, dass direkt vor Ort die Gegenstände ausmessen und die Verpackungen ausdrucken soll. Der Preis für diesen Service hänge von der Größe und Form des zu verpackenden Teils ab. Zeidler nennt einen "unteren zweistelligen Eurobereich" als Richtwert. Für Holzschnitzfiguren dürfte jedoch weniger anfallen.

Die Bio-Materialien sollen in Zukunft jedoch nicht nur für Verpackungen zum Einsatz kommen. "Ich könnte mir auch vorstellen, Bühnenkulissen oder Möbel aus diesen nachwachsenden Rohstoffen wie Schilf- oder Aprikosenkernen herzustellen," erklärt Zeidler. Bei Theateraufführungen und großen Veranstaltungen würden die verwendeten Requisiten und Aufbauten nur wenige Male verwendet und anschließend zumeist auf dem Müll landen. Gerade für solch kurzlebige Produkte, die jedoch viel Abfall verursachen, seien nachwachsende, kompostierbare Materialien eine umweltschonende Wahl.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...