Warum der CFC seine Anzeigetafel abgeben muss

Die LED-Leinwand ist an den VfB Auerbach verkauft worden. Dabei war sie auch den Himmelblauen angeboten worden.

Es wäre kurios: Der Chemnitzer FC steigt in die Dritte Liga auf, und im ersten Heimspiel passiert das: Es fällt ein Tor, das Ergebnis ist aber nicht auf der Anzeigetafel zu sehen, sondern auf Pappschildern, die von Mitarbeitern hochgehalten werden. Undenkbar? Fakt ist, dass der Tabellenführer der Regionalliga seine derzeitige Anzeigetafel abgeben muss. Die acht mal fünf Meter große LED-Wand wird in einem anderen Stadion aufgebaut - in dem des Liga-Konkurrenten VfB Auerbach.

Hintergrund dafür sind Verträge aus der Zeit, als das Stadion für 27 Millionen Euro umgebaut wurde. Mehrere Bereiche der 2016 fertiggestellten Sportstätte, darunter die Kabinenausstattung und die Anzeigetafel, wurden nicht vom Eigentümer, der Stadt, bezahlt. Stattdessen hat sie der CFC über Leasingverträge finanziert. Bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Frühjahr 2018 sei noch eine Leasingrate von 117.000 Euro offen gewesen, teilt CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon auf Anfrage mit. Ein von ihm beauftragter Sachverständiger habe aber ermittelt, dass die Tafel nur 11.000 Euro wert sei. Deswegen und weil der CFC nicht Eigentümer des Stadions ist, habe er den Leasingvertrag nicht fortgeführt.

Die Leasinggesellschaft, ein in Stuttgart ansässiges Unternehmen, bot die Leinwand schließlich zum Verkauf an. Der CFC sollte 110.000 Euro zahlen, was der Verein ablehnte. Stattdessen kam der VfB Auerbach zum Zug. Man habe schon seit Jahren nach einer Leinwand gesucht und alle Vorbereitungen für deren Einbau im Stadion getroffen, berichtet Manager Volkhardt Kramer: "Als uns die vom CFC angeboten wurde, waren wir erst skeptisch, weil sie sehr groß ist." Der VfB willigte dennoch ein. "Wir haben uns aber versichern lassen, dass dem CFC die Tafel angeboten wurde", so der Manager. Bezahlt hat Auerbach wohl einen niedrigen fünfstelligen Betrag. Warum die Vogtländer deutlich weniger als die Himmelblauen aufbringen mussten, bleibt offen. Die Leasinggesellschaft ließ eine Anfrage dazu unbeantwortet.

CFC-Insolvenzverwalter Siemon meint indes, die Stadt Chemnitz als Stadioneigentümer sei für die Grundausstattung der Sportstätte zuständig - und dazu gehöre eine Anzeigetafel. Das Rathaus hat allerdings keinen Ankauf geprüft: Man sei nicht von der Leasinggesellschaft kontaktiert worden und habe deswegen keine Kenntnis vom Verkauf der Anzeigetafel gehabt, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit.

Wann die Wand in Chemnitz ab- und in Auerbach aufgebaut wird, ist noch offen. VfB-Manager Kramer rechnet mit einem Termin im Sommer. Man werde sich mit dem CFC einig. Bis dahin müsse der Club eine Mietrate an seinen Verein bezahlen. "Da geht es aber eher um einen symbolischen Betrag", sagt Kramer.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
7Kommentare
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  • 11
    3
    tatsachenverdreher
    16.04.2019

    Auerbach kann seine bisherige Anzeige-Anlage an den CFC abgeben, die brauchen dann ja die Papptafeln nicht mehr...

  • 11
    4
    cn3boj00
    16.04.2019

    Manchmal muss man schon an Schildbürger glauben, und Siemon als deren Häuptling. Was bitte macht ein Vereien ohne Anzeigetafel? Wo kriegt der jetzt eine neue her? Wieder vom Steuerzahler? Warum hat man sie nicht gekauft? Und wenn man schon der Meinung war, der Stadioneigentümer solle sie kaufen, warum hat man nicht mit dem gesprochen? Egal wie hoch der Wert ist, die Tafel durch eine neue zu ersetzen wird wohl am Ende noch teurer werden. Echt clever.

  • 15
    1
    HHCL
    16.04.2019

    "Wem gehören eigentlich die Sitzschalen? "

    Dem CFC schon mal nicht. Dem Papier nach wohl der GGG, genau genommen wohl dem Chemnitzer Steuerzahler.

  • 10
    2
    698236
    16.04.2019

    @ acals: Freue mich auf das nächste 10:9 ohne elektronische Tafel!

    Wem gehören eigentlich die Sitzschalen? Ist da nicht Bedarf in Auerbach, Plauen oder ach Karlsruhe baut ein neues Stadion. Anton wird es uns danken!

  • 24
    3
    Zeitungss
    16.04.2019

    Wenigstens der unterhaltsame Teil geht nicht verloren. Hat schon einmal jemand an eine Verfilmung gedacht ??? "Der CFC - eine einzige Erfolgsgeschichte", könnte der Titel lauten, es wäre ein Kassenschlager.

  • 6
    12
    acals
    16.04.2019

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    Also, ich finde solche Anzeigen eh (retro)charmanter ...

  • 19
    6
    698236
    16.04.2019

    Da sollte man alleine wegen einsEnergie die Tafel ab sofort ausschalten. Wenn das keine Retourkutsche von eins ist! Das ist die nächste Provinzposse in Westsachsen! Ich kann diese Selbstzerfleischungsmentalität unter den Akteuren nicht mehr nachvollziehen. Kein Wunder, dass sich immer mehr Verdruß unter den Fans und der Bevölkerung breit macht. Wer das oben liest, kann sich ja nur noch die Augen reiben.



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